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22.01.2018

Die langen Schatten des Missbrauchs

Papst Franziskus gestern bei seiner Station im peruanischen Lima.
Bild: afp

Wie Papst Franziskus seine Kritiker gegen sich aufbringt

Auf seiner Lateinamerika-Reise zog Franziskus Aufmerksamkeit auf sich, als er angeblich spontan ein Paar von Flugbegleitern im Flugzeug traute. Wie später bekannt wurde, hatte das Paar bereits im Dezember den Wunsch geäußert, vom Papst im Flieger den Segen gespendet zu bekommen. Die Show zeigt: Die Wirklichkeit stellt sich oft anders dar als auf den ersten Blick.

Das gilt auch für das Thema des sexuellen Missbrauchs. Gleich zu Beginn seiner Fahrt hatte sich der Papst in Santiago de Chile öffentlich bei Betroffenen entschuldigt, die Opfer sexuellen Missbrauchs durch Mitglieder des katholischen Klerus geworden sind. Doch als es um einen konkreten Fall ging, die Vorwürfe gegen den von Franziskus im Jahr 2015 ernannten Bischof von Osorno, Juan Barros, reagierte der Papst auf eine Reporterfrage unüblich scharf: „Es gibt keinen einzigen Beweis gegen ihn. Das ist alles Verleumdung. Ist das klar?“

Drei Betroffene, die der Papst so als Verleumder brandmarkte, schilderten dagegen, wie Barros zugegen gewesen sei, als der einschlägig bekannte und vom Vatikan suspendierte Täter Fernando Karadima sie sexuell missbraucht habe.

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Der engste Mitarbeiter des Papstes in Sachen Missbrauch geht nun auf Distanz zu Franziskus. Kardinal Seán O’Malley, Vorsitzender der Kinderschutz-Kommission im Vatikan, teilte mit, er wisse nicht, warum Franziskus im Fall Barros diese Worte gewählt habe. Es sei verständlich, dass die Äußerungen „großen Schmerz“ bei den Opfern sexuellen Missbrauchs auslösten. Solche Worte ließen „diejenigen im Stich, die verwerfliche kriminelle Verletzungen ihrer Menschenwürde erlitten haben und verurteilen sie zur Unglaubwürdigkeit“.

Auch auf dem offiziellen Informationsportal des Vatikans, Vatican News, hieß es, die Äußerung des Papstes zum Fall Barros habe einen „verheerenden Eindruck“ auf viele Gläubige in Chile hinterlassen.

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