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03.08.2007

Gabriels Schachzug

Eine Zeit lang sah es so aus, als ob die Atomkraft in Deutschland doch noch eine Zukunft haben könnte. Die friedliche Nutzung der Kernenergie, die ein Drittel des benötigten Stroms liefert und nicht im Handumdrehen durch Sonne oder Wind zu ersetzen ist, birgt zwar ein eminentes "Restrisiko". Aber sie produziert kein klimaschädliches Kohlendioxid. Das ist, angesichts der drohenden Klimakatastrophe, ein starkes Argument.

Die CDU/CSU ist damit zuletzt mit einigem Erfolg hausieren gegangen, weil die deutsche Angst vor dem Klimawandel inzwischen ausgeprägter ist als die Angst vor der Atomkraft. Das Ziel der Union, den von Rot-Grün durchgedrückten, im schwarz-roten Koalitionsvertrag bestätigten Atomausstieg zu überdenken und wenigstens längere Laufzeiten für die meisten Reaktoren zu gestatten, schien so abwegig nicht mehr. Ein paar im Grunde harmlose Zwischenfälle in den Kraftwerken Krümmel und Brunsbüttel genügten, das Blatt wieder zu wenden.

SPD-Umweltminister Gabriel hat die Gelegenheit genutzt, die Lufthoheit im Glaubensstreit um die Atomkraft zurückzugewinnen. Die gezielt geschürte Aufregung steht zwar in keinem Verhältnis zum tatsächlichen Anlass. Doch sie hat ihren Zweck erfüllt. Nun ist der Boden bereitet für den Versuch, den Ausstieg unumkehrbar zu machen und mit dem Triumph einer raschen Abschaltung von Reaktoren zu krönen.

Parteitaktisch besehen ist dem aufstrebenden Minister ein Meisterstück gelungen. Die SPD ist in der Atomfrage wieder obenauf. Schade nur, dass bei diesem Koalitions-Clinch die nüchterne Betrachtung des Energie- und Klimaproblems unter die Räder gekommen ist. Gabriel stünde glaubwürdiger da, wenn er auch ein Konzept für eine sichere und klimafreundliche Energieversorgung hätte.

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