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Porträt

30.07.2018

Edward Snowden - ein Gefangener des eigenen Mutes

Whistleblower Edward Snowden lebt nach einer abenteuerlichen Flucht seit Juni 2013 an einem geheimen Ort in Russland.
Bild: Ole Spata, dpa (Archiv)

Edward Snowden hat in den USA einen gigantischen Skandal ins Rollen gebracht. Seit fünf Jahren ist der Whistleblower im russischen Exil. Er würde gerne ausreisen - doch wohin?

Es wirkt bis heute wie ein besonders mieser Witz des Schicksals. Ausgerechnet er, der die Machenschaften der amerikanischen Geheimdienste öffentlich machte, lebt unter dem Schirm eines der herrischsten Autokraten unserer Zeit: Fünf Jahre ist es inzwischen her, dass Edward Snowden aus den USA ins russische Exil floh. Eine Maschine der russischen Linie Aeroflott brachte ihn damals nach Moskau.

Ab und zu erscheinen noch Interviews mit dem Whistleblower, doch abseits von Jahrestagen ist es still um den 35-Jährigen geworden. Dabei war er es, der einen gigantischen Skandal ins Rollen brachte. Der frühere NSA-Mitarbeiter machte die globalen Überwachungsaktionen des US-Geheimdiensts publik, der sogar das Handy der Kanzlerin abhörte. Zu gerne würde Snowden das Land, das ihn aufgenommen hat, verlassen – doch wohin? Snowden bedauert bis heute, dass ihm Deutschland kein politisches Asyl gewährt hat. Doch in Berlin wollte sich niemand die Finger verbrennen.

Snowden müht sich gar nicht erst, seinen Ärger zu verbergen. „Wenn morgen ein russischer Whistleblower, sagen wir jemand aus der Putin-Regierung, bei Frau Merkel anklopfen würde, sie würde ihn adoptieren“, sagt er. „Aber wenn ein US-Whistleblower vor Merkels Haustür auftaucht, ist diese Frage nicht beantwortet.“

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Edward Snowden bemüht sich um Alltag im Exil

Und so hat er sich mit Lebensgefährtin Lindsey in einer normalen Mietwohnung in Moskau eingerichtet. Der Süddeutschen Zeitung erzählte der schmächtige Mann kürzlich, dass er im Alltag die U-Bahn nutzt und bei Museumsbesuchen hin und wieder nach einem Selfie gefragt werde. „Seit mein Gesicht immer seltener in Zeitungen gezeigt wird, erkennen mich auch immer weniger Leute“, berichtet er – die Helden von gestern sind die Vergessenen von heute.

Snowdens heiße NSA-Enthüllungen sind längst verraucht, selbst im aufgeregten Deutschland haben zähe Untersuchungsausschüsse das breite Interesse totgeredet. Snowden sieht das freilich anders: „Ich habe das Bewusstsein dafür geschärft, wie die Welt funktioniert“, glaubt er.

Geld verdient der Ex-Agent damit, Vorträge zu halten, die via Internet übertragen werden. Reisen ist für den Mann ohne Pass nicht möglich. Er ist gefangen in einem System, das er massiv ablehnt. „Die russische Regierung ist in vielerlei Hinsicht korrupt“ , sagt Edward Snowden der Süddeutschen Zeitung. „Die Russen sind warmherzig. Ihre Regierung ist das Problem, nicht das Volk.“ Die Politik von Präsident Wladimir Putin könne er nicht gutheißen, betont er – wohl wissend, dass immer wieder behauptet wird, er sei in Wahrheit russischer Spion.

Snowden ist nicht der einzige Aktivist, der ein Gefangener des eigenen Mutes ist. Wikileaks-Gründer Julian Assange sitzt seit mehr als sechs Jahren in der Botschaft Ecuadors in London. Angeblich will das Land ihm nun die schützende Hand entziehen.

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