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Terrorismus

31.03.2018

Fall Amri: Italien hebt Terrorzelle aus

Ein mutmaßlicher Komplize von Anis Amri vor der Polizeizentrale.
Bild: dpa

Fünf mutmaßliche Kontaktleute des Berlin-Attentäters festgenommen

Italiens Polizei ist sich sicher: „Die Terrorzelle von Anis Amri in Italien ist zerschlagen.“ Über viele Wochen wurde im Umfeld Amris gefahndet. Der Tunesier hatte den Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt im Dezember 2016 verübt, bei dem zwölf Menschen getötet wurden. Jetzt nahm die Polizei in Latina und Umgebung, rund 70 Kilometer südlich von Rom, vier terrorverdächtige Tunesier fest und leitete Ermittlungen gegen weitere zehn Personen ein, die sich auf freiem Fuß befinden. Ferner erhielt ein bereits wegen Drogenhandels inhaftierter Palästinenser einen weiteren Haftbefehl. Den Männern wird Bildung einer kriminellen Vereinigung zu Terrorzwecken, Urkundenfälschung und Beihilfe zu illegaler Einwanderung vorgeworfen. Bei einem ersten Verhör am Freitag im römischen Gefängnis Rebibbia verweigerten die Festgenommenen die Aussage.

Auf der Flucht in Richtung Rom war Amri wenige Tage nach dem Attentat erschossen worden. Mithilfe seiner Mobilfunkdaten ermittelten Italiens Behörden in mühseliger Kleinarbeit seine Helfer. Am Gründonnerstag wurde ihre Arbeit von Erfolg gekrönt. Über einen der jetzt Festgenommenen soll der Tunesier Anis Amri gefälschte Papiere zur Einreise nach Deutschland erhalten haben. Der Berliner Attentäter hatte zuvor einige Zeit in Aprilia unweit von Latina gelebt.

Laut Angaben italienischer Medien wurde jetzt auch festgestellt, dass Amri vorher gemeinsam mit den Tunesiern ein Attentat auf eine römische U-Bahn-Station geplant haben soll. Im Juni 2015 hätten sich die Männer an mehreren Freitagen nach dem Gebet im Islamzentrum von Latina zusammengesetzt, um ihren Plan auszutüfteln. Die Gründe, warum er nicht verwirklicht wurde, sind bisher nicht bekannt. Jedenfalls wurden bei Wohnungsuntersuchungen am Gründonnerstag jede Menge gefälschter Pässe und Passfotos gefunden. Die Verdächtigen sollen auch gefälschte Dokumente für illegale Einwanderer in Italien ausgestellt, ferner heimliche Transporte nach Nord- sowie Mitteleuropa organisiert haben.

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In Italien wird darüber spekuliert, ob von der Zelle trotz der Festnahmen noch Gefahr ausgehen könnte: Der inhaftierte Palästinenser soll per Mobiltelefon dazu aufgefordert haben, „Ungläubigen die Köpfe und die Genitalien abzuschneiden“. Nach seiner Kenntnis gebe es derzeit keine Anhaltspunkte für einen bevorstehenden Terroranschlag, betonte Innenminister Minniti. „Eine Zeit lang wird es aber eine ernsthafte Bedrohung für Italien geben.“ Das stehe mit der Rückkehr von IS-Kämpfern aus Syrien in Richtung Europa im Zusammenhang. Er hob aber auch die Erfolge der italienischen Polizei hervor. In den vergangenen Tagen hatte es weitere Festnahmen in Piemont und Apulien gegeben.

Für Rom wurden wegen des großen Touristenansturms zu den Ostertagen die Sicherheitsmaßnahmen enorm verstärkt. 10000 Beamte sind im Einsatz. Auch Beamte in Zivil sind dabei. Wer Papst Franziskus am Karfreitagabend erleben wollte, musste Metalldetektoren passieren. Ein Bild, das sich vor der Ostermesse auf dem Petersplatz am Sonntag mit dem päpstlichen Segen „Urbi et orbi“ wiederholen wird.

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