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Flüchtlinge

19.01.2017

Herkunft, Alter, Geschlecht: Wer sucht in Deutschland Asyl?

2016 kamen rund 280.000 Flüchtlinge nach Deutschland. (Symbolbild)
Bild: Michael Kappeler (dpa)

Die Krisen auf der Welt trieben 2016 wieder 280.000 Flüchtlinge nach Deutschland. Doch wie kommt das Innenministerium auf diese Zahl? Und woher stammen die Asylbewerber?

Die Flüchtlingskrise bleibt eine Herausforderung. Während in Deutschland eine Debatte über Integration, deutsche Werte und kriminelle Zuwanderer tobt, hoffen mehr Menschen als jemals zuvor auf Asyl in der Bundesrepublik: 746.000 Menschen stellten 2016 einen Antrag - ein absoluter Rekord.

Schon Anfang der 1990er Jahre strömten Hunderttausende Flüchtlinge nach Deutschland. Dass die Flüchtlingskrise ab 2015 aber eine neue Dimension bei den Asylanträgen erreicht hat, zeigt dieser Vergleich deutlich:

Die aktuelle Rekordzahl bedeutet aber nicht, dass 2016 mehr Flüchtlinge nach Deutschland kamen als im Vorjahr. Da das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) überlastet ist, konnten vor allem 2015 viele Menschen erst mit monatelanger Verzögerung Asyl beantragen. Die meisten Anträge aus dem Jahr 2016 stammen daher von Flüchtlingen, die bereits früher eingereist waren.

Wie viele Menschen kamen im vergangenen Jahr wirklich nach Deutschland? Ein exakte Angabe gibt es nicht. Es wurden rund 321.000 Menschen bei ihrem ersten Kontakt mit den Behörden erfasst und in das sogenannte EASY-System eingetragen - doch die Statistik ist fehlerhaft, da immer wieder Asylbewerber in verschiedenen Bundesländern mehrfach registriert werden.

Das Bundesministerium des Inneren (BMI) hat daher eine offizielle Zahl veröffentlicht, die unter den Registrierungen liegt und wohl die exakteste Angabe ist: 280.000. "Dabei handelt es sich um eine qualifizierte Schätzung, für die viele Daten ausgewertet wurden", erklärt BMI-Sprecherin Annegret Korff. Die Erhebungen zeigen: Der Rekord bei den Asylanträgen darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass 2016 deutlich weniger Flüchtlinge nach Deutschland kamen als im Vorjahr:

Welche Menschen stecken hinter diesen Zahlen? Einzelschicksale lassen sich statistisch nicht erfassen - Herkunftsländer, Geschlecht und Alter bei den 2016 gestellten Asylanträgen aber schon.

Aus welchen Ländern die Flüchtlinge stammen

Dass 2016 weniger Asylbewerber nach Deutschland gekommen sind, liegt vor allem an politischen Maßnahmen wie der Schließung der Balkanroute und dem Flüchtlingsdeal mit der Türkei. An den Fluchtursachen hat sich dagegen wenig geändert, wie ein Überblick über die häufigsten Herkunftsländer zeigt. Die meisten Flüchtlinge kommen weiterhin aus Krisenregionen - vor allem aus dem Bürgerkriegsland Syrien:

Auffällig ist, dass auch die Russische Föderation zu den häufigsten Herkunftsländern zählt. Das sind vor allem Tschetschenen, die vor Verfolgung flüchten. Sie haben aber kaum Chancen darauf, in Deutschland Asyl zu bekommen. Die meisten werden laut BAMF in die Drittländer wie Polen zurückgeschickt, über die sie in die Bundesrepublik eingereist sind. In der Statistik taucht das nur als "formelle Entscheidung" auf.

Die Chance nach Asyl unterscheidet sich abhängig vom Herkunftsland deutlich:

Syrer bekommen demnach fast immer Schutz in Deutschland - anders als bei Afghanen, bei denen sehr unterschiedlich über Asylanträge entschieden wird. Das BAMF begründet das damit, dass die Gefahr in dem Land anders als in Syrien je nach Region unterschiedlich groß ist - was von Organisationen wie ProAsyl angezweifelt wird. Letztendlich bedeutet dieses Vorgehen, dass deutlich mehr Syrer als Afghanen in Deutschland bleiben dürfen.

Geschlecht und Alter: Wer sind die Asylbewerber?

Auch Geschlecht und Alter der Flüchtlinge werden erfasst. Es fällt auf, dass zwei Drittel der Flüchtlinge männlich sind:

 

Nach Angaben vor ProAsyl hat das mehrere Gründe. Demnach vermeiden zur Flucht bereite Menschen, dass sich die ganze Familie den Gefahren des Wegs aussetzen müssen. "Da sind es dann oft die Männer, die den Schritt zuerst wagen - zum Teil verbindet sich dies mit der Hoffnung, Familienangehörige im Fall der Anerkennung legal nachholen zu können", sagt Bernd Mesovic, Leiter der Abteilung Rechtspolitik.

Dazu komme, dass Männer in Krisenländern dem Wehrdienst entgehen möchten. Diese Gründe führen laut Mesovic auch dazu, dass sich eher junge Menschen auf den Weg machen. Die Gruppe der 18 bis 35-Jährigen ist besonders groß - danach fällt die Fluchtbereitschaft offenbar deutlich:

Alles zusammen zeigt, dass vor allem junge Männer aus Krisenländern wie Syrien oder Afghanistan Asyl in Deutschland beantragt haben. Das BAMF möchte keine Prognose abgeben, wie sich der Flüchtlingszustrom in den kommenden Jahren entwickelt. Es gehe davon aus, dass sich an den politischen Maßnahmen wie den Deal mit der Türkei nichts ändert - wenn doch, könnten aber wieder mehr Asylbewerber als 2016 nach Deutschland kommen.

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