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Corona-Krise

14.05.2020

Ex-Ethikrat Nagel fordert grundlegende Reform der Krankenhausfinanzierung

Professor Eckhard Nagel war lange Chefarzt der Transplantationsmedizin am Augsburger Klinikum, Vorstandschef der Uniklinik Essen und 15 Jahre Mitglied des Deutschen Ethikrats
Bild: dpa

Exklusiv Der langjährige Ethikrat Eckhard Nagel sieht das Fallpauschalen-System langfristig am Ende. Er plädiert für eine Reform der deutschen Krankenhausfinanzierung.

Der Bayreuther Medizinprofessor und langjährige Ethikrat Eckhard Nagel fordert als Konsequenz aus der Coronavirus-Krise eine grundlegende Reform der deutschen Krankenhausfinanzierung. „Das heutige Fallpauschalen-System, wie wir es in Deutschland entwickelt haben, ist sicher kein Zukunftsmodell“, sagte Nagel unserer Redaktion. „Die generell gute Gesundheitsversorgung in Deutschland war ein wichtiges Fundament, um mit der Pandemie umgehen zu können“, sagte Nagel.

Dass Deutschland, aber auch Länder wie Österreich und Südkorea besser durch die Pandemie gekommen seien als andere Länder wie Italien, Spanien, England oder den USA liege an der Organisation des Gesundheitswesens. „Die Frage ist, wie viel an medizinischer Versorgung und Zugang ermöglichen wir den Menschen“, sagte Nagel. „Daran schließt sich auch die Frage an, wie man in Zukunft die Krankenhausversorgung finanziert.“

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Eckhard Nagel sieht das Fallpauschalen-System langfristig am Ende

Er plädierte für mehr generelle Grundfinanzierungen, nicht nur wie geplant für Pflegekräfte, sondern auch in der Ärzteschaft, sowie „neue Anreizsysteme für eine bessere Versorgung, die zum Beispiel den Erfolg einer Behandlung in die Vergütung mit einbeziehen“. In verschiedenen Ländern zeige sich, dass dies nicht zu Fehlanreizen, sondern zu einer Verbesserung der Versorgung führen könne. „Deshalb ist es aller Mühen wert, darüber zu diskutieren, wie man ein neues differenziertes Finanzierungssystem aufsetzen kann“, sagte Nagel. „Denn unser heutiges Fallpauschalen-System wird nach meiner Ansicht zu einem Ende kommen.“

Die positiven Erfahrungen in der Krise änderten nichts an den großen Problemen der deutschen Klinken: „Wo Pflegemangel geherrscht hat, wird er auch weiterbestehen, wo Fachkräfte- und Ärztemangel herrscht, wird er weiterhin zu beklagen sein“, warnte der Medizinmanagement-Professor. Zudem werde die Verschärfung der Hygienemaßnahmen an den Krankenhäusern eine überfällige Lehre sein, die allerdings zu Mehrbelastungen in der alltäglichen Arbeit führen werde.

Regionales Krisenmanagement lobt Nagel als "Sternstunde des Föderalismus"

Das neue regionale Risikomanagement von Bund und Ländern anstelle eines bundesweiten Lockdowns lobte Nagel als „Sternstunde des Föderalismus“. Es sei typisch für eine Pandemie, dass sie regional sehr unterschiedlich auftrete. „Es kann immer wieder überfallartig in bestimmten Regionen zu einer großen Belastung kommen, wie wir an bisherigen Hotspots gesehen haben“, betonte Nagel. „Von daher ist es sehr wichtig, dass wir uns lokal weiter aufmerksam gut vorbereiten und dass wir von vornherein in Deutschland eine regionale Versorgung unterstützen.“

Der Mediziner hält zugleich die Öffnung von Kitas und Grundschulen für eine der wichtigsten Aufgaben. „Kinder sind durch das Coronavirus deutlich weniger gefährdet als Erwachsene. Doch auf der anderen Seite besteht für sie ein deutlich größeres Risiko, dass sie unter den angeordneten Einschränkungen leiden“, betonte er.

„Kindern drohen Entwicklungsverzögerungen und negative psychische, psychomotorische und generell gesundheitliche Auswirkungen.“ Die gesundheitlichen Risiken und die Wahrscheinlichkeit, andere zu gefährden, seien bei Kindern deutlich geringer, als man am Anfang gedacht habe. „Hier ist eine Lockerung in jedem Fall verantwortbar, was wir auch an den Entwicklungen etwa in Island oder Dänemark erkennen können.“

Das vollständige Interview mit Professor Eckhard Nagel lesen Sie hier.

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