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Dreamteam: Bringen Scholz und Kühnert die SPD wieder auf Kurs?

Kommentar Von Stefan Lange
07.08.2020

Machen Olaf Scholz und Kevin Kühnert gemeinsame Sache? Gut ein Jahr vor der Bundestagswahl sortiert sich die Sozialdemokratie neu. Wieder einmal.

Es ist keine neue Erkenntnis, dass sich Gerhard Schröder und seine Partei nicht mehr besonders nahestehen. Doch diese Aussage dürfte selbst wohlgesonnene Genossen hart getroffen haben: Egal, wen die SPD als Kanzlerkandidaten aufstelle – es werde eine schwarz-grüne Regierung geben, schaute der Altkanzler in dieser Woche tief ins Glas seiner Wahrsagerkugel. Eine Erklärung für seine Verbitterung wäre, dass er sich 2005 Angela Merkel geschlagen geben musste und der Stachel immer noch tief sitzt. Andererseits ist Schröder trotz teurer Brioni-Anzüge und dicker Zigarren immer noch Sozialdemokrat aus Überzeugung und wollte mit seiner Kontroverse der Debatte in seiner Partei vielleicht nur neuen Schwung geben. Was ihm dann gelungen wäre.

Denn es mag Zufall sein, dass sich parallel zu Schröder ein weiterer Niedersachse in der Kandidatendebatte zu Wort meldete: SPD-Landeschef Stephan Weil, der auf eine schnelle Klärung der K-Frage dringt. Doch Zufälle sind in der Politik eher selten, und es könnte also durchaus Absicht hinter dem Vorgehen der beiden stecken.

Bringen Olaf Scholz und Kevin Kühnert als neues Dreamteam die SPD wieder auf Kurs?

Und da kommt Kevin Kühnert ins Spiel, der gerade erst seinen Rückzug als Juso-Vorsitzender und seine Kandidatur für den Bundestag angekündigt hat. Auch hier ist die Frage, ob diese Ankündigung zu diesem Zeitpunkt Absicht oder Zufall war. So oder so hat Kühnert aber eine Kettenreaktion in Gang gesetzt, die bemerkenswert ist.

Nein, keine Sorge, es geht nicht darum, dass ein 31-Jähriger ohne abgeschlossene Berufsausbildung nächster SPD-Kanzlerkandidat werden soll. Selbst Kühnert käme nicht auf solch einen kühnen Gedanken. Aber im politischen Berlin ist sein Schritt mit großer Aufmerksamkeit aufgenommen worden. In der Hauptstadt haben die Beobachter schon das Foto vor Augen, das Kühnert und Finanzminister Olaf Scholz demnächst beim gemeinsamen Bier zeigt. Heimlich abgelichtet, "rein zufällig" natürlich. Die Botschaft: Die ehemaligen Kontrahenten tun sich zusammen, um aus der alten Tante SPD wieder eine flotte Biene zu machen. Scholz als Kanzlerkandidat, Kühnert als Sekundant mit Aussicht auf einen einflussreichen Posten.

Wie die Christdemokraten die Neuorientierung der SPD aufnehmen

Das Bild hätte Charme und könnte bei der Wählerschaft ziehen. Der Polit-Recke Scholz stünde für die alten Werte der Partei, für die hanseatisch-nüchterne Herangehensweise. Kühnert – jung, trinkfest, schwul – würde den rebellischen Part übernehmen und den Aufbruch verkörpern. Das Duo hätte Chancen, der Union zumindest Stimmen zu stibitzen, denn die hat nach Merkels Abgang noch nicht viel anzubieten. Ob Armin Laschet, Friedrich Merz, Norbert Röttgen oder doch Markus Söder: sie alle wirken blass gegen "SchoKü". Die Nervosität im Unionslager jedenfalls steigt. "Scholz? Echt jetzt?", versuchte ein Christdemokrat sich über die Personalie lustig zu machen. Schließlich habe die SPD 23 Regionalkonferenzen gebraucht, um sich dann auf Saskia Esken und Walter Norbert-Borjans als Parteivorsitzende einzuschießen. Und nun doch wieder Scholz?

Diese Argumentation stimmt zwar, vergisst aber, dass die CDU es nicht viel besser gemacht hat. Auch sie absolvierte Regionalkonferenzen, wählte sich dann Annegret Kramp-Karrenbauer zur Vorsitzenden – um sie anschließend gleich wieder zu demontieren.

Esken und Walter-Borjans wissen, dass sie Parteivorsitzende bleiben können, aber nicht Kanzlerkandidaten werden. Scholz hingegen könnte und will. Viele Wähler wollen das offenbar auch, seine Beliebtheitswerte sind glänzend. Parteiintern fehlt es Scholz am nötigen Glamour, für den könnte Kühnert sorgen. Der SPD jedenfalls stehen spannende Zeiten bevor.

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Die Diskussion ist geschlossen.

11.08.2020

Herr Lange: das ist knapp an Fake News, zum einen Herrn Söder mit Laschet oder Merz in einem Atemzug zu nennen, im Gegensatz zu diesen ist er in der Krise wie Phönix aus der Asche gekommen. Selbst eher links orientierte Kommentatoren haben Respekt, wie er gekonnt sich in die Rolle des MP gearbeitet hat, sowohl Sicherheit bietet, sorgfältige Arbeit in der Corona-Krise und auch neue Themen wie das Bienenstreben ohne Ideologie aufgegriffen hat.

