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Interview

05.07.2017

Gerd Müller über Afrika: "Wir haben die Menschen billigst ausgenutzt"

Entwicklungsminister Gerd Müller fordert die deutschen Unternehmen auf, in Afrika zu investieren. Er sieht dort den Markt der Zukunft. (Archivbild)
Bild: Rainer Jensen (dpa)

Entwicklungsminister Gerd Müller will auf dem G20-Gipfel erreichen, dass sich die Politik gegenüber Afrika grundsätzlich ändert. Es geht dabei nicht nur um die Flüchtlingskrise.

Machen solche Polit-Spektakel wie der G20-Gipfel Ende der Woche in Hamburg überhaupt Sinn?

Gerd Müller: Ja, weil die Herausforderungen riesig sind. Wir müssen den Planeten endlich als Ganzes begreifen. Darauf leben 7,5 Milliarden Menschen zusammen – und nicht getrennt. Wir tragen Kleider aus Bangladesch. In jedem Containerschiff aus China, das in Hamburg ankommt, stecken 120 Millionen Paar Schuhe – für jeden Deutschen also eineinhalb Paar. Im Shampoo in der Früh beim Haarewaschen ist Palmöl aus Indonesien – dort brennen deshalb die Wälder. Kein Handy, kein Auto in Deutschland funktioniert ohne Rohstoffe aus Entwicklungsländern.

Was ist die Aufgabe der G20-Staaten?

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Müller: Der globale Austausch von Menschen, Gütern, Dienstleistungen und Finanzen braucht Regeln. Sonst laufen die Märkte aus dem Ruder, der globale Güteraustausch muss auf der Basis von sozialen und ökologischen Mindeststandards erfolgen. Es gibt zwar keine Weltregierung, aber die Regierungs- und Staatschefs der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer treffen sich, um diese Regeln des Umgangs miteinander zu besprechen und möglichst verbindliche Zielvorgaben zu machen. Dass es die Kanzlerin geschafft hat, die G20 mit der Herausforderung und den Chancen Afrikas zu konfrontieren, ist eine kleine Sensation.

Bisher ist also einiges schiefgelaufen?

Müller: Die neue Qualität der Globalisierung und des weltweiten Handelns führt zu Gewinnern – das sind wir mit unserem Wohlstand. Das sind aber auch einige Entwicklungsländer, in der Vergangenheit vor allem in Asien. Wie beispielsweise China, wo hunderte Millionen Menschen vom Handel mit Europa profitiert haben, weil Arbeitsplätze entstanden sind. Es gibt aber auch Verlierer – das ist vor allem Afrika.

Warum ist Afrika beim Gipfel ein Kernthema?

Müller: Der Kontinent muss an dem Gewinn und den Chancen der Globalisierung gerecht teilhaben. Das ist bisher nicht der Fall. Es ist unfair, wenn in Äthiopien die Frauen für einen Hungerlohn unsere Kleidung nähen oder in Westafrika Kaffee von Kindern für uns geerntet wird. Sie sind die Verlierer unseres Wohlstands, das muss sich ändern. Denn wenn wir weitermachen wie bisher, haben die Menschen in vielen Teilen Afrikas gar keine andere Chance, als sich zu uns auf den Weg zu machen.

Hat Europa eine besondere Verantwortung für Afrika?

Müller: Ja, denn der Kontinent wurde von den Kolonialmächten bis in die Sechzigerjahre in der totalen Unfreiheit gehalten. Innerhalb von 50 Jahren sind da Sprünge, wie wir sie gemacht haben, nicht möglich. Daraus ergibt sich die besondere Verantwortung Europas und der Welt. Es muss jetzt eine neue, gleichberechtigte Partnerschaft entwickelt werden – und Afrika muss auch selber mehr leisten.

Was kann der Kontinent beitragen?

Müller: Die Afrikaner müssen erkennen, dass sie jetzt eine Zukunftschance haben, wenn sie selbst die Zeichen auf Fortschritt stellen. Dazu gehören die Achtung der Menschenrechte, Korruptionsbekämpfung und Rechtssicherheit für Investoren. Länder, die diese Standards erfüllen, bekommen die Zusage der G20 für Investitionspartnerschaften in den Bereichen Energie, Infrastruktur und Ausbildung.

