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Ex-Bundestagspräsidentin
07.03.2020

Rita Süßmuth beklagt "lange Tradition der männlichen Politik"

Rita Süßmuth kämpft auch in ihrer eigenen Partei für mehr Frauenrechte.
Foto: Stefan Boness/Ipon

Exklusiv Die frühere Bundestagspräsidentin und Ministerin fordert die CDU auf, ihre Satzung zugunsten der Parität von Männern und Frauen in der Politik zu ändern.

Die ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süßmuth fordert ihre Partei auf, endlich das Prinzip der Parität einzuführen. „Wir brauchen Parität“, sagte die CDU-Politikerin im Gespräch mit unserer Redaktion. „Wir brauchen gleiche Anteile von Frauen und Männern in der Politik, in den Parlamenten und in den demokratischen Gremien.“ Die 83-Jährige sieht in der CDU ein Beharren auf männlichen Strukturen. „Ja, wir haben gerade in meiner Partei eine lange Tradition der männlichen Sichtweisen und der männlichen Politik – die viele auch erhalten möchten“, sagt Rita Süßmuth. „Statt sich auf eine Entwicklung einzulassen, beharrt man auf dem Vertrauten.“ Die CDU müsse ihre Satzung ändern. „Es gibt nur Absichtserklärungen“, sagt sie. „So können wir nicht weitermachen.“ Die Politik brauche verbindliche Entscheidungen und Verfahren, die beiden Geschlechtern gleiche Chancen der Mitwirkung und Einflussnahme erreichen lassen. „Wir dürfen das nicht wieder auf das nächste Jahrhundert verschieben“, fordert die frühere Ministerin. Deshalb sei es für sie auch bei der Entscheidung über die Nachfolge der CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer entscheidend, wie mit der Beteiligung von Männern und Frauen umgegangen werden. „Es reicht nicht, zu sagen: Wenn ich bei der Wahl erfolgreich bin, stelle ich auch einen Posten für eine Frau zur Verfügung“, betont Rita Süßmuth.

Süßmuth: Darf nicht wieder vorkommen, dass keine Frau gefunden wird

Sie selbst weiß, wie hart der politische Alltag sein könne. „Ich war oftmals sehr verzweifelt und bedrückt“, sagt Süßmuth. „Meine Tochter war mitbetroffen und hat gefragt: Warum macht die Mama das weiter? Aber es hat sich gelohnt, durchzuhalten.“ Anderen Frauen rät sie, sich zu solidarisieren. „Natürlich haben wir Frauen unterschiedliche Positionen, aber es gibt Momente, in denen man fragen muss: Worauf kommt es jetzt an?“, sagt sie. Zudem müssten sich Frauen stärker zu Wort melden, um Dinge zu verändern. Es dürfe nicht wieder vorkommen, dass keine Frau gefunden werde, wenn es darum gehe, Verantwortung zu übernehmen. „Es wird zwar die Frage nach den Frauen gestellt“, sagt Süßmuth. „Aber am Ende tut man so, als sei das letzte Jahrhundert übersprungen worden.“ (AZ)

Lesen Sie auch das komplette Interview im Wortlaut. 

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