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16.11.2017

Gefahr durch resistente Keime

Die wachsende Gefahr durch resistente Keime beschäftigt Brüssel.
Foto: dpa

Ärzten gehen die Medikamente aus

Die Zahlen sind dramatisch: Rund 25000 Menschen sterben in den Ländern der EU pro Jahr an Infektionen, die durch resistente Bakterien ausgelöst werden. Immer häufiger sind die Ärzte selbst mit modernen Antibiotika machtlos.

Klebsiella pneumoniae ist ein Bakterium, das jeder Mensch in sich trägt – eines von vielen Millionen, über die man sich im Normalfall keine Sorge machen muss. Doch es kann auch zum Auslöser schwerer Atemwegserkrankungen werden, die in wenigen Fällen nicht mehr behandelbar sind. Denn der Atemwegskeim hat sich im Laufe der Jahre den üblichen Antibiotika so angepasst, dass nicht einmal schwere pharmazeutische Geschütze wie das Medikament Carbapeneme noch anschlagen.

Innerhalb von vier Jahren stieg die Zahl der Erkrankungen von 6,2 auf 8,1 Prozent, teilte das Europäische Präventionszentrum ECDC in Brüssel mit. „Acht Prozent bedeutet, dass von 100 Patienten acht praktisch nicht mehr behandelbar sind“, sagte ECDC-Chefin Andrea Ammon am Aktionstag über Antibiotika. Im Mai mussten Teile der Intensivstation des Frankfurter Uni-Klinikums geschlossen werden. Dort war das Bakterium Klebsiella peumoniae 4-MRGN nachgewiesen worden, das gegen alle verfügbaren Medikamente immun ist. Drei Menschen starben.

Dabei verläuft die Entwicklung nach Angaben der europäischen Präventionsexperten durchaus unterschiedlich. Ausgerechnet bei den lange gefürchteten MRSA-Erregern gibt es eine leichte Entwarnung. Diese als Krankenhauskeime bekannten Bakterien wurden 2015 deutlich seltener festgestellt als noch 2012. Viele Länder hätten gezielte Maßnahmen wie strikte Einhaltung von Hygiene-Vorschriften oder Vorab-Untersuchungen neuer Patienten vorgenommen. ECDC-Chefin Ammon: „Daran kann man sehen, dass es möglich ist, einen Trend nicht nur zu stoppen, sondern umzukehren.“

Doch ein entscheidender Durchbruch lässt weiter auf sich warten. Die EU, die den Europäischen Antibiotikatag gestern zum zehnten Mal veranstaltete, hat mit einen Aktionsplan Tier- und Humanmediziner zum zurückhaltenden Gebrauch von Antibiotika verpflichtet. 350 Millionen Euro flossen bisher schon in die Forschung, weitere 200 Millionen stehen bis 2020 bereit. Die entscheidenden Gegenmaßnahmen, so betonte die Kommission am Mittwoch, könnten jedoch auch ohne jahrzehntelange Forschung sofort ergriffen werden: Dazu zählten die konsequente Umsetzung der Hygienevorschriften in den Krankenhäusern und Praxen, das Abschirmen infizierter Patienten von anderen sowie die zurückhaltendere Verschreibung von Antibiotika.

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