Was kann jeder Einzelne tun?

Müller: Jeder Verbraucher kann Nachhaltigkeitsstandards im Konsum zur Grundlage seines Lebens machen. Das heißt: Faire Produkte kaufen, egal ob Bananen, Kaffee, Kleidung oder Handys. Er kann damit den Herstellern Druck machen. Denn über fairen Handel schaffen wir für Afrika die schnellsten Entwicklungssprünge. Wenn wir den Erzeugern faire Preise zahlen, fließt Geld aus unserem Wohlstand in den Aufbau vor Ort. In den letzten 50 Jahren hat man Ressourcen und Menschen billigst genutzt, um unseren Wohlstand zu steigern.

Sind Milliarden Entwicklungshilfegelder der letzten Jahrzehnte verpufft?

Müller: 60 Milliarden Euro jährlich an Entwicklungshilfe ist einerseits viel – aber auf so einem Kontinent sind das Regentropfen. Wir können uns künftig nicht mehr nur auf öffentliche Hilfe konzentrieren, sondern müssen optimale Bedingungen für Privatinvestoren schaffen, die in der Entwicklung von Infrastruktur und erneuerbaren Energien weltweit führend sind, aber sich in Afrika noch nicht engagieren. Und wir müssen auf fairen Handel setzen. Für ein Afrika ohne Hunger, den Klimaschutz und die Entwicklung der Infrastruktur für eine Bevölkerung, die sich bis 2050 verdoppelt, bedarf es einer Vervielfachung der Investitionen. Das ist mit öffentlichen Mitteln nicht machbar.

Wie wollen Sie einen bayerischen Mittelstands-Unternehmer überzeugen, in Afrika zu investieren?

Müller: Man muss sich auf bestimmte Regionen konzentrieren: Das kann Nordafrika sein, Tunesien oder Ägypten. Die ganze Breite der Energiewirtschaft ist hier möglich. In Nordafrika haben wir gute Partner. Wir schaffen mit staatlicher Unterstützung Industrieparks und Rechtssicherheit für Investitionen.

Wie groß ist das Interesse der Firmen?

Müller: Im Augenblick sind leider China, Russland und die Türkei Hauptinvestoren. Diese Länder haben erkannt, welche Chancen auf dem Kontinent liegen. Zunehmend erkennen auch europäische Firmen, dass Afrika der Zukunftsmarkt vor der Haustür ist, wir sollten den Markteintritt nicht verpassen. Wenn sich ein Kontinent verdoppelt, ist alles nötig: Straßen, Wasser, Krankenhäuser, Energie. 90 Prozent der Haushalte haben keinen Strom.

Was kann Deutschland da tun?

Müller: Wir haben auf diesen Gebieten viel zu bieten. Afrika ist der Kontinent der erneuerbaren Energien, der Biomasse, der Sonnen- und Wassernutzung. Hier liegen enorme Investitionschancen – und hohe Gewinne. Es gibt schon gute Beispiele, wie eine Mango-Saftfabrik in Kenia. Für sieben Millionen Euro wurde dort von deutschen Firmen eine supermoderne Fabrik installiert, die für 80000 Bauern feste Lieferverträge bietet. Der Saft findet sich heute auf dem europäischen Markt. Dieses Investment hat sich für die Firmen gelohnt. Das könnte man hundertmal umsetzen.

In jedem afrikanischen Land?

Müller: Viele Länder haben die Zeichen der Zeit erkannt, beispielsweise die Elfenbeinküste oder Ruanda, das das Singapur Afrikas werden will. Und Nordafrika. Wir diskutieren diese Regionen viel zu negativ. In Tunesien und Marokko wurden beispielsweise in den vergangenen zehn Jahren 15000 Arbeitsplätze bei Automobilzulieferern geschaffen – mit besten Erfahrungen. Voraussetzung ist, dass in die Ausbildung der jungen Generation investiert wird. Ich sehe die positiven Beispiele bei jedem Besuch vor Ort.

