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Porträt

19.11.2020

Erzbischof Woelki: Der soziale Hardliner steht in der Kritik

Kardinal Rainer Maria Woelki ist Erzbischof des Erzbistums Köln - und wegen seiner katholisch-konservativen Ansichten umstritten.
Bild: Arne Dedert, dpa (Archivbild)

Der Kölner Erzbischof Woelki hat viele Facetten. Er setzt sich mit Herzblut für Flüchtlinge ein, gilt theologisch aber als Hardliner. Nun steckt er in der Krise.

Mutmaßungen begleiten Rainer Maria Woelkis Laufbahn in der katholischen Kirche: Ist er sozial-konservativ oder ein Hardliner? Wie hält er es mit der Ökumene? Wie mit Reformen? Und aktuell fast alles überdeckend: Wie mit der Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in der Kirche?

Groß war die Überraschung in Berlin, als im Sommer 2011 gemeldet wurde, dass der Kölner Weihbischof Woelki zum Oberhaupt der dortigen Diözese gewählt worden sei. Ein Mann, der über Jahre dem streng konservativen Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner als Sekretär zugearbeitet hatte. So stieß der Rheinländer in der Politik und im Bistum auf große Skepsis, ja Ressentiments.

Doch dann kam nicht alles, aber doch vieles völlig anders. Der neue Bischof verzichtete auf große Worte, wohnte im alten Arbeiterbezirk Wedding, der von einer hohen Zahl von Migranten und sozial Schwachen geprägt ist. Gleichzeitig zeigte der heute 64-Jährige keinerlei Scheu, mit Schwulen und Lesben offene Gespräche zu führen. So etwas lieben die Berliner.

Woelkis unprätentiöser Stil und sein soziales Engagement kamen gut an

Woelkis unprätentiöser Stil und sein soziales Engagement brachten ihm Anerkennung in der Stadt, in der Katholiken traditionell eine Minderheit stellen. Er wurde warm mit Berlin. Immer häufiger lösten sich die strengen Gesichtszüge Woelkis in einem gewinnenden Lachen auf.

Und so glaubt man, dass er – wie kolportiert wurde – versuchte, der Rückberufung nach Köln als Nachfolger des schwer erkrankten Kardinals Meisner zu entgehen. Vergeblich.

Als Woelki, der 2012 von Papst Benedikt XVI. zum Kardinal berufen worden war, 2014 in seiner Geburtsstadt ankam, hatten sich die Vorzeichen gedreht. Nun titelte die Frankfurter Allgemeine Zeitung: „Von wegen Hardliner.“ In Berlin hatte sich Woelki ein fast progressives Image erworben. Tatsächlich setzte er auch in Köln Akzente. Er half persönlich bei der Essensausgabe an Obdachlose und setzte sich mit großer Energie für die Flüchtlinge ein, die 2015 nach Deutschland kamen.

Er ließ den Dom aus Protest gegen Pegida kurzerhand verdunkeln

Für Diskussionen sorgte Woelki, als er den Dom aus Protest gegen eine ausländerfeindliche Pegida-Demonstration verdunkeln ließ. Doch in den letzten Jahren zeigte sich eine andere Seite des Bischofs. Kirchenpolitisch äußerte er sich zunehmend konservativ, wenn es um Themen wie die Ökumene, den Synodalen Weg oder die Kommunion für nichtkatholische Ehepartner ging.

Jetzt ist Rainer Maria Woelki in die schwerste Krise seiner Laufbahn geraten. Seine Weigerung, eine vom Erzbistum Köln in Auftrag gegebene Studie zum Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch Geistliche zu veröffentlichen, brachten ihm scharfe Kritik bis hin zu Rücktrittsforderungen.

So wird Woelki am Wochenende bei der Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken im Mittelpunkt des Interesses stehen. Vielleicht ist er also ganz froh, dass das Treffen wegen der Corona-Krise erstmals digital organisiert wird.

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