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Türkei

30.10.2020

Handtaschen-Plagiat im Palast? Türken spotten über Emine Erdogan

Ein Bild aus harmonischeren Tagen: Brigitte Macron begrüßt Recep Tayyip Erdogan und dessen Frau Emine Erdogan im Elyseepalast. Die türkische Präsidentengattin ist für ihren extravaganten Geschmack bekannt und berüchtigt.
Foto: Thibault Camus, dpa (Archiv)

Zuletzt schoss Erdogan verbal gegen Frankreich. Jetzt wird in der Türkei wird über das angeblich 50.000 Euro teure Luxus-Accessoire der First Lady gespottet.

Als der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan seine Landsleute zum Boykott französischer Waren aufrief, kam die Antwort von Oppositionsführer Kemal Kilicdaroglu postwendend: Wenn es darum gehe, Produkte aus Frankreich zu meiden, dann solle Erdogans Gattin Emine als Erstes ihre teure französische Designer-Handtasche der Edelmarke Hermès für 50.000 Euro verbrennen. Das Präsidialamt versuchte, dem Eindruck der Prunksucht zu widersprechen – und machte alles nur noch schlimmer.

Der extravagante Geschmack von Emine Erdogan erregt Aufsehen

Hintergrund ist der Streit zwischen der Türkei und Frankreich: Erdogan wirft Staatspräsident Emmanuel Macron eine islamfeindliche Haltung vor. Die Regierung nutzt die Auseinandersetzung dazu, von der schlechten Wirtschaftslage abzulenken: Die türkische Lira sackte am Freitag auf ein Rekordtief. Kilicdaroglus Hinweis trifft daher ins Mark. Denn der extravagante Geschmack von Emine Erdogan erregt schon lange Aufsehen und Unwillen. Als sie ihren Mann vor Jahren nach Brüssel begleitete, meldeten Medien, mehrere Geschäfte seien gesperrt worden, damit Frau Erdogan in Ruhe einkaufen konnte. Wegen eines Artikels über die Hermes-Tasche und andere Luxusgüter steht der Journalist Ender Imrek vor Gericht. Vorwurf: Beleidigung der Präsidentengattin.

„Canta“, das türkische Wort für Tasche, war am Freitag das meistgesuchte Schlagwort auf Twitter. Die regierungsnahe Hürriyet hatte berichtet, Emine Erdogan müsse keine Tasche verbrennen, weil sie ohnehin nur Plagiate von Markentaschen trage. Das sollte wohl dem Eindruck entgegenwirken, die Präsidentengattin gebe das Geld mit vollen Händen aus. Doch manövrierte sich die Staatsführung damit noch tiefer ins PR-Schlamassel: Entweder ist Emine Erdogans Tasche echt, was die Boykottaufrufe als Heuchelei entlarven würde – oder die First Lady der Türkei unterstützt die Produktpiraterie.

Kritiker: Wenn die Tasche ein Plagiat ist, wäre es Produktpiraterie

Kritiker nutzten die Gelegenheit, Hohn und Spott über Erdogan und die staatsnahe Presse auszuschütten. Menschenrechtsanwalt Kerem Altiparmak machte sich lustig, dass die Regierung erst nach der Kritik entdeckt haben will, dass die Tasche nicht echt sei. Auf Import und Export illegaler Kopien von Markenware stünden Haftstrafen, merkte Anwalt Hüseyin Aygün an.

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