Sie haben einen Marshallplan mit Afrika vorgelegt. Was steht da drin?

Müller: Der Marshallplan ist ein Gesamtkonzept für die Neugestaltung der Zusammenarbeit zwischen Europa, Deutschland und Afrika. Dazu brauchen wir eine neue Handelspolitik und eine andere Umwelt- und Klimapolitik. Auch die europäische Agrarpolitik müssen wir ändern, damit Afrika zum Selbstversorger und zum Exporteur auf die europäischen Märkte wird.

Das geht aber nicht ohne Europa...

Müller: Natürlich nicht. Der Marshallplan ist ein deutscher Vorschlag, der nur im europäischen Kontext funktioniert. Er ist eingeflossen in das neue EU-Afrika-Konzept, das derzeit vorbereitet wird und ab 2020 gelten soll. Vieles ist nur im weltweiten Verbund lösbar, beispielsweise die Klimafrage. Hier brauchen wir die USA und China.

In der Klimafrage sieht es durch die Blockade des US-Präsidenten nicht nach einer Einigung aus. Wie wollen Sie ihn überzeugen?

Müller: Der Klimawandel kann nicht geleugnet werden, er findet statt. In erster Linie leiden die Menschen in Afrika darunter. Die aktuelle Dürrekatastrophe in Äthiopien und Somalia ist wesentlich ausgelöst durch die Erderwärmung, verantwortet durch die Industrieländer. Wir haben pro Kopf den zehnfachen Ausstoß von Treibhausgasen wie Äthiopien. Wir belasten mit unserem Konsum die Umwelt in Afrika. Die Menschen verlieren dort ihre Lebensgrundlage.

Das ist unbestritten, wird Donald Trump aber nicht umstimmen...

Müller: Amerika ist mehr als der US-Präsident. Es stimmt hoffnungsvoll, dass viele Bundesstaaten wie Kalifornien klar erklärt haben, dass sie auf dem Weg der Energieeffizienz und der Reduzierung der Treibhausgase weiter vorangehen und Weltmarktführer werden wollen.

Hier lesen Sie mehr:

Welche Chancen Afrika bietet.

Wie Deutschland Afrika helfen will

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Die Diskussion ist geschlossen.

07.07.2017

Den Afrikaneren ist leider mit viel Geld auch nicht zu helfen, wenn man bedenkt, wieviele MRD. schon die letzten 70 Jahre nach Afrika an Entwicklungshilfe geflossen sind, ohne die geringste wirtschaftliche Entwicklung (außer Bevölkerungswachstum). Es ist sicher richtig, das viele Jahre die westliche Welt von Produkten aus Afrika die auch nicht real bezahlt wurden profitiert hat. Aber Afrika hat nach der Kolonialzeit gut geführte Länder und eine gute Organisation übernommen, die wenige Jahre nach Abzug der Mächte alles kaputt war. Die Frage bleibt, warum sind fast nur Länder mit schwarzer Bevölkerung so arm und das beschränkt sich nicht nur auf Afrika! Ich denke, daß liegt an deren Mentalität und lanjährigen Kultur oder es geht zurück bis zur Sklavenzeit, als man Afrika deren besten Leute geraubt hatte, was sicher das größte Verbrechen an den Afrikanern war und dafür sind in erster Linie die Spanier, Portugiesen, Franzosen und Engländer verantwortlich.

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07.07.2017

Den Völkermord der Deutschen in Westafrika und die Gründe dafür lassen Sie leider völlig kalt.

Es ist richtig, dass schon viel Geld an Entwicklungshilfe geflossen ist. Allerdings bin ich der Meinung dass vieles zum Wohle der Industrieländer geschehen ist und weniger zum Wohle der afrikanischen Bevölkerung.

"Aber Afrika hat nach der Kolonialzeit gut geführte Länder und eine gute Organisation übernommen"

Sie übersehen dabei, dass die gute Organisation und sogenannt gut geführte Länder nicht zum Wohle der Afrikaner gedacht war, sondern zur besseren und schnelleren Ausbeutung dieser Länder. Kolonialmächte dachten grundsätzlich nicht an das Wohl der afrikanischen Bevölkerung, sondern nur an das eigene Wohl.

