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Experten warnen

14.03.2011

Erdbebengefahr für deutsche Atomkraftwerke unterschätzt

Das Kernkraftwerk Philippsburg liegt direkt am Rheingraben. (Archivfoto vom 10.01.2005).

Deutsche Atomkraftwerke scheinen starken Erdbeben nicht ausreichend gewappnet zu sein. Ein Blick in die Geschichte bereitet Sorge.

Die drohende Atomkatastrophe in Japan wirft die Frage nach der Sicherheit deutscher Reaktoren auf. Und die scheint bei starken Erdbeben, wie es sie in Mitteleuropa schon gab, nicht gewährleistet zu sein.

Sämtliche deutsche Atomkraftwerke sind laut dem Geowissenschaftler Professor Eckhard Grimmel vom Institut für Geografie in Hamburg für Erdbebenstärken auf der MSK-Skala, die Schäden auf der Erdoberfläche als Grundlage nimmt, von 6 bis 8 ausgelegt. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass dies nicht ausreichen könnte. "Das ist leichtfertig, das habe ich auch mehrfach angeprangert und den Genehmigungsbehörden mitgeteilt", sagt Grimmel.

Eines der stärksten Beben Mitteleuropas ereignete sich 1356 nahe von Basel. Die Auswirkungen waren bis Straßburg zu spüren. Auf der MSK-Skala hatte das Beben eine Stärke von 10. Das sind zwei Punkte über dem, was deutsche Atomkraftwerke an Erdbeben aushalten. Umgerechnet auf die gängige Richterskala würde dies die Stufe 6,5 bis 6,7 bedeuten. "Deutsche Atomkraftwerke würden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit historischen Beben in Mitteleuropa, wie beispielsweise dem Beben von Basel im Jahr 1356, nicht standhalten", sagt der Professor.

„Diese Werte sind nicht unerheblich“, sagt Gottfried Grünthal, Experte für seismische Gefährdungs- und Risikoabschätzungen vom Deutschen Geoforschungszentrum in Potsdam. Sie seien auch keine Einzelfälle. Entlang des Rheingrabens habe es Beben gegeben, die auf der Richterskala die Marke 6 überschritten hätten. Beispielsweise die Dürener Erdbebenserie von 1755/56 mit 6,1. Grünthal ist sich sicher: „Solche Bebenstärken könnten immer wieder erreicht werden.“

Die Auswirkungen schätzt Eckhard Grimmel als fatal ein: „Dann passiert das gleiche wie in Japan. Es fällt die Kühlung aus und eine Kernschmelze droht.“ Auch die Explosion eines Reaktordruckbehälters wäre dann möglich. Die Folge: Große Teile Mitteleuropas könnten verstrahlt werden. Durch die Häufung der Atomkraftwerke entlang des Rheins, gerade auf französischer Seite, könnte es auch mehrere Kraftwerke gleichzeitig treffen.

Professor Eckhard Grimmel ist Geowissenschaftler und beschäftigt sich bis heute mit der Endlagerung radioaktiver Abfälle. 1988 war er als Sachverständiger mit daran beteiligt, dass dem Atomkraftwerk Mülheim-Kärlich die Betriebsgenehmigung entzogen wurde. Der ausschlaggebende Grund für das Bundesverwaltungsgericht: Nicht ausreichende Ermittlung und Bewertung des Erdbebenrisikos.

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