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Trump und Deutschland

09.11.2016

Donald Trumps Großeltern kommen aus Rheinland-Pfalz

Ein Grabstein mit der Aufschrift "Trump" in Kallstadt Rheinland-Pfalz auf dem Friedhof. Die Großeltern von Donald Trump kommen von dort.
Bild: Uwe Anspach, dpa

Donald Trump hat ein gespaltenes Verhältnis zu Deutschland - dabei kommen seine Großeltern und sein Vater aus der Pfalz. Genauer: Aus Kallstadt bei Heidelberg.

Den schönsten Blick auf das pfälzische Kallstadt hätte Donald Trump aus den Rebhängen oberhalb des kleinen Weindorfs. Links das Gebäude der tüchtigen Winzergenossenschaft, mittig im Ortskern das schieferne Zwiebeltürmchen der Kirche, das malerisch die roten Ziegeldächer überragt. In der Ferne ist Heidelberg zu sehen.

„Hier würde ich Herrn Trump hinführen, wenn er uns besuchen kommt“, sagt Thomas Jaworek. Der CDU-Ortsbürgermeister hat das Szenario zuletzt häufiger durchgespielt. Denn in seinem 1200-Seelen-Dorf an der Deutschen Weinstraße stehen die Elternhäuser von Trumps Großeltern Friedrich und Elisabeth. Und seit Enkel Donald der US-Präsidentschaft entgegenpolterte, war das Interesse an dessen deutschen Wurzeln und an Kallstadt nach dortigen Verhältnissen geradezu explodiert.

Donald Trump könnte heute auch Winzer in der Pfalz sein

Statt designierter US-Präsident könnte Donald Trump heute ein pfälzischer Winzer mit Traktor sein – King of Kallstadt statt King of New York. Sein Großvater Friedrich ist das vierte von sechs Kindern einer Familie, die wie fast alle Kallstadter einen kleinen Winzerhof mit sechs Hektar Reben bewirtschaftet.

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Die Pfalz gehört noch zum Königreich Bayern, als sich der 16-jährige Friedrich 1885 entscheidet, in die USA auszuwandern. Vielleicht, weil der Hof nicht allen Familienmitgliedern zum Leben reicht. Womöglich will er aber auch den Militärdienst umgehen, wie der Historiker Roland Paul vom Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde in einem Aufsatz schreibt.

Bei einer Schwester, die bereits in New York lebt, kommt Friedrich unter, findet zunächst Arbeit in einem Friseursalon. Wenige Jahre später zieht es ihn an die Westküste. Neben wechselnden Restaurants betreibt er – mittlerweile mit amerikanischem Pass – auch Hotels, hinter denen sich Bordelle verbergen. Frederik, wie er sich in den USA jetzt nennt, schickt schon in dieser Zeit Geld zur Schwester nach New York, damit diese dort Land und Immobilien kaufe.

Mehrfach kehrt Friedrich nach Kallstadt zurück, heiratet 1902 sogar das Nachbarsmädchen Elisabeth Christ. Sein Wunsch zu bleiben wird ihm verwehrt. Mit mehreren Anträgen auf Wiedereinbürgerung in der Heimat scheitert der Auswanderer. Auch ein Bittbrief an Prinzregent Luitpold persönlich bringt nichts.

Aus den Trumps wird gezwungenermaßen eine New Yorker Familie. Als Friedrich 1918 an der Spanischen Grippe stirbt, hinterlässt er die drei Kinder Elisabeth, Fred und John sowie ein kleines Immobiliengeschäft, das seine Frau unter dem Namen „Elizabeth Trump & Son“ mit großem Geschick weiterführt – und das Donald Trump später erbt.

Das Familiengrad der Trumps wurde aufgelöst

„Die Elternhäuser der Großeltern sind die einzig sichtbaren Andenken, die es von Donald Trumps Vorfahren in Kallstadt noch gibt“, sagt Ortsbürgermeister Jaworek und deutet auf ein weißgrau gestrichenes, dreistöckiges Haus mit Giebeldach. Ein breites, blaues Holztor versperrt den Blick in den Hof. Hier sei Friedrich Trump aufgewachsen. „Jetzt wohnt eine zugezogene Familie drin“, erklärt Jaworek.

Auf dem Friedhof sei das einstige Familiengrab der Trumps im vergangenen Jahr aufgelöst worden. Und das gleichnamige Weingut, lange schon nicht mehr von der Familie betrieben, sei vor zehn Jahren in Konkurs gegangen. Donald Trump selbst habe sich im Dorf nie blicken lassen. „Wahrscheinlich würden einige sogar die Rollläden runterlassen, wenn er kommt“, mutmaßt Jaworek.

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Bild: dpa/afp

Thomas Jaworek sieht dem, was kommen mag, gelassen entgegen. Er, der Dorfoberste, könne ohnehin schlecht wegrennen, auch wenn ihm keine politische Forderung Trumps einfalle, die er unterschreiben würde. „Wir können ihn hier bei uns sicher ein bisschen erden.“

Noch aber führen die Kallstadter eine Fernbeziehung mit dem berühmtesten Nachfahren der Dorfgemeinschaft. Wie es mit der Liebe steht? Im Verkaufsraum der Winzergenossenschaft schenkt Geschäftsführer Axel Messer ein Glas Riesling ein und denkt eine Weile nach, bevor er antwortet. Wie es auf dem Dorf so ist, seien viele Kallstadter über unzählige Ecken mit Trump entfernt verwandt. „Dass er Milliardär ist und mehrfach seine Frauen gewechselt hat, war aber alles, was man die meiste Zeit über ihn wusste“, sagt Messer.

Das dürfte sich spätestens mit dem Ausgang der US-Wahl geändert haben. Der 45. Präsident der Vereinigten Staaten hat deutsche Wurzeln. (dpa)

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