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CDU-Vorsitz

01.12.2018

Die letzte Schlacht des Geheimbundes

Das letzte Ass des Andenpaktes: Friedrich Merz (links) neben Günther Oettinger. „Er kommt ja nicht vom Mond zurück.“

Günther Oettinger macht Wahlkampf für Friedrich Merz. Die beiden verbindet mehr als politische Positionen. Es geht um ein Versprechen unter Männern – und um späte Genugtuung

Es gibt viele Geschichten über diesen sagenumwobenen Geheimbund. Die meisten stimmen nicht. Oder zumindest nicht ganz. Aber das macht den Mythos vom Andenpakt ja nur noch spannender. Mögen aus den jungen Wilden, die sich Ende der 70er Jahre auf einer Südamerika-Reise ewige Loyalität schworen, längst ergraute Herren geworden sein: Ihr letztes Ziel haben sie nicht aufgegeben. Einer von ihnen soll es doch noch bis ganz nach oben schaffen. Bis ins Kanzleramt.

Günther Oettinger ist einer dieser CDU-Männerfreunde. Der 65-Jährige hat es weit gebracht, war Ministerpräsident von Baden-Württemberg und ist heute einer der mächtigsten EU-Kommissare. Für ganz oben hat es nicht gereicht. Dafür zieht er hinter den Kulissen noch immer an vielen Strippen. Zum Beispiel, um einem anderen Mitglied des Andenpakts zu einem spektakulären Comeback zu verhelfen: Friedrich Merz. Der 63-Jährige will CDU-Chef und Kanzler werden – und Oettinger ist einer seiner wichtigsten Wahlkämpfer.

„Ich bin nicht gegen die Annegret“, betont der Baden-Württemberger im Gespräch mit unserer Redaktion gleich mal vorneweg und meint damit Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer, die im Rennen um den Parteivorsitz – zumindest laut Umfragen – momentan vorne liegt. Was folgt ist eine rhetorische Bewerbungsmappe für Friedrich Merz. Wirtschaftskompetenz, international gut vernetzt, Führungsstärke und so. Dass Merz auch die Sehnsucht nach der CDU von früher verkörpert und genau genommen auf das Rentenalter zugeht, lässt Oettinger nicht gelten: „Er ist vom Typ her doch kein älterer Herr, sondern ein dynamischer, gebildeter, offensiver Mann. Und er muss ja nicht gleich 18 Jahre an der Spitze bleiben wie Angela Merkel.“ In der langen Politik-Pause des Kandidaten sieht Oettinger auch keinen Nachteil: „Er war trotzdem immer nah dran und kommt ja nicht vom Mond zurück.“ Es werde bei einer nachlassenden Konjunktur darauf ankommen, wer am besten Arbeitsplätze halten und den Standort Deutschland sichern kann. Außerdem müsse die CDU ihr Profil als Europa-Partei schärfen und den Populisten und Nationalisten die Stirn bieten. „Das alles traue ich Friedrich Merz am ehesten zu“, sagt Oettinger.

Es ist nicht lange her, da wurde der Andenpakt als „Merkels Männerfriedhof“ verspottet. Tatsächlich hat die Kanzlerin die meisten Mitglieder des Geheimbundes – wie die Ex-Ministerpräsidenten Roland Koch, Christian Wulff und Peter Müller – politisch überlebt. Unverhofft ist nun noch ein letztes Anden-Ass im Ärmel aufgetaucht. Sollte Merz am kommenden Freitag tatsächlich Parteichef werden, wäre es auch die späte Genugtuung für eine Generation von CDU-Männern, die es weit gebracht haben und denen doch immer das ungute Gefühl geblieben ist, zu kurz gekommen zu sein.

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