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Russland

19.01.2020

"Geschichtsfälschung": Putin will Weltkriegs-Dokumente öffnen

Russlands Präsident Wladimir Putin erklärte am Samstag: "Wir werden jenen das Maul stopfen, die versuchen, die Geschichte umzuschreiben."
Foto: Evgenia Novozhenina/Reuters, dpa

Vor seinem Israel-Besuch zum Holocaust-Gedenken am Donnerstag erinnerte Wladimir Putin an die Rolle der Sowjetunion bei der Befreiung vom Hitlerfaschismus.

Russland will nach den Worten von Kremlchef Wladimir Putin seine Archivdokumente zum Zweiten Weltkrieg einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen. Ein solches offenes Zentrum sowie eine Internetseite sollten künftig gegen Versuche von Geschichtsfälschung wirken, sagte Putin am Samstag in St. Petersburg.

Der Präsident erinnerte dort an den Jahrestag des Durchbruchs der Leningrader Blockade und traf sich mit Veteranen. Die deutsche Wehrmacht hatte im Zweiten Weltkrieg von 1941 bis 1944 Leningrad (St. Petersburg) belagert, um die Stadt auszulöschen. 

Russland feiert am 9. Mai den 75. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges

"Wir werden jenen das Maul stopfen, die versuchen, die Geschichte umzuschreiben (...) und die Rolle unserer Väter und Großväter zu schmälern, unserer Helden, die starben, um ihre Heimat und praktisch die ganze Welt vor der braunen Pest zu schützen", sagte Putin einer Kreml-Mitteilung zufolge. Er meinte, dass einige Funktionäre im Ausland ihr "Schandmaul" nicht halten könnten. Sie zögen die Rolle der Sowjetunion bei der Befreiung vom Hitlerfaschismus in den Dreck. "Ich möchte noch einmal unterstreichen, wir werden dieses Schandmaul stopfen mit Dokumenten, und zwar für immer." 

Zugleich kritisierte der Kremlchef einmal mehr eine Resolution des Europaparlaments, die der Sowjetunion eine Teilschuld am Zweiten Weltkrieg gibt. "Es entsteht der Eindruck, dass diese Menschen entweder nicht lesen können, oder nicht schreiben können - oder keine Augen haben", sagte Putin.

Russland feiert am 9. Mai den 75. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges und den Sieg der Sowjetunion mit einer großen Militärparade in Moskau. Dazu werden Staatsgäste aus aller Welt erwartet. Zugesagt hat bereits Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Eingeladen sind auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU), Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und US-Präsident Donald Trump.

"Leningrader Blockade" sollte St. Petersburg durch systematisches Aushungern auslöschen

Bei dem Veteranen-Treffen kündigte Putin eine Einmalzahlung von 75.000 Rubel (1100 Euro) für alle Veteranen zum Jahrestag an. Er lobte bei dem Gedenken in St. Petersburg auch den Staat Israel, der die Erinnerung an den Holocaust - den Völkermord an den Juden - hochhalte. 

Putin wird am Donnerstag in Jerusalem beim Holocaust-Gedenken in Yad Vashem eine Rede halten. Die Rote Armee befreite vor 75 Jahren das Konzentrationslager Auschwitz, das als Symbol für den Holocaust gilt. Bei seinem Besuch in Jerusalem will Putin zudem ein Denkmal für die Leningrader Blockade im Sacher-Park einweihen. Die 900 Tage lange Blockade gilt als eines der schwersten Verbrechen gegen die Menschlichkeit der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. 

Auf Befehl von Adolf Hitler sollte die Stadt durch systematisches Aushungern ihrer Bewohner ausgelöscht werden. Mehr als eine Million Menschen starben an Hunger, Kälte und Krankheiten sowie bei Granatenbeschuss und den Kämpfen um Leningrad. Die Blockade wurde am 18. Januar 1944 von der Roten Armee durchbrochen und endete am 27. Januar. (dpa)

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