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Homophobie in Europa

18.05.2013

EU-Studie: Homosexuelle leben in Angst

Angst unterm Regenbogen: Noch immer leiden viele Homosexuelle unter Diskriminierung.
Bild: Michael Reichel/Archivbild (dpa)

Homosexuelle sind in Europa täglich Opfer von Gewalt und Diskriminierung. Politiker und Verbände wollen dagegen vorgehen.

Sie werden beleidigt, geschlagen, bekommen keine Wohnung oder keine Arbeit: Homosexuelle sind in Europa noch immer Opfer von Diskriminierung. Politiker und Verbände suchen nach Lösungen.

Studie zu Homosexualität in Europa in Den Haag vorgestellt

Die Regenbogenfahne ist weltweit das Zeichen der Homosexuellen-Bewegung. Doch für Millionen Europäer gilt das Symbol für die bunte, tolerante Gesellschaft nicht. Sie werden ausgegrenzt und zu Opfern, nur weil sie anders lieben als die meisten anderen Frauen und Männer. Sie sind lesbisch, schwul, bi- oder transsexuell.

Das belegt die bisher größte Studie zu diesem Thema der EU-Grundwerte-Agentur, die auf der europäischen Konferenz für die Rechte von Homosexuellen in Den Haag präsentiert wurde. Die Ergebnisse überraschten dort keinen. "Angst ist unser ständiger Begleiter", sagte ein Vertreter des europäischen Schwulen- und Lesbenverbandes.

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Studie zum Thema Homosexualität soll aufrütteln

Die Studie müsse alle aufrütteln, betonte EU-Kommissarin Viviane Reding. "Diskriminierung und Gewalt gegen Homosexuelle ist eine Verletzung der Menschenwürde und unvereinbar mit den europäischen Grundwerten."

Doch was kann man dagegen tun? Zum ersten Mal befassten sich Minister, Abgeordnete, Vertreter des Europarates und von Menschenrechtsorganisationen aus der EU zwei Tage lang mit dieser Frage. Die Anwesenheit der niederländischen Königin Máxima beim offiziellen Dinner verlieh diesem Gipfel besonderen Glanz. Die rund 700 Delegierten wollten ein Zeichen setzen, dass Intoleranz nicht länger akzeptiert werden darf.

EU ruft zum Kampf gegen Homophobie auf

Nur wer soll dafür sorgen? Die Minister wiesen auf die EU: Sie solle die Mitgliedstaaten zur rechtlichen Gleichstellung und zu Gesetzen gegen Diskriminierung von sexuellen Minderheiten drängen. Dazu riefen elf Minister unter anderem aus Polen, Großbritannien, Finnland und den Niederlanden auf.

Das tue die EU-Kommission bereits, versicherte Reding. Und das werde sie weiterhin tun. Doch sie wies dieselben Minister darauf hin, dass sie auch selbst in ihren eigenen Ländern ihre Stimme erheben müssten.

"Regenbogen Index": Intoleranz ist groß

Doch auch die besten Gesetze reichen nicht aus. Das belegen zwei weitere Studien, die ebenfalls in Den Haag vorgelegt wurden. Die Kluft zwischen rechtlicher Gleichstellung und gesellschaftlicher Intoleranz zeigt der "Regenbogen Index" des internationalen Schwulen- und Lesbenverbandes auf. In Polen, Litauen und Bulgarien etwa verurteilen mehr als die Hälfte der Bürger Homosexualität.

Homosexualität in Europa: In der Schule beginnt die Angst

Selbst die Niederlande , die weltweit Vorreiter bei der rechtlichen Gleichstellung von Homosexuellen sind, sind kein Regenbogen-Paradies. 93 Prozent der Niederländer akzeptieren Homosexualität. Zumindest sind das die wissenschaftlich belegten Zahlen. Die Realität sieht oft erschreckend anders aus. "In Amsterdam trauen sich viele schwule und lesbische Paare nicht, Hand in Hand auf der Straße zu gehen", berichtete die Beigeordnete der Stadt, André van Es.

Nur fünf Prozent der niederländischen Schüler haben nichts gegen homosexuelle Lehrer oder Mitschüler. Und gerade in den Schulen beginnt für viele das Leben in Angst. "Sie machen sich unsichtbar", sagte die EU-Kommissarin Reding, "das ist ihre Überlebensstrategie". Annette Birschel, dpa

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