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"Sofa-Gate"

08.04.2021

Eklat um Sitzordnung: Michel entschuldigt sich bei von der Leyen

Zwei Sessel, zwei Männer – und erst mal kein Platz für die EU-Kommissionspräsidentin.
Foto: dpa

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen muss bei dem Gespräch mit Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan in Ankara auf das Sofa. Wie diese Sitzordnung in Brüssel ankommt.

Mittags um zwölf Uhr kommen die Brüsseler Korrespondenten zusammen, um sich von den Sprechern der EU-Kommission auf den neuesten Stand der Dinge bringen zu lassen. Monatelang gab es nur ein Thema: Corona. Doch seit Mittwoch muss selbst das zurückstehen: „Sofa-Gate“ oder „Die Geschichte eines fehlenden Stuhles“ haben alles andere in den Hintergrund gedrängt – mit gehörigen Verwicklungen.

Als sich EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident Charles Michel in Ankara mit Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan zum Gespräch über eine Neuauflage der europäisch-türkischen Beziehungen trafen, stand neben dem Sessel des türkischen Staatsoberhaupts nur noch ein weiterer – und auf den steuerte Michel zielstrebig zu. Von der Leyen, protokollarisch Michel gleichgestellt, musste auf einem Sofa mit gehörigem Abstand zu den Herren Platz nehmen. Michel brauchte bis Mittwochabend, um sich zu Wort zu melden: Es sei „bedauerlich, dass die wenigen Bilder, die gesendet wurden, einen falschen Eindruck vermitteln: Ich sei nicht sensibel gewesen.“ Von der Leyen und er hätten die Situation als „bedauerlich“ empfunden, aber man habe die Situation „nicht durch eine öffentliche Äußerung verschlimmern“ wollen.

Sofa-Gate in Ankara: Von der Leyen schweigt zur Sitzordnung

Von der Leyen selbst schweigt zu dem „Vorfall“, wie es ihre Sprecher nennen. Dafür rollt die Debatte über die Brüskierung der ersten Frau an der EU-Spitze. Manfred Weber (CSU), Chef der christdemokratischen Fraktion im EU-Parlament, sagte, man habe von dem Besuch „eine Botschaft der Entschlossenheit und Geschlossenheit der europäischen Haltung gegenüber der Türkei“ erwartet. Weber: „Leider ist daraus ein Symbol der Uneinigkeit geworden.“ Mit anderen Worten: Warum in aller Welt hat Michel die Situation nicht dadurch entschärft, dass er sich neben von der Leyen stellte oder setzte oder einen dritten Sessel anforderte? „Beschämend“ nennt es CDU-Abgeordneter Dennis Radtke gegenüber unserer Redaktion: „Statt zu strahlen wie ein Balljunge, der sich gerade das Trikot von Lionel Messi geschnappt hat, hätte er sich besser zu von der Leyen an den Katzentisch gesetzt,

Der türkische Präsident Erdogan (M) empfängt Charles Michel und Ursula Von der Leyen.
Foto: Dario Pignatelli/European Council/dpa

Österreichs Ex-Kanzler Christian Kern twitterte: „Von Erdogan darf man nichts anderes erwarten, aber dass sich der EU-Ratspräsident zu einer Witzfigur degradiert, ist bitter.“ Michel hätte sich leicht aus der Notlage befreien können, schrieb die polnische Zeitung Dziennik: „Er tat es aber nicht – und wurde so zum Hauptschuldigen für die Sesselaffäre.“

Türkischer Außenminister weist Anschuldigungen zurück

Die Protokoll-Experten des Auswärtigen Diensts der EU waren mit Blick auf Corona-Beschränkungen an den Vorbereitungen nicht beteiligt, wohl aber die EU-Vertretung in Ankara. Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu wies am Donnerstag alle „ungerechten Anschuldigungen“ zurück: „Es wurde entsprechend den Anregungen der EU-Seite so eine Sitzordnung aufgestellt. Punkt.“ Die EU-Regierungschefs wollen beim Gipfel im Juni entscheiden, wie sie mit der Türkei weiter verfahren wollen. Der Auftakt ging jedenfalls völlig daneben.

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09.04.2021

Jetzt mal Butter bei die Fische. Mag sein, dass der Herr Erdogan nicht immer ganz korrekt ist aber hier wird eine Mücke zum Elefanten gemacht.

1. Der frühere Kommissionspräsident Juncker hat erklärt, dass sich er bei Staatsbesuchen hin und wieder auf dem Sofa Platz nehmen musste, wenn der Ratspräsident dabei war. Die ausländischen Regierungen halten dessen Amt für das höhere.

2. Das Sofa ist mitnichten der Dackel Platz. Denn auf dem Sofa gegenüber saß dann der türkische Außenminister. Der hat auch keinen Stuhl bekommen. Als Außenminister ist er ja auch nicht nur der Chauffeur und beschwert sich auch nicht über das Sofa.

3. Wie haben Corona. Daher kann jeder froh sein Abstand zu haben.

Diese künstliche Aufregung ist wie im Kindergarten. Ich will aber auf den Stuhl und Du nicht. Mama, ich durfte nicht auf den Stuhl. Die EU, deren überbezahlte Politiker, die cancel culture Bewegung und die ewig Verstörten und Echauffierten. Gut, dass wir keine wirklichen Probleme haben und uns daher mit so etwas beschäftigen können. Warum nicht gleich die Armee los schicken wegen dem Stuhl?

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09.04.2021

Seine stramm linke Ausrichtung bewahrt Herrn Michel vor dem Aufschrei der stets Aufrechten...

Und Grüne ohne Tempolimit = CDU wie Frau vdL können sich schon mal auf ihre Rolle in einer künftig vielfältigeren Welt vorbereiten ;-)

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09.04.2021

Es ist beschämend zu sehen, wie Sie eine derartig völlige abwegige Überschrift "Michel entschuldigt sich bei von der Leyen" produzieren konnten! Denn jeder weiß (zumindest bei einigem Nachdenken…), dass sich ein „schuldig Gewordener“ nicht aus eigenen Stücken „selbst zu entschuldigen“ vermag. Er kann allenfalls die Person, der gegenüber er sich schuldig gemacht hat, UM ENTSCHULDIGUNG bzw. VERZEIHUNG BITTEN – und muss dann abwarten, ob sein Gegenüber diese Bitte annimmt oder nicht.

Alles andere ist - wie Ihre Überschrift hier – „pervertiertes Denken und Handeln“. Bitte gehen Sie in sich – und unterlassen Sie zukünftig im eigenen Interesse derartige (offenkundig aus dem Englischen übernommenen?) Plattitüden.

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08.04.2021

.
Jeder gebildete Mann wäre (ohne dass es einer
Äußerung bedurft hätte) sofort aufgestanden
und hätte der Dame durch ein entsprechendes
Handzeichen „seinen“ Platz angeboten.

Lernt man so etwas , wenn eigentlich nicht schon
(fürs alltägliche Leben) vorher, so doch in einem
Auffrischungs-Benimm-Kurs vor dem Zugang zu
solchen Diensten ?
.......

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08.04.2021

(edit/mod/NUB 7.2/7.3/Bitte argumentieren Sie sachlich).

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