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Österreich

09.09.2019

Für Hitlers Geburtshaus gibt es neue Pläne

Vor Hitlers Geburtshaus wird seiner Opfer gedacht.
Bild: Daniel Wirsching (Archiv)

In Braunau am Inn, Adolf Hitlers Geburtsstadt, könnte eine Stätte der Versöhnung und Begegnung entstehen. Das Geburtshaus steht seit Jahren leer.

Der österreichische Innenminister Wolfgang Peschorn ist ein viel beschäftigter Mann. Als Nachfolger des FPÖ-Politikers Herbert Kickl in der Übergangsregierung liegt unter anderem die Untersuchung der Hintergründe des Ibiza-Videos, das die Regierung Kurz platzen ließ, in seiner Verantwortung. Angesichts der Fülle der Aufgaben geht die neueste Entwicklung rund um das Geburtshaus von Adolf Hitler in Braunau am Inn öffentlich fast unter.

Im Januar 2017 wurde die Eigentümerin durch den Staat Österreich enteignet. Ihre Klage eine weit höhere Entschädigung als die geleisteten 812.000 Euro wurde vom Obersten Gerichtshof abgewiesen. Hitlers Geburtshaus könnte also einer neuen Bestimmung zugeführt werden. Einer Bestimmung, „durch die jegliche Form nationalsozialistischer Umtriebe unterbunden wird“ – so sieht es das Gesetz vor.

Nach acht Jahren Leerstand ist der Bauzustand schlecht

Seit acht Jahren steht das Haus leer. Entsprechend schlecht ist sein Zustand. Eine noch von Ex-Innenminister Wolfgang Sobotka eingesetzte Historiker-Kommission hat einen Architekten-Wettbewerb für die Restaurierung vorgeschlagen und empfiehlt eine „tief greifende architektonische Umgestaltung“ und eine „lebensbejahende oder neutrale Nutzung“. Diskutiert wird über eine Behindertenwerkstatt der Lebenshilfe, die der letzte Mieter war. Durch ein Kunstatelier könnten Künstler aus der Region und Schulen einbezogen werden.

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Doch der Innsbrucker Politologe Andreas Maislinger hat einen anderen Plan. Seit Jahrzehnten kämpft er dafür, dass aus dem Gebäude ein „Haus der Verantwortung“ wird, in dem sich junge Menschen aus aller Welt begegnen können. „Zu meinem Konzept gehört, dass die jungen Leute, die einige Monate in Braunau leben, in Schulen und Jugendgruppen über Erfahrungen aus ihren Heimatländern berichten und darstellen, wie sie als Nicht-Österreicher die nationalsozialistische Vergangenheit wahrnehmen“, sagt der 64-jährige Wissenschaftler. Der Wirts- und Bauernsohn hat früh erfahren, dass viele Österreicher die NS-Zeit gern vergessen möchten, auch in Braunau am Inn in Oberösterreich. In diesem Bundesland liegen das ehemalige Konzentrationslager und die Gedenkstätte Mauthausen und der Gedenkort Schloss Hartheim, wo im Rahmen des NS-Euthanasie-Programms mehr als 30.000 Kranke und Behinderte ermordet wurden. Auf deutscher Seite wird in Dachau und auf dem Obersalzberg an die Nazi-Verbrechen erinnert. „Das heißt, eine weitere Gedenkstätte wäre nicht das richtige Konzept“, so Maislinger.

Ein Netzwerk könnte das Projekt finanzieren und tragen

Er ist optimistisch, was die Finanzierung seines Vorhabens angeht. Denn seine Netzwerke spannen sich um die ganze Welt. Prominente, wie Branko Lustig, der kroatische Filmproduzent von „Schindlers Liste“ haben ihm Unterstützung zugesagt. Auch der World Jewish Congress wäre, so Maislinger, zu gewinnen. „Das einzige, was fehlt, ist die Zustimmung der österreichischen Behörden“, sagt Maislinger.

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