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Erinnerung
17.06.2017

Kohl und sein Herz für Bayern

Helmut Kohl und seine Frau Maike (Zweite von rechts) feierten zusammen mit Theo Waigel und dessen Frau Irene (links) sowie deren Sohn Konstantin den 83. Geburtstag des Altkanzlers auf dem Falkenstein in Pfronten.
Foto: Ralf Lienert

Der ehemalige Bundesfinanzminister Theo Waigel erinnert sich an einen Freund, der ihn zum letzten Mal vor vier Jahren im Allgäu besuchte – und dort seinen 83. Geburtstag feierte

Es war Helmut Kohls letzter Besuch im Allgäu – im April 2013. Der Altkanzler feierte damals zusammen mit seiner Frau Maike und der Familie Waigel seinen 83. Geburtstag. Hoch über Pfronten auf dem Falkenstein. Es gab Blutwurst-Ravioli auf Sauerkraut und Kalbsbackerl. Ein deftiges Geburtstagsessen – ganz so, wie es Helmut Kohl gerne mochte. Der damals gesundheitlich schon schwer angeschlagene Kohl zeigte sich gut erholt vor der historischen Burgruine und genoss den Blick vom Hotel auf die tief verschneite Landschaft.

Es war Helmut Kohls dritter Besuch daheim bei Waigels in Seeg. Zum ersten Mal kam er im November 1994 zur Hochzeit von Irene und Theo Waigel, erinnert sich der ehemalige Bundesfinanzminister. Neun Jahre lang war Waigel Minister im Kabinett Kohl. Eine lange gemeinsame Zeit, in der es zwar schon immer wieder politische Meinungsverschiedenheiten zwischen ihnen gegeben habe, sagt Waigel, es aber nie zu einem Zerwürfnis gekommen sei. Im Gegenteil: „Helmut Kohl war für mich in guten wie in schlechten Zeiten ein Freund, auf den ich mich verlassen konnte.“

Die Nachricht vom Tod des Freundes erreichte Theo Waigel gestern beim Einkaufen daheim im Ostallgäu. Eine Nachricht, die den CSU-Politiker nicht überrascht hat. Denn Kohls Frau Maike hatte ihn schon vor zwei Wochen darauf vorbereitet, dass es dem Altkanzler sehr schlecht gehe.

„Bitter und tragisch“, sagt Waigel, sei das Leben Kohls in den letzten Jahren verlaufen. Denn im Gegensatz zu anderen großen Europäern wie Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher oder der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker habe der Kanzler der Einheit die Früchte seiner großartigen politischen Arbeit nicht ernten können – seine Arbeit für „das große Werk Europa“.

Zu Bayern, sagt sein Weggefährte Waigel, hatte der Pfälzer Kohl immer ein besonderes Verhältnis. „Man hat gespürt, dass die Pfalz einst zu Bayern gehörte.“ Und man habe gespürt, dass Kohls Vater in Ludwigshafen Finanzbeamter – und damit ein bayerischer Beamter – war. Nach dem Krieg machte Kohl ein paar Monate ein Praktikum als landwirtschaftlicher Lehrling in Unterfranken. Als 15-Jähriger war er in den letzten Kriegstagen in Berchtesgaden als Flakhelfer eingezogen worden.

Durch Kohls engen Bezug zu Bayern, ist Waigel überzeugt, hatte dieser auch ein gutes Gespür für die CSU – und für die Eigenständigkeit der bayerischen Schwester. „Das war bei ihm stärker ausgeprägt als bei anderen CDU-Politikern“, sagt Waigel. Er wusste, dass die Union nur dann stark ist, wenn die CSU überproportional gut abschneidet. Darum sei Helmut Kohl auch so knallhart dagegen gewesen, als Franz Josef Strauß die Trennung der Schwesterparteien herbeiführen wollte.

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