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07.07.2017

Ich lebe ja großteils der Zeit in einem Entwicklungsland und kann ihnen aus eigener Erfahrung sagen, der größte Teil dieser Menschen können nicht zukunftsorientiert arbeiten, es zählt nur das jetzt und heute. Die Politiker dieser Länder sind Dank Entwicklungshilfe und Korruption alle steinreich. Sie haben dann das Geld bei den Wahlen essen und saufen zu spenden und werden wieder gewählt. Daß sind die Probleme dieser Länder.

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07.07.2017

Wären die Europäer und andere nicht von "außen" gekommen wäre Afrika heute noch ein Land der Jäger und Sammler. Afrika hat auch profitiert.

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07.07.2017

(edit)

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08.07.2017

(Folgeedit)

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07.07.2017

Sie irren sich.

Als die Menschen in Mitteleuropa zum Teil noch Jäger und Sammler waren, gab es schon Hochkulturen in Afrika.

"Afrika hat auch profitiert."

Nein, denn im Gegensatz zu dem enormen Schaden, der der afrikanischen Bevölkerung zugefügt wurde, war der Profit nicht wirklich vorhanden.

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08.07.2017

OK - dann enken Sie doch mbitte mal folgenden Gedankengang weiter: wo wäre Afrika heute, hätte es keine Kolonialisierung gegeben. Wo wäre Afrika heute wäre nicht Knowhow von außen auf den Kontinent getragen worden.

Ich behaupte mal: Afrika wäre viele Schritte zurück.

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07.07.2017

Müller ist für CSU-Verhältnisse ein ungewöhnlicher Mann. Er spricht offen die Wahrheit über unsere Verantwortung und unser Fehlverhalten im Verhältnis zu Afrika aus. Ändern tut sich dadurch natürlich gar nichts, denn die CSU macht in der Bundes- und Landesregierung das Gegenteil dessen, was Müller fordert. Als Minister bleiben und reden darf er natürlich trotzdem, denn auch ein Mann wie Müller sammelt ein paar Wählerstimmen ein. Dafür macht die Augsburger Allgemeine sogar eine ganze Seite frei.

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07.07.2017

Es grüßt der schwarze Mann aus der Kobaltmine:

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http://www.handelsblatt.com/finanzen/maerkte/devisen-rohstoffe/rohstoffe-das-jahr-des-kobalts/19441482.html

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Theoretisch gibt es zwar genügend Reserven. Allerdings befinden sich diese hauptsächlich in einem Land: der Demokratischen Republik Kongo. Heute stammen mit 74.000 Tonnen fast zwei Drittel der weltweiten Produktion aus diesem Land.

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Es soll Parteien und Verbände geben, die einfach ab 2030 nur noch Elektroautos zulassen wollen und damit die Entwicklung extrem anheizen. Einen Boom in einer Region Afrikas auslösen ohne vorher über die sozialen und wirtschaftlichen Folgen nachgedacht zu haben?

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Ich denke jeder in Deutschland prduzierte Dieselmotor ist fairer produziert als das was sich hier anbahnt.

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07.07.2017

"Ich denke jeder in Deutschland prduzierte Dieselmotor ist fairer produziert als das was sich hier anbahnt."

Was bei dem horenden Dieselskandal fair sein soll können Sie sicher mitteilen.

Es spielt eh keine Rolle, denn die Schadstoffe in den Abgasen schaden nun mal den Menschen. Außerdem wird der Diesel selten in Afrika produziert.

"Einen Boom in einer Region Afrikas auslösen ohne vorher über die sozialen und wirtschaftlichen Folgen nachgedacht zu haben?"

Bis heute geht es um den Profit, den die Industrieländer und nicht die afrikanische Bevölkerung erzielen.

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08.07.2017

Ich denke, Ihre Antwort geht komplett an der Intention des Post von Peter P. vorbei.

Die gewünschte Umstellung auf elektrische Mobilität wird die Nachfrage nach Kobalt in einer Weise anheizen, die sehr wahrscheinlich den Eigentümer des begehrten Rohstoffs bzw. die Menschen in dem Land wieder als Verlierer dastehen lässt.

