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05.10.2020

Die FDP und die Frauenfrage

Christian Lindner, Bundesvorsitzender der FDP, während seiner Rede beim Bundesparteitag der Freien Demokraten (FDP) in Berlin.
Bild: Bernd von Jutrczenka, dpa

Ein peinlicher Herrenwitz, eine abberufene Generalsekretärin: Bei der FDP, so scheint es, geben noch immer die Männer den Ton an. Eine Gruppe von Frauen will das nun ändern.

Miriam Gruß erinnert sich noch gut. Knapp war es, als sie im Herbst 2005 zum ersten Mal für die FDP in den Bundestag einzog – eine junge Frau von noch nicht einmal 30 Jahren, die auf Platz neun der bayerischen Landesliste gerade noch so ins Parlament gerutscht war. Dort machte sie zwar schnell Karriere, wurde familienpolitische Sprecherin und später sogar stellvertretende Vorsitzende der Fraktion. Einfach aber, sagt sie heute, „war es als Frau in der FDP nie.“

Daran hat sich nichts geändert. Während Miriam Gruß die große Politik als Bürgermeisterin von Gundelfingen im Landkreis Dillingen nur noch aus der Ferne verfolgt, muss sich die FDP wieder einmal des Vorwurfs erwehren, sie sei noch immer der alte Männerladen. Generalsekretärin Linda Teuteberg etwa hat Parteichef Christian Lindner vor kurzem durch den Pfälzer Volker Wissig ersetzt, die stellvertretende Vorsitzende Katja Suding kehrt der Politik von sich aus den Rücken – und auch in Bayern hat eine FDP-Frau gerade eine empfindliche Niederlage erlitten. Die Erlanger Abgeordnete Britta Dassler wurde in ihrem Wahlkreis nicht mehr für die nächste Bundestagswahl nominiert. Dort kandidiert jetzt ein Mann.

Miriam Gruß ist Bürgermeisterin von Gundelfingen.
Bild: Stadt Gundelfingen

Keine Frauen-Quote bei der FDP

Alles nur Zufall – oder ein strukturelles Problem? „Zugeflogen ist mir damals nichts“, sagt Miriam Gruß mit dem Abstand von einigen Jahren. Nahezu jedes Amt, das sie bei den Liberalen angestrebt habe, habe sie sich erkämpfen müssen, und zwar meist gegen männliche Gegenkandidaten. Auch bei ihrer ersten Kandidatur für den Bundestag musste sie sich auf Kreis–, Bezirks- und Landesebene gegen mehrere Männer durchsetzen, um am Ende als Neunte auf der Landesliste zu landen. So mancher Mann hatte diesen Platz zuvor für aussichtslos erklärt – ein strategischer Irrtum.

Während Grüne, Sozialdemokraten oder Linke Frauen mithilfe fester Quoten zu Mandaten verhelfen, hat die FDP im vergangenen Jahr lediglich eine unverbindliche Zielvereinbarung beschlossen, die zu einem höheren Frauenanteil in den Führungspositionen der Liberalen und auch in den Parlamenten führen soll. Eine Quote lehnt die Partei ab.

Die meisten FDP-Abgeordneten sind Männer

„Bei uns zählt das Leistungsprinzip“, sagt der bayerische Landesvorsitzende Daniel Föst. „Ob jemand groß oder klein ist, dick oder dünn, Mann oder Frau, spielt keine Rolle.“ Bei den Kommunalwahlen im März etwa sei die Partei in den Kreis-, Stadt- und Gemeinderäten schon deutlich weiblicher geworden. Dafür sitzt im Landtag nur eine Frau neben neun Männern in der Fraktion der Freidemokraten. Im Bundestag, das immerhin, sind vier der zwölf bayerischen FDP-Abgeordneten Frauen.

Ein Jahr vor der Bundestagswahl hat sich eine Gruppe liberaler Frauen nun in einem neuen Netzwerk zusammengeschlossen – angeführt, unter anderem, von der niederbayerischen Abgeordneten Nicole Bauer, der frauenpolitischen Sprecherin ihrer Fraktion. „Wir haben viele tolle Frauen in der FDP, wir müssen sie nur sichtbarer machen“, sagt sie. „Und wir brauchen diese und weitere Frauen, die sich engagieren wollen.“ Die Gründung des Netzwerkes, hofft sie, könnte diesen Prozess beschleunigen: „Die Leute schreiben mir auf allen Kanälen.“ Im Moment sind nur etwas mehr als 20 Prozent der mehr als 65.000 FDP-Mitglieder Frauen, auch gewählt wird die Partei deutlich häufiger von Männern.

Linda Teuteberg war Generalsekretärin der FDP.
Bild: Kay Nietfeld

Christian Lindner gilt nicht als Förderer für Frauen

Für seinen von vielen Delegierten als peinlich bis frauenfeindlich empfundenen Scherz über viele gemeinsam verbrachte Morgenstunden, mit dem er Linda Teuteberg gerade auf dem Parteitag als Generalsekretärin verabschiedet hat, hat Parteichef Christian Lindner sich inzwischen zwar entschuldigt. Als großer Frauenförderer aber ist er den liberalen Frauen bisher nicht gerade aufgefallen. Die Bremerin Lencke Wischhusen, selbst Mitglied im Bundesvorstand, fordert deshalb eine Doppelspitze nach dem Vorbild der Grünen für ihre Partei: „Die FDP hat beeindruckende Frauen in ihren Reihen. Allerdings kennt man sie zu wenig.“ Frauen sollten daher auch in der ersten Reihe vertreten sein. „Die Doppelspitze ist eine große Chance, uns breiter präsentieren zu können.“

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