1. Startseite
  2. Politik
  3. Frühere Kohl-Beraterin Höhler liefert Breitseiten gegen Kanzlerin Merkel

Politisches Buch

21.01.2020

Frühere Kohl-Beraterin Höhler liefert Breitseiten gegen Kanzlerin Merkel

Eine ehemalige Kohl-Beraterin findet kaum ein gutes Haar an der Regentschaft von Kanzlerin Angela Merkel.  
Bild: Kay Nietfeld, dpa

Die frühere Kohl-Beraterin Gertrud Höhler arbeitet sich in ihrem neuen Buch an Angela Merkel ab – nicht zum ersten Mal.

Angela Merkel habe die Bundesrepublik verändert wie kein Kanzler vor ihr. Machtwille und politische Bindungslosigkeit hätten sie den Westpolitikern überlegen gemacht. Es ist Gertrud Höhler, die zu dieser Einschätzung kommt und damit zunächst einmal eine qualitative Einordnung der Politikerin offenlässt. Das ändert sich mit dem Titel, des Buches. „Das Requiem“ überschreibt sie die 344 etwas lieblos geschriebenen Seiten, auf denen sie sich an Merkel abarbeitet. Manche Kritiker sprechen gar davon, dass Höhler ihr „Merkel-Trauma“ zu bewältigen versucht.

Die Autorin malt ein düsteres Bild der Merkel-Ära

Es kommt jedenfalls, wie man nach ihrem ersten Werk über Merkel („Die Patin“) vermuten konnte: Höhler, einst Helmut Kohls Beraterin, malt ein düsteres Bild der zu Ende gehenden Ära. Angebliches Herrschaftswissen über die gescheiterte DDR und mächtige Gönner in der West-CDU hätten Merkel den Spielraum für eine Kehrtwende in der gesamtdeutschen Politik geliefert, resümiert die Autorin. Die Kanzlerin habe christdemokratische Werte über Bord geworfen.

In Teilen hat die 79-Jährige durchaus recht. Die erste Frau im Kanzleramt hat die politische Mitte nach links verschoben und den Begriff „konservativ“ neu definiert. Was in diesem Zusammenhang allerdings auch gesagt werden muss: Unter Merkels „Linksrutsch“ leidet vor allem die SPD. Manchmal klingt die Autorin in ihrer Merkel-Kritik beinahe verschwörungstheoretisch. Weil wir Deutsche den von Höhler beklagten „Rechtsbruch“ in der Flüchtlingskrise sozusagen nicht zur Revolution nutzen, fragt die Autorin, in Anspielung auf die NS-Zeit: „Entgleitet uns das vielleicht im Rüttelstress auf der Epochenfuge mehr als nötig, weil wir Traumaerben aus der finstersten Weltsekunde unter dem teuflischen Kommando eines Massenmörders sind?“ So eine Formulierung ist ziemlich dick aufgetragen.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Buch über Merkel: Eine „quasi parteilose Kanzlerin“

Abgesehen davon ist Höhler selbst nicht unumstritten. In den 80ern galt sie als Kandidatin für ein Ministeramt. Beraten hat sie damals auch die Deutsche Bank und den Volkswagenkonzern. Später legte sie vor knapp 30 Jahren ihre Professur in Paderborn nieder, um als Publizistin und Unternehmensberaterin zu arbeiten. Professoren und Studenten hatten ihr die Vernachlässigung der Lehrpflicht vorgeworfen. Höhler sprach von „Mobbing“.

Irgendwann wollte sie offenbar auch selbst austeilen. Im Visier: Angela Merkel. Vor acht Jahren übte sie in einem Zeitungsbeitrag sowie in ihrem früheren Buch bereits massive Kritik am Regierungsstil der Bundeskanzlerin. Sie warf ihr eine schleichende Zersetzung politischer Werte vor. Ähnlich argumentiert sie auch diesmal. Immer wieder thematisiert Höhler Merkels ostdeutsche Sozialisation und ihre Politik der Beliebigkeit. Schon damals wurden die Angriffe auf Merkel von Kritikern als überzogen gewertet. Das wird diesmal wohl wieder der Fall sein. Denn Höhler reitet auf der Politik der „quasi parteilosen Kanzlerin“ herum wie eine Furie.

Angela Merkel sei Agentin einer wertneutralen Zukunft, die Bekenntnisse überflüssig macht, schreibt sie. Das kann man beklagen, muss es aber nicht. Die Folgen seien jedenfalls der Ausstieg aus den wichtigsten Spielregeln von Demokratie, Vertragstreue und Wettbewerb. Höhlers bittere Bilanz nach 14 Jahren Merkel: Deutschland wird aus dem Stresstest durch Merkel geschwächt hervorgehen.

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

 

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

14.02.2020

Frau Merkel hatte ein reiches Erbe übernommen und auch von den eingeleiteten Reformen von Gerhard Schröder politische Vorteile geschenkt bekommen. Aber was hat sie daraus gemacht? Stillstand, verbrannte Erde, Verschuldung und gemeuchelte Mitkonkurrenten säumen ihren Weg. AMEN.

Permalink
Das könnte Sie auch interessieren