Und da ist es nach Meinung von Herrn P. eben fairer, in Deutschland stinkende Diesel zu produzieren und zu fahren.

So abwegig ist diese Ansicht gar nicht solange man nicht beim Kobalt die Fehler der Vergangenheit vermeidet.

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08.07.2017

stinkende Diesel...

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Gestunken hat der alte Kadett Diesel der AWO im Zivildienst; den hasste ich wie die Pest. Bei meinem Euro 6 Diesel mache ich die Heckklappe auch bei laufendem Motor auf.

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Und die Diesel bei denen man das Stickoxid vom Fahrrad aus riecht sind meist die bekannten Verdächtigen vor Euro 6.

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Aber es wird ja alles besser, weil die Augsburger Grünen jetzt mein swa-Abo im Rahmen der Tarifreform um 6,5% teurer und damit viel attraktiver gemacht haben...

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08.07.2017

Und wieder ein sinnfreier Nachweis, dass Autos auf der Straße mehr verbrauchen/ausstossen als auf dem normierten EU Prüfstand.

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Entscheidend ist die Einhaltung der Grenzwerte in den Straßen.

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Und da ist z.B. der Jahres-Grenzwert für NOx in Augsburg 2016 nur in der Karlstraße mit 46 statt zulässigen 40 Mikrogramm geringfügig überschritten. Im Gegenzug sind halt andere Werte deutlich unter der Grenze. Und diese 6 Mikrogramm Überschreitung wird man die nächsten Jahre auch noch wegbekommen - ohne prekäre Bergwerke in Afrika.

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08.07.2017

Entscheidend ist die Einhaltung der Grenzwerte in den Straßen.

Davon lässt sich mit Sicherheit z. B. keine Höhe der Kfz-Besteuerung ableiten, sondern nur vom individuellen Schadstoff-Ausstoss des Fahrzeugs im laufenden Fahr-Betrieb und nicht nur auf dem (ausgetricksten) Prüfstand.

Auch ich halte eine generelles Diesel-Fahrverbot für undurchführbar und denke, davor werden uns schon die Lobbys der Taxiunternehmen und mittelständischen Handwerksbetriebe bewahren.

Als Fahrer und Halter eines Diesel-Fahrzeugs sollte man eigentlich Regierung und Autoindustrie auf Schadenersatz verklagen.

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08.07.2017

"Als Fahrer und Halter eines Diesel-Fahrzeugs sollte man eigentlich Regierung und Autoindustrie auf Schadenersatz verklagen"

Richtig,

allerdings wird dies hauptsächlich von unserem Verkehrsministerium unter Dobrindt nachhaltig verhindert. Nur wenige, die es sich leisten können trauen sich. Der Erfolg stellt sich hoffentlich noch ein.

Sollte auch noch der steuerlich Vorteil für Diesel ausfallen, sind weitere Schadensersatzklagen durchaus gegeben.

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08.07.2017

Bitte - klagen Sie doch. Damit nähern Sie dich dem Durchschnittsdeuschen immer weiter.

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08.07.2017

Was will uns der Dichter damit sagen? Oder verfahren Sie nach dem Grundsatz, der Karl Kraus zugeschrieben wird: Es genügt nicht, keine Gedanken zu haben, man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken.

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09.07.2017

Die meisten dürften es verstehen.

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08.07.2017

Na ja, man nähert sich eher dem Durchschitts Amerikaner. Er bekommt allerdings sein Recht, wir aber bekommen weder Recht noch Schadenersatz für einen nachweislichen Betrug.

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08.07.2017

Meine Anwort geht überhaupt nicht an der Intention von Peter P. vorbei, denn der Dieselmotor ist weder fair in der Herstellung, noch fair im Betrieb. Außerdem kann auch ohne E-Auto nicht auf seltene Erden, zu denen auch Kobalt gehört verzichtet werden. Moderne Lithium Akkus beinhalten Kobalt, das ist richtig. Allerdings sind diese Akkus mittlerweile in allen Bereichen vorhanden, ob nun vom Spielzeug über Rasenmäher bis zu Smartphones. Die Gewinnausschüttung durch den Abbau ist dementsprechend hoch. Trotzdem ist Kinderarbeit in den Minen durchaus üblich. Für mich ist das eine weitere Ausbeutung der afrikanischen Bevölkerung, die allerdings inbesondere in der Flüchtlingsfrage Peter P. völlig ignoriert.

