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Deutsche Bahn

26.03.2020

Die angeschlagene Bahn eiert in die Corona-Krise

Fahrgast-Rekord bei der Deutschen Bahn. Doch insgesamt zeichnet die Bilanz des Konzerns ein düsteres Bild. Und dabei ist die Corona-Krise da noch gar nicht eingerechnet.
Bild: Gero Breloer/dpa/Archiv

Der Konzern kommt unter seinem Chef Richard Lutz nicht auf Touren. Die Schulden steigen um 4,6 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis sinkt deutlich.

Das Coronavirus bewahrte den Bahn-Chef vor bohrenden Nachfragen. Bereits vor einigen Tagen schon musste sich Richard Lutz in häusliche Quarantäne begeben, die für Donnerstag geplante Bilanzpressekonferenz fiel deshalb aus. Sie wurde durch eine Pressemitteilung ersetzt, Fragen konnten nicht gestellt werden, auch die anderen Vorstandsmitglieder standen nicht zur Verfügung. Was an Informationen da ist, zeichnet ein düsteres Bild vom Staatskonzern Deutsche Bahn AG.

Bilanz der Deutschen Bahn: Ein düsteres Bild vom Staatskonzern

Der Umsatz stieg 2019 demnach zwar leicht um knapp ein Prozent auf rund 44 Milliarden Euro. Doch ein Blick auf das aussagekräftigere EBIT zeigt, wie es in Wahrheit um den Konzern bestellt ist. Diese Kennzahl ist die Messgröße für die operative Ertragskraft eines Unternehmens, sie weist den Gewinn vor Zinsen und Steuern aus. Das EBIT lag demnach 2019 bei 1,8 Milliarden Euro, ein Minus von 13 Prozent gegenüber 2018. Gleichzeitig explodierten die Netto-Finanzschulden: Ende 2019 standen 24,2 Milliarden Euro auf der Schuldenuhr des Konzerns, rund 4,6 Milliarden Euro oder 23,7 Prozent mehr als noch im Jahr zuvor.

Sorgenkind des Konzerns ist weiterhin die Gütersparte. Nachdem DB Cargo bereits 2018 Verluste von 190 Millionen eingefahren hatte, stand das Minus im vergangenen Jahr bei sagenhaften 308 Millionen Euro (EBIT). Und der Konzern erwartet nicht, dass der Güterverkehr Fahrt aufnimmt. Im Gegenteil: „Weil die Nachfrage in konjunkturabhängigen Branchen wie Stahl und Automobil zurückgeht, ist davon auszugehen, dass ein nachhaltiges Wachstum des Schienengüterverkehrs trotz aller Kraftanstrengungen noch einige Zeit brauchen wird“, heißt es.

Die angeschlagene Bahn eiert in die Corona-Krise

Deutsche Bahn: Die Corona-Krise wird den Konzern noch stärker ins Schlingern bringen

Die Holding DB Arriva, unter deren Dach das Auslandsgeschäft gebündelt ist, verlor im Vergleich zum Jahr zuvor elf Millionen Euro und schloss 2019 mit 289 Millionen Euro Plus ab. Bahn-Chef Lutz plant schon lange den Verkauf seines einstigen Prestigeprojekts. Bislang scheiterte ein Deal angeblich an den zu geringen Geboten. „Der Prozess wurde noch nicht abgeschlossen“, heißt es dazu im Konzernbericht.

Die Folgen der Corona-Krise sind in diesen Zahlen natürlich noch nicht eingepreist, aber sie wird den angeschlagenen Konzern noch stärker ins Schlingern bringen. „Auch wenn wir die negativen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf unsere finanzielle Situation noch nicht abschließend quantifizieren können, ist schon heute erkennbar, dass sie die Geschäftsentwicklung in 2020 erheblich negativ beeinflusst sein wird“, erklärte Lutz.

Warum die Bilanz der Bahn für Kunden sehr ärgerlich ist

Vergleichsweise gut lief es demnach im Fernverkehr. Dort stieg das operative Ergebnis um 68 auf 485 Millionen Euro. Mit rund 151 Millionen Reisenden erzielte der Konzern in diesem Bereich einen neuen Fahrgastrekord. Im Vergleich zum bereits starken Vorjahr nutzten 2019 nochmals 1,9 Prozent oder 2,8 Millionen Reisende mehr die ICE- und IC-Züge.

Für die Kunden sind diese Zahlen unterm Strich allerdings in vielerlei Hinsicht ärgerlich. Sie müssen nicht nur mit ständig steigenden Ticketpreisen leben, sie pumpen auch ungewöhnlich viel Steuergeld in den Konzern. Dem Bundesrechnungshof zufolge bekam die Bahn 2017 beispielsweise stolze 13,4 Milliarden Euro Zuschüsse. Zudem verzichtete der Bund  auf ihm zustehende Dividenden in Höhe von 1,4 Milliarden Euro.

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