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Frankreich
24.07.2019

Macron will lesbischen Paaren künstliche Befruchtung ermöglichen

Künstliche Befruchtung ist in Frankreich ein großes Thema.
Foto: Silvio Wyszengrad (Symbolbild)

Es ist Emmanuel Macrons erste große Gesellschaftsreform: Frankreich will lesbischen Paaren und unverheirateten Frauen eine künstliche Befruchtung erlauben.

Es gilt als Emmanuel Macrons großes gesellschaftliches Reformprojekt, um zu zeigen, dass er nicht nur die französische Wirtschaft und den Arbeitsmarkt modernisieren und damit vor allem das rechtskonservative Spektrum bedienen will. Sondern Frankreichs Präsident präsentiert sich auch als ein Liberaler hinsichtlich der Öffnung der Gesellschaft, indem er alleinstehenden Frauen und lesbischen Paaren mit Kinderwunsch die künstliche Befruchtung ermöglicht.

Bislang ist dies nur innerhalb einer heterosexuellen Beziehung und aus medizinischen Gründen erlaubt. Die Zahl der Französinnen ohne Partner oder mit Partnerin, die pro Jahr ins Ausland fahren, meistens nach Belgien oder Spanien, um sich dort in Kliniken künstlich befruchten zu lassen, wird auf 2000 bis 3000 geschätzt.

Dies soll nun ein neues Bioethik-Gesetz ändern, das am Mittwoch im französischen Ministerrat vorgestellt wurde. Es sieht außerdem vor, das Einfrieren von Eizellen zu erleichtern, Forschung an Embryonen in Ausnahmefällen zu erlauben sowie die totale Anonymität von Samenspendern teilweise aufzuheben. Das Parlament wird ab Mitte September über den Gesetzesentwurf debattieren. Spätestens dann dürfte sich auch der Widerstand auf der Straße formieren.

Gegen die Initiative Macrons wird erbitterter Widerstand erwartet

Bereits gegen die Einführung der „Ehe für alle“ durch den damaligen sozialistischen Präsidenten François Hollande 2013 gab es massive Proteste. Vor allem katholische Kreise und die Vereinigung „La Manif pour tous“ (Die Demo für alle), unterstützt von rechtskonservativen und rechtsnationalen Politikern, machten damals über Monate hinweg gegen das Vorhaben mobil – auch mit dem Argument, auf die Homo-Ehe werde unweigerlich die künstliche Befruchtung für lesbische und Single-Frauen folgen. Davon sah Hollande dann aber ab. Macron wiederum machte daraus ein Wahlkampfversprechen, äußerte zugleich Verständnis für die Skeptiker und zog im Vorfeld den Staatsrat, Frankreichs oberstes Verwaltungsgericht, zurate, der grünes Licht gab.

Künstliche Befruchtung für lesbische Paare und Alleinstehende: Mehrheit dafür

Laut Umfragen befürworten mehr als 60 Prozent der Franzosen das Gesetz; fast ebenso viele sagen zugleich, ein Kind habe ein Recht auf Mutter und Vater. Nelly Achour-Frydman, Leiterin des Labors für künstliche Befruchtung im Pariser Vorort Clamart, begrüßt die Entscheidung grundsätzlich, warnt aber vor einem drohenden Mangel an Geschlechtszellen: „Heute müssen heterosexuelle, unfruchtbare Paare nach einer Anfrage zwischen zwölf und 18 Monaten warten. Die Fristen drohen sich beträchtlich zu verlängern und jeder wird darunter leiden.“

Auch die „Demo für alle“ ist längst aktiv und warnte vor dem „Beginn der menschlichen Vermarktung“. Medizin verkomme zur Dienstleistung, um individuelle Wünsche zu erfüllen, kritisierte die Vereinsvorsitzende Ludovine de la Rochère. Sie kündigte an, dass es „natürlich viele Leute auf der Straße geben“ werde.

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