"Die gewünschte Umstellung auf elektrische Mobilität wird die Nachfrage nach Kobalt in einer Weise anheizen, die sehr wahrscheinlich den Eigentümer des begehrten Rohstoffs bzw. die Menschen in dem Land wieder als Verlierer dastehen lässt. "

Der technische Fortschritt lässt nun mal nicht zu auf seltene Erden zu verzichten.

Kobalt wird ebenso für die Stahlherstellung und unter anderem auch für hitzebeständigem Stahl für Dieselmotoren genutzt. Allerdings steigt die Nachfrage auch ohne E-Auto an seltenen Erden enorm.

Das andere Unverständliche ist wohl, dass der Diesel Motor alles andere als fair gegenüber den Bürgern gehandelt wird. Der Bürger ist es schließlich, der die Unfähigkeit des Verkehrsministers Dobrindt ausbaden muss.

Letztlich trägt der Dieselmotor zum großen Teil an gesundheitlichen Schäden von zigtausende Menschen bei. Alleine schon dadurch ist die weitere Herstellung von Dieselmotoren alles andere als Fair zu bezeichnen. Dass auch moderne Dieselmotoren mit EU 6 noch viel zu viel Schadstoffe ausblasen ist mittlerweile offensichtlich. Schließlich wurden die Grenzwerte auf Bitten der bayerischen Staatsregierung mehr erweitert als ursprünglich von der EU geplant. Ausbaden müssen es vor allem die Bürger, die in der Nähe von Hauptverkehrsadern in den Großstädten wohnen. Es kann nicht weiter abgestritten werden, da die Fakten zu offensichtlich auf dem Tisch liegen.

Im Übrigen wäre es außerordentlich unfair, auf die seltenen Erden zu verzichten, denn die Menschen in einigen Entwicklungsländer sind auf diese Einnahmen angewiesen. Allerdings ist es dringend notwendig die Gewinne durch den Abbau von seltenen Erden so zu verteilen, dass auch die Bevölkerung profitiert und nicht nur die Industrie gemeinsam mit korrupten Politikern. Die WinWin Geschäfte zwischen korrupten Politikern und den Industriestaaten mitsamt der Kinderarbeit müssen beendet werden. Es kann durchaus sein, dass Gerd Müller die Problematik erkannt hat. Er wird allerdings ohne die Hilfe von Bürgern gegen den den Lobbyismus nicht viel ausrichten können.

Der technische Fortschritt lässt nun mal nicht zu auf seltene Erden zu verzichten.

Was spricht denn dagegen wenn Lobbyismus, Gewinnausbeutung und Korruption abgeschafft wird? Es liegt an uns daran zu arbeiten.

Dass damit auch die Flucht aus Afrika eingedämmt wird versteht sich im Grunde von selbst.

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08.07.2017

Letztlich trägt der Dieselmotor zum großen Teil an gesundheitlichen Schäden von zigtausende Menschen bei. Alleine schon dadurch ist die weitere Herstellung von Dieselmotoren alles andere als Fair zu bezeichnen. Dass auch moderne Dieselmotoren mit EU 6 noch viel zu viel Schadstoffe ausblasen ist mittlerweile offensichtlich.

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Ihr einseitiges Diesel-bashing ist sachlich unzutreffend. Der Benziner (und auch der in Hybridfahrzeugen) ist aktuell viel schlimmer.

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http://www.autobild.de/artikel/neue-eu-norm-russpartikelfilter-fuer-benziner-5775519.html

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Der Münchner Epidemiologe Erich Wichmann weist auf die Gefahren von Rußpartikeln hin: "Umweltepidemiologische Studien zeigen, dass Atemwegserkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und die Sterblichkeit mit steigender Belastung durch Feinstpartikel zunehmen." Rußpartikel seien deutlich gefährlicher als Stickoxide.

