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Gastbeitrag
20.08.2021

Gastbeitrag von Unicef-Geschäftsführer: Klimawandel trifft Kinder am härtesten

Viele Kinder sind besonders anfällig für die Folgen des Klimawandels, weil sie unzureichend mit sauberem Trinkwasser oder Gesundheitsdiensten versorgt sind und durch chronische Mangelernährung und Krankheiten geschwächt sind.
Foto: Moshood Raimi/SOS-Kinderdörfer weltweit/obs, dpa (Archivbild)

Der Risiko-Index von Unicef zeigt das Ausmaß der Folgen durch die Erderwärmung für Heranwachsende. Geschäftsführer Christian Schneider sagt: Vor allem die Schwächsten leiden.

Wir haben die Erde nicht von unseren Eltern geerbt, sondern nur von unseren Kindern geliehen“– mit dieser Weisheit gingen über Jahrzehnte die Warnungen vor den Folgen der Umweltzerstörung und den Auswirkungen des Klimawandels einher. Das klang stets so, als hätten wir noch Zeit aufzuräumen, um den Planeten in einem besseren Zustand an die nachfolgende Generation unserer Kinder zu übergeben.

Der Klima-Risiko-Index für Kinder, den Unicef heute erstmals vorstellt, zeigt: Uns läuft die Zeit davon. Schon jetzt sind etwa 400 Millionen Kinder weltweit durch Wirbelstürme bedroht. 570 Millionen Kinder leben in Meeresnähe oder an Flüssen und dort mit dem Risiko von Überschwemmungen. Mehr als ein Drittel aller Kinder weltweit – 920 Millionen -– sind Wasserknappheit ausgesetzt.

Wer zufällig in Nigeria oder Guinea zur Welt kommt, ist besonders gefährdet

Etwa eine Milliarde Kinder – fast die Hälfte aller Mädchen und Jungen – wachsen in einem der 33 Länder auf, die durch die Auswirkungen des Klimawandels extrem stark gefährdet sind. Diese jungen Menschen sind gleich mehreren klima- und umweltbedingten Schocks ausgesetzt. Sie sind gleichzeitig besonders anfällig für die Folgen, weil sie unzureichend mit sauberem Trinkwasser oder Gesundheitsdiensten versorgt sind und durch chronische Mangelernährung und Krankheiten geschwächt sind.

Aus der Untersuchung geht hervor, dass Jungen und Mädchen gerade dort am stärksten leiden, wo die Kindheit schon abseits der Auswirkungen des Klimawandels eine äußerst gefährliche Zeit ist. Ein Kind, das zufällig in der Zentralafrikanischen Republik, im Tschad, in Nigeria, Guinea und Guinea-Bissau geboren wird, ist nach dem Unicef-Index besonders heftig durch die Auswirkungen des Klimawandels gefährdet.

Am härtesten trifft es Länder, die am wenigsten zu den Treibhausgasen beitragen

Unser Index macht auch sichtbar, dass gerade die Länder, in denen Kinder und Familien am stärksten unter den Folgen leiden, am wenigsten zu den Treibhausgas-Emissionen beitragen, die den Klimawandel verursachen. Umgekehrt treffen dessen Folgen die besonders verletzlichen Kinder extrem stark. Sich verschärfender Wassermangel, Trockenperioden, Ausbreitung von Krankheiten wie Malaria, aber auch die wirtschaftlichen Folgen von Naturkatastrophen drängen diese Kinder und Jugendlichen weiter in die Armut.

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Es ist davon auszugehen, dass sich die Situation für Kinder und Jugendliche weiter verschlechtert, wenn Politik und Wirtschaft und wir alle nicht rasch und entschlossen handeln.

Nur die konsequente Senkung der Treibhausgas-Emissionen kann den Klimawandel stoppen. Doch der Bremsweg ist selbst bei raschen Entscheidungen der Politik so lang, dass sofort und dringend mehr in die Anpassung der Lebensbedingungen von Kindern an die Veränderungen in ihrer Umwelt investiert werden muss. Ebenso laut müssen wir darauf drängen, jetzt, heute, die Widerstandskraft der Kinder zu stärken, indem wir ihre Ernährung und gesundheitliche Versorgung verbessern, ihren Zugang zu Wasser sichern, indem wir ihnen ermöglichen, durch Schulbildung zu verstehen, was mit der Erde passiert – und selbst handeln zu können.

Wie sangen die Prinzen: "Alles nur geklaut"

„Wir haben die Erde nur geliehen“ - das war vielleicht eine weise Einsicht, um den Blick auf die seinerzeit am Horizont aufziehenden Gefahren zu schärfen. Unser Klima-Risiko-Index zeigt, dass die Kinder weltweit schon jetzt den höchsten Preis dafür zahlen, wie wir mit dem geliehenen Planeten umgehen. Wenn wir den Kindern nicht zuhören und auf die bereits stattfindende Klimakrise als globale, akute Notlage nicht reagieren, muss das Sprichwort durch den bekannten Songtitel der „Prinzen“ ersetzt werden: „Alles nur geklaut!“

Der Autor: Christian Schneider, studierter Ethnologe, ist seit 2010 Geschäftsführer des Kinderhilfswerks Unicef Deutschland.

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