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"Dschungel von Calais"
24.10.2016

Fast friedliche Räumung: 2.300 Flüchtlinge verlassen den "Dschungel"

Die französischen Behörden treiben die Räumung des "Dschungels" von Carlais voran.
Foto: Philippe Huguen, AFP

Frankreichs größter Slum wird aufgelöst - die erste Welle von Migranten verlässt den "Dschungel" von Calais. Doch nicht alle wollen sich in Frankreich herumschieben lassen.

Es ist der Anfang vom Ende des berüchtigten "Dschungels": Begleitet von einem starken Sicherheitsaufgebot und großem Medieninteresse ist am Montag die Räumung des Flüchtlingslagers von Calais angelaufen. Nach Angaben der französischen Behörden verließen mehr als 2300 Flüchtlinge das Camp, die meisten von ihnen wurden mit Bussen in andere Aufnahmezentren gebracht. Es gab keine größere Zwischenfälle, Beobachter blicken aber mit Sorge auf die kommenden Tage.

Schon vor Sonnenaufgang versammelten sich in der Nähe des Lagers zahlreiche Flüchtlinge vor einer Lagerhalle, die in eine Art improvisierten Busbahnhof umgewandelt worden war. "Bye bye, Dschungel", riefen einige Flüchtlinge, als sie sich mit ihrem Gepäck auf den Weg zu dem Versammlungspunkt machten. Dort bildeten sich rasch lange Schlangen. "Es ist besser, jetzt zwei Stunden zu warten als dann zwei Tage", sagte ein sudanesischer Flüchtling.

Im 15-Minuten-Takt wurden die Flüchtlinge mit Bussen abgeholt und im Land verteilt

Gegen 08.40 Uhr fuhr der erste Bus mit 50 Sudanesen an Bord in Richtung der ostfranzösischen Region Burgund ab. Im Zuge der mit großem Aufwand geplanten Räumungsaktion starteten die Busse dann im 15-Minuten-Takt. Insgesamt wurden am ersten Tag der Räumung nach Angaben von Innenminister Bernard Cazeneuve 1918 erwachsene Bewohner des "Dschungels" mit 45 Bussen in andere Flüchtlingsunterkünfte gefahren.

400 Minderjährige wurden am Montag in ein Aufnahmezentrum am Rande des "Dschungels" gebracht. Viele dieser jungen Flüchtlinge haben Verwandte in Großbritannien und könnten im Zuge der Familienzusammenführung dort aufgenommen werden. In der vergangenen Woche kamen bereits knapp 200 Minderjährige aus Calais nach Großbritannien.

Insgesamt sollen in den kommenden Tagen 6000 bis 8000 Flüchtlinge aus Calais in Frankreich verteilt werden. Landesweit stehen 451 Flüchtlingsunterkünfte bereit. Am Dienstag sollen 45, am Mittwoch 40 Busse fahren.

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"Das ist ein historischer Augenblick", sagte die verantwortliche Präfektin Fabienne Buccio. "Jetzt können sich die Flüchtlinge endlich eine bessere Zukunft aufbauen." Innenminister Bernard Cazeneuve lobte am Vormittag eine "ruhige und geordnete Operation". Allerdings gab es im Verlauf des Vormittags immer wieder Gedränge und Rangeleien in den Warteschlangen. Einmal brach eine kurze Panik aus.

Rund 2000 Flüchtlinge weigern sich, die Region zu verlassen

 Die Behörden selbst bezeichnen die Auflösung des Lagers als "riskante Operation". 1250 Polizisten waren im Einsatz, um die Räumung des "Dschungels" abzusichern. In den vergangenen Nächten hatten sich Flüchtlinge immer wieder Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert.

Beobachter befürchten, dass sich die Lage in den kommenden Tagen verschärfen könnte: Rund 2000 der Flüchtlinge wollten die Region nicht verlassen, weil sie heimlich nach Großbritannien gelangen wollten, sagte der Leiter der Organisation L'Auberge des Migrants (Herberge der Flüchtlinge), Christian Salomé. Ein Sprecher des Innenministeriums wies diese Zahl zurück.

Das Flüchtlingslager in Calais (Nordfrankreich) wird in dieser Woche geräumt. Mehr als 6000 Menschen leben in der Zelt- und Hüttenstadt.
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Flüchtlingslager von Calais: Frankreich räumt den "Dschungel"
Foto: Francois lo Presti/afp  

Calais ist schon seit Jahren ein Brennpunkt in der Flüchtlingskrise. Hier harren viele Flüchtlinge aus, die über den Ärmelkanal oder durch den Eurotunnel heimlich nach Großbritannien gelangen wollen. Bereits in der Vergangenheit wurden immer wieder Flüchtlingscamps geräumt - kurze Zeit später entstanden dann neue Lager.

Nachts kommt es im "Dschungel von Calais" zu Ausschreitungen

Calais Bürgermeisterin Natacha Bouchart ist zwar erleichtert - aber gleichzeitig besorgt, dass neue Camps in der Stadt oder in der Umgebung entstehen könnten. Im "Dschungel" seien immer noch viele politische Aktivisten der "No-Border"-Bewegung und Schleuser, berichtet sie. Nachts kommt es am Rande des Lagers mit zuletzt 6500 Bewohnern immer wieder zu Ausschreitungen, bei denen die Polizei auch Tränengas einsetzt. 

Was kommt nach der spektakulären und lange erwarteten Aktion? So lautet die Frage im Rathaus. Kommunalpolitikerin Bouchart hat dafür sogar einen neuen Begriff geprägt - das "Après-démantèlement". Auf Deutsch: Nach-Räumung. Die Skepsis unter den Bewohnern ist groß. Die Stadt hat nicht erst seit vergangenem Jahr, sondern schon seit 20 Jahren ein Flüchtlingsproblem.

Die Behörden reagieren eher diskret auf die Frage, was aus den Lagerbewohnern werden soll, die sich nicht in Busse setzen wollen. "Das wird man im Laufe der Zeit sehen", meint der Sprecher des französischen Innenministeriums, Pierre-Henri Brandet. 

Die gemeinsam mit Hilfsorganisationen geleistete Überzeugungsarbeit werde auf jeden Fall fortgesetzt. Sicherheitsexperten meinen, dass die "Phase der Freiwilligkeit" nach zwei bis drei Tagen enden dürfte. Dann setze Phase Zwei der beispiellosen Aktion ein - die noch schwieriger werden dürfte. dpa

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