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Es ist Zeit, Facebook an die kurze Leine zu nehmen

Kommentar Von Jürgen Marks
26.03.2018

Der Skandal um Cambridge Analytica hat das ganze Ausmaß des Daten-Schindluders offengelegt. Es reicht jetzt. Das Netzwerk gehört unter Aufsicht.

Facebook-Manager Richard Allan musste am Montag zum Rapport ins deutsche Justizministerium. Das Gespräch war für ihn sicher nicht angenehm. Aber für die Macher des sozialen Netzwerks wird es noch härter kommen. Denn der Skandal um Cambridge Analytica hat das ganze Ausmaß des Daten-Schindluders bekannt gemacht. Facebook ist offen wie ein Scheunentor für alle, die danach sinnen, Menschen zu manipulieren.

Es hat wohl dieses Debakel gebraucht, um die Welt aufzurütteln. Ein simpler Psychotest, an dem 300.000 Amerikaner teilnahmen, erwies sich als trojanisches Pferd. Am Ende ergaunerten die dubiosen Datenfischer 50 Millionen Profile – darunter sicher auch deutsche. Doch vor der US-Präsidentschaftswahl waren nur Amerikaner relevant. Das Wahlkampf-Team von Donald Trump nutzte die Daten für eine zielgenaue, am Ende erfolgreiche Kampagne.

Für Facebook-Gründer Mark Zuckerberg ist der Fall eine folgenschwere Blamage. Denn nun ist endgültig klar: Die Daten von mehr als zwei Milliarden Nutzern weltweit und 31 Millionen Menschen in Deutschland sind nicht sicher und können von Tricksern jeder Couleur genutzt werden.

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Dennoch hat die weltweite Entrüstung auch Züge von Scheinheiligkeit. Denn das massenhafte Erstellen – und Verkaufen – von Datensätzen ist seit jeher das Geschäftsmodell von Facebook.

Jeder sollte wissen, dass er mit Informationen für die Nutzung bezahlt. Urlaubsbilder aus Italien, ein „Gefällt mir“ für bestimmte Politiker, Mitgliedschaften in der Fan-Gruppe des FC Augsburg, Kommentare zum letzten Opernbesuch oder dem Kegelabend – Facebook sammelt all diese Details. Dazu weiß die Datenkrake auch, welche Internetseiten außerhalb des Netzwerkes genutzt werden und erstellt daraus ein Profil. Ein Algorithmus entscheidet dann, welche Nachrichten dieser Nutzer angezeigt bekommt. Zudem wird zielgenaue Werbung eingeblendet.

Beim Datenschutz ist Amerika noch im Wilden Westen

Nie zuvor hat es eine Organisation gegeben, die so viel über so viele Menschen wusste. Und wer das Wissen hat, hat die Macht. Das ist im Falle dieses globalen Netzwerkes zu lange unterschätzt worden. Gegen Facebook waren die Daten-Sammler der früheren DDR-Stasi Dilettanten. Dabei ist das Netzwerk weit entfernt von den Methoden der Stasi. Denn die Menschen breiten ihr Leben ja freiwillig im Internet aus. Auch Google, Amazon und Co. wissen im Übrigen mehr über uns, als uns lieb sein sollte.

Doch das ist nicht neu. Und auch die Probleme der sozialen Netzwerke mit Filterblasen und Fake News sind längst bekannt. Was das Fass zum Überlaufen bringt, ist der sorglos offene Umgang mit den Daten. Deshalb wird es Zeit, Facebook an die kurze Leine zu nehmen. Die Regierungen der freien Welt haben den Konzern bislang gewähren lassen. Anders als China oder Russland, wo das Netzwerk verboten wurde oder reguliert wird.

Die Europäische Union hat mit der Datenschutzgrundverordnung zwar ein bürokratisches Monster geschaffen. Doch ab 25. Mai 2018 drohen Konzernen wie Facebook bei Verstößen wie der unautorisierten Weitergabe von Daten empfindliche Strafen bis zu einer Höhe von vier Prozent des Jahresumsatzes. Der liegt beim Zuckerberg-Konzern immerhin bei mehr als 30 Milliarden Euro.

Die konsequente Verhängung von Bußgeldern ist die beste Waffe der EU im Kampf um die Datensicherheit. Der härteste Schuss vor den Bug wäre allerdings eine entsprechende gesetzliche Regulierung innerhalb der USA. Facebook gehört unter bessere Aufsicht. Doch beim Datenschutz befindet sich Amerika leider immer noch in der Zeit des Wilden Westens.

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