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26.10.2018

Die neue Angst vor der Bombe

Im Kalten Krieg war die Gefahr eines Atomkriegs zwar sehr real, aber auch übersichtlich. Es gab zwei Machtblöcke, die jeweils so viele Atomwaffen besaßen, dass ein Angriff ohne einen verheerenden Gegenschlag des anderen unmöglich war. Nukleare Abschreckung nannte man das. Seit dem Ende des Kalten Krieges ist die Zahl der Atomwaffen von 70000 auf knapp 15000 geschrumpft. Gleichzeitig hat die Verlässlichkeit in der internationalen Politik dramatisch abgenommen, seit Donald Trump ins Weiße Haus eingezogen ist. Der US-Präsident hat den Ausstieg aus gleich zwei Abkommen angekündigt, die einem neuen atomaren Wettrüsten entgegenwirken sollen. Nach Ansicht von Experten ist die atomare Bedrohung damit heute wieder so groß wie zur Zeit des Kalten Krieges. Das sind die größten Gefahren:

Die Aufkündigung des INF-Abrüstungsabkommens durch Trump kam plötzlich, aber nicht überraschend. Die USA werfen Russland seit Jahren offen Vertragsbruch vor. Ihrer Einschätzung nach entwickeln und erproben die russischen Streitkräfte eine neue landgestützte Mittelstreckenrakete. Russland wirft den USA im Gegenzug vor, den Vertrag mit der Errichtung einer Raketenabwehrstation der Nato in Rumänien verletzt zu haben. Die Aufkündigung könnte die Wende zu einem neuen Wettrüsten in Europa bedeuten.

Nach US-Angaben hat Chinas Volksbefreiungsarmee das weltweit größte Arsenal von mehr als 2000 ballistischen Raketen und Marschflugkörpern. Davon würden 95 Prozent unter das Abkommen fallen – wenn China denn Vertragspartner wäre. Die Atommacht China ist mit rund 280 nuklearen Sprengköpfen zwar klein im Vergleich zu den USA mit 6450. Aber es geht den USA genauso um konventionelle Schlagkraft. Denn die Raketen können China im Kriegsfall dazu dienen, die US-Streitkräfte im Pazifik zu stören. Die USA können den chinesischen Waffen bereits jetzt Raketen auf Schiffen oder an Flugzeugen entgegensetzen, die nicht vom INF-Vertrag betroffen sind. Aber Experten denken daran, sich von den Beschränkungen des Abkommens zu „befreien“, um Mittelstreckenraketen auf der US-Pazifik-insel Guam oder im Norden Australiens zu stationieren. Einen neuen Abrüstungsvertrag mit China und Russland gemeinsam zu verhandeln, wie Trump vorgeschlagen hat, halten Diplomaten für illusorisch.

Indien ist seit vielen Jahrzehnten Atommacht, galt aber lange Zeit als Verfechter nuklearer Abrüstung. Ende der 90er Jahre vollzog das Land eine Kehrtwende und testete sogar erstmals wieder Atomwaffen. Das indische Nukleararsenal dient vor allem der Abschreckung Pakistans.

Im Mai hat Trump die Welt bereits mit seinem Ausstieg aus dem Atomabkommen mit dem Iran schockiert. Es war zu diesem Zeitpunkt noch keine drei Jahre in Kraft. Mit dem Ausstieg der USA ist die Vereinbarung stark ins Wanken geraten. Platzt das Abkommen, könnte das zu einem atomaren Rüstungswettlauf im Nahen Osten führen. Auch Saudi-Arabien könnte dann nach der Atombombe greifen. Und in Israel lagern laut Sipri bereits jetzt 80 Nuklearwaffen.

Das Land besitzt Mittel- und Langstreckenraketen, die vermutlich auch mit Atomsprengköpfen bewaffnet werden könnten. Nordkorea soll bis zu 20 nukleare Sprengköpfe besitzen. Die USA fürchten, dass Machthaber Kim Jong Un damit auch amerikanisches Territorium erreichen könnte. Das historische Treffen zwischen Kim und Trump im Juni 2018 in Singapur weckt Hoffnungen auf eine nukleare Abrüstung. (dpa, afp)

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