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Vertuschung von Missbrauch

30.01.2020

Gericht kippt Urteil gegen französischen Kardinal Barbarin

Kardinal Philippe Barbarin äußert sich auf einer Pressekonferenz in Lyon.
Bild: Laurent Cipriani/AP/dpa

Für die einen ist der Erzbischof von Lyon ein "heiliger Mann" - für andere steht er sinnbildlich für das Schweigen über Missbrauch in der katholischen Kirche. Ein hartes Urteil gegen den Kardinal war für viele Opfer eine Genugtuung. Doch jetzt sind die Würfel neu gefallen.

Im Prozess um die Vertuschung von Missbrauchsvorwürfen hat ein Berufungsgericht den höchsten katholischen Würdenträger Frankreichs freigesprochen.

Das Gericht in Lyon kippte die Verurteilung von Kardinal Philippe Barbarin. Der einflussreiche Kirchenmann war im März vergangenen Jahres überraschend zu sechs Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt worden, weil er Fälle sexueller Übergriffe auf Minderjährige nicht angezeigt habe. Barbarin will nun trotz des Freispruchs erneut ein Rücktrittsgesuch beim Papst einreichen. Der Vatikan teilte mit, Franziskus werde seine Entscheidung "zu gegebener Zeit" bekanntmachen.

Kardinal Barbarin und anderen Geistlichen wurde vorgeworfen, Missbrauchsvorwürfe gegen den ehemaligen Priester Bernard Preynat nicht weiter verfolgt zu haben. Dieser soll in den 1980er Jahren Dutzende Kinder sexuell belästigt haben. Während eines aufsehenerregenden Verfahrens im Januar gestand Preynat zahlreiche Übergriffe. Im März will ein Gericht sein Urteil in diesem Fall verkünden.

Gericht kippt Urteil gegen französischen Kardinal Barbarin

Die Ereignisse rund um Preynat und Barbarin sind zu einer Art Sinnbild des sexuellen Missbrauchs in der französischen Kirche geworden. Sie wurden jüngst im preisgekrönten Film "Grâce à Dieu" (deutscher Titel: Gelobt sei Gott) von François Ozon einem größeren Publikum bekannt. Der 69-jährige Barbarin hatte zuvor stets betont, "Fehler" gemacht zu haben, sah aber keine Straftat. Die Staatsanwaltschaft hatte nun wie im ersten Prozess keine Verurteilung gefordert.

Barbarin hatte nach dem Schuldspruch im März beim Papst ein Rücktrittsgesuch von seinem Posten als Erzbischofs von Lyon eingereicht. Das Amt des Primas der katholischen Kirche in Frankreich ist traditionell mit dem Amt des Erzbischofs von Lyon verbunden. Papst Franziskus hatte den Rücktritt allerdings abgelehnt. Barbarin hatte sich dann entschieden, sich für eine Zeit zurückzuziehen und den Generalvikar mit der Leitung der Diözese beauftragt.

"Ich werde mein Amt als Erzbischof von Lyon erneut in die Hände von Papst Franziskus übergeben", erklärte Barbarin nun nach der Urteilsverkündung erneut. Er wolle ein neues Kapitel für die Kirche von Lyon aufschlagen. Ein sichtlich angeschlagener Barbarin erklärte, dass er täglich für die Opfer und ihre Familien bete. Der Vatikan erklärte, der Papst verfolge die "schmerzliche" Angelegenheit aus nächster Nähe. Gleichzeitig stehe er bei allen Opfern von Missbrauch.

Das Verfahren gegen Barbarin war überhaupt nur auf Bestreben einer Opfervereinigung zustande gekommen. Die Staatsanwaltschaft hatte bereits vor einigen Jahren eine Voruntersuchung eingestellt. Die Opfer wollen nun in Berufung gegen die Entscheidung gehen und vor das Oberste Gericht ziehen. "Tatsache ist, dass die Staatsanwaltschaft von Anfang an nicht sehr geneigt war, uns in unserem Ansatz zu unterstützen", sagte François Devaux von dem Opferverein "La Parole libérée" dem Sender Franceinfo.

Barbarins Anwalt, André Soulier, betonte hingegen, er sei "mehr als zufrieden" mit dem Berufungsurteil. "Ich werde am Ende an Engel glauben", sagte er nach der Urteilsverkündung und fügte hinzu, dass Barbarin für ihn "ein heiliger Mann" sei. (dpa)

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