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Nach der seit 2015 gültigen Euro-6b-Norm dürfen DI-Benziner pro Kilometer noch zehnmal mehr Partikel ausstoßen als Diesel.

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Bei Stickoxid weiß man, dass man bei Beachtung des Jahresmittelwertes von 40 Mikrogramm auf der sicheren Seite liegt - bei diesen Mikropartikeln weiß man deutlich weniger.

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Ich wiederhole es noch mal gerne:

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Der Verbrennungsmotor bietet weltweit auch Geringverdienern die Chance auf bezahlbare Mobilität. Mobilität auch bei schlechter Infrastruktur. Mobilität die vielfach Basis eines besseren Lebens ist.

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Individuelle E-Mobilität ist aktuell überhaupt nicht als soziale Mobilität absehbar. Das E-Mobil wird den Europäer und den Afrikaner stärker spalten als unsere heutigen Autos.

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09.07.2017

"Ihr einseitiges Diesel-bashing ist sachlich unzutreffend. Der Benziner (und auch der in Hybridfahrzeugen) ist aktuell viel schlimmer."

Warum ist mein angebliches Diesel-Bashing sachlich unzutreffend?

Belegen Sie es und reden nicht nur dummes Zeug.

Im Übrigen ging es um eine angeblich faire Herstellung von Dieselfahrzeugen und um unfaire E-Autos mit Kobalt. Beides habe ich Ihnen sachlich widerlegt. Anstatt Argumente zu setzen weichen Sie nun auf Benzinfahrzeuge aus.

Mir scheint, Sie haben immer noch nicht den Betrug mit dem Diesel wahrgenommen. In der USA wurde der Betrug sachlich und nachweislich von Gerichten festgestellt, ein Verantwortlicher sitzt in Haft und weitere verantwortliche Mitarbeiter werden per Interpool gesucht. Dass dies kein Witz ist, dürfte mittlerweile ausreichend bekannt sein.

Mir ist es persönlich egal, ob Sie gerne betrogen werden oder nicht. Sollten Sie ein Dieselfahrzeug haben, bemerken Sie den Betrug spätestens beim Wiederverkauf und vermutlich auch an der Tankstelle, weil der Diesel in Zukunft wohl nicht mehr steuerbegünstigt wird. Fairness sieht gänzlich anders aus.

Ich will als Verbraucher vom Staat geschützt werden, denn mittlerweile ist ausreichend bekannt, dass die CSU und deren Minister beim Verbraucherschutz sich nicht gerade mit Ruhm bekleckern.

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08.07.2017

(edit/ Bitte bleiben Sie sachlich)

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09.07.2017

Folgeedit

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08.07.2017

Was bei dem horenden Dieselskandal fair sein soll können Sie sicher mitteilen.Es spielt eh keine Rolle, denn die Schadstoffe in den Abgasen schaden nun mal den Menschen.

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Der Verbrennungsmotor bietet weltweit auch Geringverdienern die Chance auf bezahlbare Mobilität. Mobilität auch bei schlechter Infrastruktur. Mobilität die vielfach Basis eines besseren Lebens ist.

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In Deutschland ist Luftverschmutzung ein Problem auf weniger als 0,1% der Landesfläche. Es ist ein Problem weniger innerstädtischer Teilbereiche.

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z.B. in Augsburg werden die zulässigen Grenzwerte eingehalten; Fahrverbote für alle Diesel haben nicht im Ansatz eine rechtliche Chance. Auf dem Fahrrad stören mich 2-Takt Roller wesentlich mehr als Diesel.

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China wird die Probleme seiner Megastädte lösen müssen; das werden aber nicht die Lösungen für die ganze Welt sein.

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07.07.2017

Also ich habe keine Zeit 4 Stunden am Tag einzukaufen um nach dem optimalen Produkt zu suchen. Ich muß in 20 Minuten fertig sein - Fairnis zu berücksichtigen überlasse ich anderen.

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07.07.2017

Das ist eine Seite, die andere Seite ist wohl, dass sich immer mehr Bürger die teuren Waren nicht leisten können.

