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19.08.2019

Immer mehr Rentner verdienen sich etwas dazu

Immer mehr Rentner verdienen sich etwas dazu
Bild: Karl-Josef Hildenbrand, dpa (Symbol)

Fast 1,5 Millionen ältere Menschen sind erwerbstätig. Das hat nicht nur finanzielle Gründe.

Deutsche Unternehmen umwerben immer stärker ältere Mitarbeiter: Bei der Bahn etwa arbeiten 500 Rentner. Auch in der Region wollen viele Firmen ihre älteren Kollegen halten: Rosa Unsinn zum Beispiel, der Geschäftsführerin des Anhängerherstellers Unsinn aus Holzheim im Landkreis Donau-Ries, ist es wichtig, dass Mitarbeiter weiterarbeiten können, wenn sie wollen. Weil die Wertschätzung wichtig sei im Alter – und weil die Firma ihre erfahrenen Kollegen brauche. "Diese Mitarbeiter bringen Werte in ein Unternehmen, die nicht zu ersetzen sind." Von den 280 Mitarbeitern bei Unsinn sind vier bereits im Rentenalter. Viele stehen wenige Jahre davor – und schon jetzt macht sich die Geschäftsführerin Gedanken, wie sie sie halten kann. "Wenn ich nur daran denke, dass unsere Programmiererin bald in Rente gehen könnte...". Deshalb möchte sie ihr anbieten, mit flexiblen Arbeitszeiten weiterzuarbeiten.

In Deutschland arbeiten immer mehr Rentner. Im vergangenen Jahr waren es nach Zahlen des Bundesarbeitsministeriums 1,45 Millionen Männer und Frauen. Zum Vergleich: Zur Jahrtausendwende waren es nur 530.000. Diese Entwicklung zeigt sich auch in der Region, wie Christine Neumann von der Industrie- und Handelskammer Schwaben sagt. Sie koordiniert die Sicherung von Fachkräften – und dabei begegnet ihr immer wieder die Frage, wie auch ältere Menschen weiterarbeiten können.

Betriebsinhaber arbeiteten häufig einige Jahre länger

"Es gibt gute Gründe für Unternehmen, Mitarbeiter behalten zu wollen, wenn sie das Rentenalter erreichen." Mit ihnen gehe häufig eine Fülle an Wissen und Erfahrungen verloren. Im Handwerk dagegen sei es wegen der oft sehr hohen körperlichen Arbeitsbelastung eher unüblich, als Rentner weiterzuarbeiten, heißt es bei der Handwerkskammer für Schwaben. Betriebsinhaber hingegen arbeiteten häufig einige Jahre länger.

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Das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung hat kürzlich in einer Studie untersucht, warum immer mehr Rentner arbeiten. Dabei fielen zwei Gruppen auf, wie Arbeitsmarktforscher Christian Westermeier sagt: Geringverdiener und gut ausgebildete Arbeitskräfte. Haben Angestellte schon vor der Rente einen Minijob, behalten sie ihn häufig darüber hinaus. Der Untersuchung zufolge arbeiteten doppelt so viele Männer und Frauen des Jahrgangs 1950 ein halbes Jahr nach ihrem Renteneintritt wie bei Rentnern des Jahrgangs 1945. Das liegt hauptsächlich an den hohen Geburtenraten der Nachkriegsjahre.

Doch der Effekt zeigt sich auch im relativen Vergleich der beiden Jahrgänge: Von den 1950 geborenen Rentnern arbeiteten 14 Prozent, von den 1945 geborenen waren es nur elf Prozent. 90 Prozent der Rentner, die eine Arbeit hatten oder gerne gehabt hätten, sagten bei einer Befragung, sie bräuchten Kontakt zu anderen Menschen, hätten Spaß an der Arbeit und bräuchten weiterhin eine Aufgabe. Andererseits gaben auch 53 Prozent der Männer und 70 Prozent der Frauen an, dass sie das Geld bräuchten.

Davor warnt Bastian Brackelmann vom Sozialverband VdK. Etwa die Hälfte der erwerbstätigen Rentner geht einer geringfügigen Beschäftigung nach. Dabei handle es sich häufig um Tätigkeiten wie Regale einräumen. "Die Art dieser Tätigkeiten deutet für uns daraufhin, dass die Beschäftigten finanziell darauf angewiesen sind." Sein Verband fordere daher, dass das Rentenniveau nicht weiter falle.

Worauf jemand achten muss, der über das Rentenalter hinaus arbeiten will, lesen Sie hier.

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