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FDP 2017

30.04.2017

FDP fordert Impfpflicht weil viele Kinder an Masern erkranken

Die FDP fordert eine allgemeine Impfpflicht für Kinder.
Bild: Lukas Schulze, dpa (Symbolbild)

Die FDP fordert eine allgemeine Impfpflicht für alle Kinder bis 14. Der Grund: Nur noch 37 Prozent der Kinder würden rechtzeitig gegen Masern geimpft, nötig wären aber 95 Prozent.

Weil immer mehr Eltern sich gegen eine Impfung ihrer Kinder entscheiden, fordert die FDP eine allgemeine Impflicht für alle Kinder bis 14 Jahre. Der Parteitag hat am Samstag in Berlin einen entsprechenden Antrag der Jungen Liberalen mit knapper Mehrheit beschlossen. Eltern, die ihre Kinder nicht Impfen gefährden dabei wohl nicht nur ihre eigenen Kinder. "Denn auch das Erziehungsrecht der Eltern kennt Grenzen, wenn es zulasten des Wohlergehens und der Gesundheit des Kindes geht", heißt es in dem Antrag der FDP weiter. "Kinder sollten deshalb zum Schutze ihrer körperlichen Unversehrtheit ein Recht auf Impfschutz erhalten. Zudem sollen sich die nötigen Impfungen an den Empfehlungen der ständigen Impfkommission des Robert-Koch-Instituts orientieren, hieß es in dem Antrag. Auch Kinderärzte sollen den Beschluss unterstützen, indem sie die Erziehungsberechtigten auf die Impfpflicht hinweisen.

Impfungen gegen Masern nehmen ab: FDP fordert Impfpflicht

Die Julis unterstrichen, dass die Impfquote derzeit deutlich abnehme. So würden nur noch 37 Prozent der Kinder rechtzeitig und ausreichend gegen Masern geimpft. Um einen definitiven Schutz gegen Masern zu ermöglichen, müsse eine Impfquote von 95 Prozent erreicht werden. Entsprechend habe sich die Zahl der Masern-Erkrankungen in den vergangenen Jahren wieder zusehends erhöht. Die Masern-Ausbrüche seien so hoch wie seit zehn Jahren nicht mehr. Es kam wohl sogar zu Todesfällen. Laut einem Bericht der Nationalen Verifizierungskommission Masern/Röteln am Robert-Koch-Institut der Weltgesundheitsorganisation war Deutschland im vergangenen Jahr so weit von der Ausrottung der Krankheit entfernt wie lange nicht. Demnach gab es 2015 2464 Masern-Fälle; im Jahr zuvor waren es demnach 442 gewesen. Damit ist die Zahl der Betroffenen in nur einem Jahr um gut 2000 und somit fast um das Fünfeinhalbfache gestiegen. Auch Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) erklärte kürzlich, die Impflücken bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen trügen entscheidend dazu bei, dass die Zahl der Masern-Erkrankungen steigen.

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Vor Aktionismus warnte dagegen die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU). "Eine Impfpflicht bedeutet einen erheblichen Eingriff in das im Grundgesetz verankerte Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit und bei Kindern in das Sorgerecht der Eltern", warnte sie in München. Ein solcher Schritt könne daher "nur als Ultima Ratio" in Erwägung gezogen werden, sinnvoller seien zunächst "Information und Beratung". Auch Huml drängte aber auf eine Steigerung der Impfquoten.

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Auf eine Impfpflicht dringt unterdessen auch der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte. "Aus ärztlicher Sicht kann man von unterlassener Hilfeleistung und von Vernachlässigung elterlicher Fürsorgepflicht sprechen, wenn man einem Kind den derzeit möglichen Schutz vor impfrepräsentablen Erkrankungen vorenthält", sagte Verbandspräsident Thomas Fischbach dem Magazin "Focus". Wer sich impfen lasse, "schützt nicht nur sich selbst, sondern auch alle Menschen, die mit ihm in Kontakt treten". Dies sei ein Gebot der Solidarität. dpa/AZ

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