Natürlich ist es richtig mit Fairness zu handeln, sollte aber aus erster Linie durch eine vernünftige Politik entstehen. Mir scheint es ist eher eine Ausrede um die bisherigen mißglückten Versuche der Entwicklungshilfe zu vertuschen.

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07.07.2017

Teuer = fair? Ich glaube schon, daß sich viele viel mehr leisten könnten. Aber vor der Ladenkasse sehen sie es eben nicht ein - auch wenn sie im Bekannten- und anderen Kreisen ganz laut für faire Preise sind. Das sit der Januskopf den nach meiner nicht beweisbaren Schätzung mindestens 90% besitzen.

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06.07.2017

Jeder Verbraucher kann Nachhaltigkeitsstandards im Konsum zur Grundlage seines Lebens machen. Das heißt: Faire Produkte kaufen, egal ob Bananen, Kaffee, Kleidung oder Handys. Er kann damit den Herstellern Druck machen.

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Und wofür bekommen die Parlamentarier ihr Geld?

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Eine EU die jeden Duschkopf und Staubsauger reguliert aber hier untätig ist?

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Ein Verbraucher der Apple oder Samsung Druck macht? Herr Müller war wohl zu lange in der Sonne!

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Und das Bevölkerungswachstum in Afrika? Unsere Verantwortung? Liefern wir vielleicht zu wenig Waffen?

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06.07.2017

Kaum sagt eine CSUler mal was Vernünftiges, kritisieren Sie herum. Jeder Quatsch von Scheuer oder Seehofer wird jedoch bejubelt.

Und das Bevölkerungswachstum in Afrika? Unsere Verantwortung? Liefern wir vielleicht zu wenig Waffen?

Geschmackloser "Scherz"! Erst mal nachdenken, dann schreiben!

Eine EU die jeden Duschkopf und Staubsauger reguliert aber hier untätig ist?

Das EU-Bashing langweilt mit der Zeit!

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06.07.2017

"Und das Bevölkerungswachstum in Afrika? Unsere Verantwortung? Liefern wir vielleicht zu wenig Waffen?"

Bei allem Übel was sonst noch über Afrika geschrieben wird, ist dieser Satz wohl der Gipfel der Geschmacklosigkeit.

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07.07.2017

Im Grunde ganz einfach, entweder man ignoriert die Geschichte, behandelt Afrika nicht auf Augenhöhe und beutet weiter aus oder man versucht endlich die Wirtschaft anzukurbeln ohne sich an die eigenen finanziellen Vorteile zu klammern.

Selbstverständlich ist es unsere Verantwortung aus der man sich nicht stehlen kann, so wie Sie es gerne sehen.

Es hilft logischerweise nicht, stets die Überbevölkerung Afrikas zu zeigen, ohne eine vernünftige Lösung anzubieten.

Im Übrigen soll es in Volkshochschulen Kurse über Geschichte und Kolonialmächte Afrikas geben, welche die Ausbeutung bis in die 60 er Jahre zeigen. Wie wärs damit?

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05.07.2017

Der entscheidende Satz:

"Jeder Verbraucher kann Nachhaltigkeitsstandards im Konsum zur Grundlage seines Lebens machen. Das heißt: Faire Produkte kaufen, egal ob Bananen, Kaffee, Kleidung oder Handys. Er kann damit den Herstellern Druck machen. Denn über fairen Handel schaffen wir für Afrika die schnellsten Entwicklungssprünge."

Und das sind keine Almosen die wir da geben, sondern nur der Versuch einen fairen Lohn für unseren Konsum zu bezahlen, statt die Menschen auszubeuten. Es gibt Berechnungen die zeigen, dass für den billigen Konsum eines jeden Deutschen ca. 20 Arbeitssklaven ausgebeutet werden müssen (Handy, Jeans, Spielzeug, Lebensmittel, ...)

Jeder kann was ändern indem er beim Kleiderkauf mal nachfrägt, wie sichergestellt wird, dass die Kleider vom Hersteller unter menschenwürdigen Bedingungen produziert werden. Das zwingt die Hersteller zu Zertifikaten und die bringen Bewegung in die Sache. Eine einfache sofortige Lösung gibt es nicht.

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