Und Scholz und Kühnert mit dem lustigen "SchoKü" versuchen als Marke zu kreieren? Noch nicht aufgefallen wie sauer die Bürger mittlerweile auf nicht authentisches reagieren? Die beiden haben menschlich, inhaltlich und von ihrer Haltung zu Leistung nichts mit einander zu tun - dass weiss jeder, eine Annäherung jetzt wird jeder Bürger als "notgedrungen" erachten, für geschickt halten Kühnert eigentlich nur die Linke selbst wie auch entsprechend ausgerichtete Kommentatoren.

Ganz krass wird es bei diesem Urteil: ".... oder doch Markus Söder: sie alle wirken blass gegen "SchoKü". " - Söder als "blass wirkend zu bezeichnen heisst eigentlich schon Realitätsverweigerung. Söder ist der absolute Shooting-Star der letzten Monate, von Kühnert hat man nichts gehört außer seiner Kneipen-Initiative und selbst Scholz war außer den Hervorhebung als Vize-Kanzler in einer ansonsten aússchliesslich unionsgetriebenen Aktualität nichts zu hören - und dann soll 0 plus 1 = 10 werden :-) ?

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11.08.2020

@Kornelia B. - G20 ist ja wirklich ein Problem für Scholz. Die Linken versuchen den Aufruhr der Polizei zuzuschieben und nehmen Scholz gleich in Mithaftung weil es das nicht so sah. Die Bürgerlichen werfen Scholz vor, dass er die schon im Vorfeld abehbaren oder als solche schon angekündigten Gewaltorgien der Links- linksextremistischen Chaoten nicht verhindert hat.

Wer soll ihn denn nun wählen, Frau Esken? Oder nur Lückenfüller?

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08.08.2020

Jemand der wartet bis Amazon freiwillig Steuern zahlt
Oder beim G20 keine Polizei Gewalt sieht.

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08.08.2020

Die eigentliche Frage haben bereits Vor-Kommentatoren gestellt:

welchen Weg, welche Richtung soll/wird die SPD gehen? Stefan Lange dagegen nicht.

Die SPD wird zur Regierungsbildung 2021 wohl nicht gebraucht. Einer der Hauptgründe ist eine darbende Demokratie, der man einen legitimen und nötigen Machtwechsel seit langer Zeit vorenthält.

Und diese politische Richtung ist sowas von vorgestern …

Bewirbt sich ein Scholz denn bei CDU-Wählern oder SPD-Wählern? Was hat er, der bereits 20 Jahre in den Führungsgremien dieser gebeutelten Partei SPD mitmischt, zu bieten? Demontage der jeweiligen Führungsspitze.

Ein Neuanfang im Interesse der SPD sieht anders aus.

Schlimm ist allerdings die Zuordnung und Aufgabenverteilung des Kommentators.

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08.08.2020

Die SPD Spitze robbt sich immer näher an die SED Nachfolgerpartei Die Linke. Wenn jemand die Linke möchte, kann er auch gleich die Linke wählen. Die Konservativen der SPD sind ohnehin schon zur Union und AFD gewechselt, oder halten die Füße still. Der etwas liberale Herr Scholz hat keine Mehrheit in seiner Partei, sonst wäre er jetzt Parteivorsitzender. Die Union in Person von Frau Merkel, hat die SPD verzwergen lassen. Manch gute Idee der SPD wurde einfach als eigene Leistung der Union verkauft. Das ist der Vorteil der Kanzlerschaft, die am meisten Publicity bringt. Herr Kühnert würde genauso scheitern, wie alle Parteivorsitzenden vor ihm. Die SPD ist eine in sich zerrissene Partei.

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07.08.2020

Das Problem der SPD lautet: Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler. Welche Fische = welches Wählermilieu soll denn da anbeißen?

Kevin Kühnert mag gut bei den Journalisten ankommen. Aber was bringt das? Die Talkshow-Demokratie gehört doch zu den Erbhöfen der GRÜNEN und LINKEN. Ja, wenn Herr Habeck gerade mal tief betroffen ist darf der Kühnert was richtig böses sagen. Am besten einen Satz in dem dreimal das Wort „enteignen“ vorkommt. Dann ist wieder Frau Kipping dran. Das bringt der SPD doch keinen einzigen Wähler.

Olaf Scholz ist da schon eine andere Hausnummer. Der ist ein Praktiker hat aber in Hamburg auch den Abwärtstrend der SPD nicht stoppen können. Es stimmt schon, auch Gerhard Schröder war ein „Genosse der Bosse“. Aber das war eine andere Zeit. Den Arbeitsplatzabbau in der Automobilindustrie und andern Bereichen wird Scholz nicht verhindern können. Ein Daimler-Arbeiter der kurz vor der Entlassung steht wird sein Kreuzchen nicht bei der SPD machen. Außerdem gilt immer noch die Devise: der natürliche Feind eins SPD-Kandidaten ist die SPD-Führungsriege.

Die SPD muss erst ihre Hausaufgaben machen. Welche Wählerschaft soll den überhaupt erreicht werden? Welche Bedürfnisse haben diese potentiellen Wähler?
So wie es jetzt läuft wird das meiner Meinung nach nichts werden.

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07.08.2020

Kühnert und die SPD wieder auf Kurs bringen? Auf welchen? Ich nehme an es ist der Sozialismus ( Kommunismus).

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07.08.2020

Insbesondere der kleine Kevin,der Witz war/ist gut !!!

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