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Porträt

23.05.2020

Diese beiden Männer verantworten die Corona-Milliarden

Werner Gatzer und Jörg Kukies verwalten viele Milliarden Euro.
Bild: Fotostand

Werner Gatzer und Jörg Kukies sind Staatssekretäre im Finanzministerium. Sie stehen weniger im Scheinwerferlicht als Olaf Scholz. Doch gemeinsam verantworten sie viele Milliarden Euro.

Das Bundesfinanzministerium ist ein gar gruseliger Bau. „Wie kaum ein anderes Gebäude in der Hauptstadt spiegelt es die wechselvolle Geschichte Deutschlands wider“, schreibt das Ministerium über das heutige Detlev-Rohwedder-Haus an der Wilhelmstraße, unweit des Potsdamer Platzes. Bis Kriegsende residierte hier das Reichsluftfahrtministerium und trotz vieler Umbauten meint man, immer noch die Schritte stiefelbewehrter Nazis durch die endlos langen Gänge hallen zu hören.

Auch nach Kriegsende wurde hier Geschichte geschrieben. Peer Steinbrück managte an der Seite von Kanzlerin Angela Merkel die Finanz- und Eurokrise, jetzt ist es wieder ein SPD-Politiker, der als Finanzminister das Land durch schwierige Zeiten lenken muss. Wie schon Steinbrück hat Olaf Scholz dabei im Regierungsvergleich bemerkenswert viele fähige Staatssekretäre an seiner Seite. Mit Werner Gatzer und Jörg Kukies stehen zwei von ihnen gerade besonders im Fokus: Beide sind maßgeblich für die Verteilung der 600 Milliarden Euro aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) verantwortlich.

Werner Gatzer.
Bild: Kay Nietfeld, dpa

Im Finanzministerium herrschte schon immer ein etwas anderes Selbstverständnis, die dicken Mauern formten Typen. Etwa Ex-Staatssekretär Jörg Asmussen, der zusammen mit Bundesbank-Chef Jens Weidmann – er war damals im Kanzleramt tätig – während der Finanzkrise unterhalb der Ministerebene erfolgreich Strippen zog. Legendär ist die Anekdote, wie beide 2010 nach der durch isländische Vulkanasche erzwungenen Flug-Odyssee von Kanzlerin Angela Merkel mit der Delegation wieder in Europa ankamen. Anstatt es nach Tagen des Schlafmangels geruhsam angehen zu lassen, mieteten sich beide einen Wagen und bretterten über die Alpen nach Deutschland zu den Konfirmationsterminen ihrer Familien. Unvergessen auch die Geschichte von Ministeriumssprecher Michael Offer, der von seinem damaligen Chef Wolfgang Schäuble während einer Pressekonferenz übel angemault wurde – und der danach nicht etwa den Kopf einzog, sondern selbstbewusst seine Kündigung einreichte.

Diese beiden Männer verantworten die Corona-Milliarden

Werner Gatzer ist ein Urgestein

Eine Karriere wie die von Werner Gatzer passt da gut hinein. Er ist, mit kurzen Unterbrechungen, schon seit Urzeiten im Ministerium. Der bekennende Fan des Fußball-Bundesligisten 1. FC Köln ist SPD-Mitglied, arbeitete als Roter aber auch unter Schwarzen – eine bewährte Tradition im Finanzministerium, die viele andere Häuser so nicht pflegen. Bei ihnen werden mit wechselnden Regierungen oft auch die Staatssekretäre ausgetauscht.

Gatzer wurde 2005 Haushaltsstaatssekretär als Nachfolger des „ewigen“ Manfred Overhaus von der CDU, der ihn 1990 in die Haushaltsabteilung des Ministeriums geholt hatte. Der heute 61-Jährige arbeitete unter Theo Waigel (CSU), Hans Eichel (SPD), Steinbrück (SPD) und Schäuble (CDU). Mit Letzterem brachte es der gebürtige Bergisch Gladbacher fast zu Kultstatus: Er gilt als Erfinder der „Schwarzen Null“.

Jörg Kukies.
Bild: Mario Salerno/EU Council, dpa

Gatzer hält als Haushaltsstaatssekretär enge Verbindung zum WSF, dessen Lenkungsausschuss von Jörg Kukies geleitet wird. Kukies war gerade an der Rettung der Lufthansa beteiligt, mit Gatzer verbindet ihn nicht nur das SPD-Parteibuch, sondern auch eine ähnliche Einstellung zum Job: Beide nahmen erhebliche Gehaltseinbußen hin, um Staatssekretär zu werden, beziehungsweise es zu bleiben.

Kukies galt als Coup von Olaf Scholz

Kukies Wechsel im April 2018 galt als echter Coup von Olaf Scholz. Der konnte den weltweit anerkannten Finanzexperten von der US-Investmentbank Goldman Sachs in sein Ministerium lotsen. Der Wechsel war nicht unumstritten, vielen Zeitgenossen galt und gilt das Institut als Teufelszeug. Die auch parteiinternen Wogen glätteten sich allerdings schnell, nachdem der vielfach graduierte und promovierte Banker seine Arbeit aufgenommen hatte.

Im Vergleich zu Gatzer, dem sie zeitweise den damaligen parlamentarischen Staatssekretär Steffen Kampeter (CDU) bei Pressekonferenzen als eine Art Aufpasser zur Seite stellten, gilt Kukies als der deutlich vorsichtigere Typ. Beide eint ein messerscharfer analytischer Verstand, den sie bei den anstehenden Aufgaben oft auch brauchen werden. Denn es geht nicht nur darum, die 600 Milliarden Euro Hilfsgelder in die richtigen Kanäle fließen zu lassen. Die schwarz-rote Bundesregierung muss sich gerade auch entscheiden, welche Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft dem Corona-Virus zum Opfer fallen sollen. Die Frage von Staatsbeteiligungen etwa gehört dazu.

 

„Es geht darum, möglichst viele Arbeitsplätze und Unternehmen zu erhalten“, sagt Werner Gatzer, der gleichzeitig weiß, dass die Tresore irgendwann leer sind. Kukies betont die Verantwortung aller beim Kampf gegen die Folgen der Krise. Die Fehler der Finanzkrise will er nicht wiederholen, „Gewinne sollen nicht privatisiert und Verluste nicht verstaatlicht werden“, meint der gebürtige Mainzer.

Eine Finanzlast von rund 1,2 Billionen Euro drückt derzeit wegen der Corona-Krise auf Deutschland. Ob das Land darunter begraben wird, hängt vom Infektionsverlauf ab. Und ganz maßgeblich von Beamten, von Typen, wie Gatzer und Kukies. Fest steht jetzt schon, dass Deutschland an dieser Stelle gut aufgestellt ist.

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