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Impfstoffverteilung: Dem Westen darf das Schicksal Afrikas nicht egal sein

Kommentar Von Margit Hufnagel
05.03.2021

Corona ist zum Politikum geworden. Wenn Europa länger den Blick nur auf die eigenen Sorgen lenkt, wird sich das bitter rächen.

Wer sich in seinen üblichen Afrika-Klischeebildern bestätigt sehen will, der dürfte derzeit besonders gerne in Richtung Tansania blicken. Dort liefert Präsident John Magufuli gerade ein absurdes Schauspiel ab, das an Komik wie Tragik kaum zu überbieten ist. Corona, so die Erkenntnis des Staatsmannes, sei am besten heilbar durch Gebete und Ingwerdrinks, auch Dampfbäder sollen helfen. Gruselgeschichten aus dem Skurrilitäten-Kabinett. Dass der Kontinent einmal wieder zu den Vergessenen in dieser Krise gehört, geht hingegen weitgehend unter. Dabei ist Corona längst zum Politikum geworden. Es zeigt Machtstrukturen, Misswirtschaft, politisches Versagen und interessengeleitetes Kalkül wie unter einem Brennglas.

 

Schon mit Ausbruch der Pandemie wurde Afrika gleich zum Patienten mit doppelter Diagnose: Nicht nur das Virus wütete – wenngleich deutlich weniger als in Europa –, auch die ohnehin dünnen wirtschaftlichen Erfolge der vergangenen Jahre drohten durch harte Lockdowns zunichtegemacht zu werden wie ein Weizenfeld von einem Schwarm Heuschrecken.

Impfstoffverteilung: Europa vergisst die Ärmsten erneut

Nun, da immer mehr Impfstoffe zugelassen werden, scheint sich das Schicksal zu wiederholen. Menschenrechtsorganisationen haben ausgerechnet, dass es beim jetzigen Tempo bis zum Jahr 2024 dauern würde, ehe Entwicklungsländer eine ähnlich hohe Impfquote erreicht haben wie der Westen. Europa vergisst die Ärmsten also erneut. Statt sich um eine globale Verteilung der Vakzine zu kümmern, verlieren sich die EU-Länder in einem Kleinkrieg um Schuldzuweisungen rund um die eigene Impfstoff-Bestellung. Bei allem Verständnis dafür, dass es die wichtigste Aufgabe der Politik ist, jetzt die eigene Bevölkerung zu schützen – die unterlassene Hilfeleistung für Afrika ist fatal.

Je mehr Infizierte, desto höher die Mutationsgefahr

Das hat zum einen medizinische Gründe. Längst ist es nicht mehr nur die Ursprungsform des Coronavirus, die uns Sorgen bereitet. Die Mutationen sind dabei, die Oberhand zu gewinnen – unter anderem eine Variante, die ihren Ursprung in Südafrika hat. Die Rechnung ist simpel: Je weiter verbreitet das Virus ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit von Mutationen. Es liegt also auch im Interesse der reichen Länder, diese Seuche in der ganzen Welt zumindest einzudämmen. Die Globalisierung hat längst alle Grenzen gesprengt, spätestens mit dem Wiedereinsetzen des Tourismus werden Reisende zu Viren-Taxis. Man mag sich kaum ausmalen, was mit unserer Wirtschaft und Gesellschaft geschieht, wenn es uns nicht gelingt, die Pandemie in diesem Jahr unter Kontrolle zu bekommen. Wer glaubt, es reicht, den Blick aufs eigene Land zu lenken, irrt daher gewaltig.

 

Es gibt aber noch einen zweiten Grund, warum Europa allen Sorgen zum Trotz über den Tellerrand schauen sollte. Nicht weniger als die Frage, in welcher Welt wir eigentlich leben wollen, stellt sich gerade. Denn während wir uns selbst bemitleiden, fahren China und Russland große Geschütze auf, um sich in einer Art „Impfdiplomatie“ Macht in der sogenannten Dritten Welt zu sichern. Die autoritären Regime inszenieren sich als Retter in der Not, liefern eigene Impfstoffe – und dabei geht es nicht nur um Geld, sondern um Einfluss.

Seit Jahren versucht Peking, seine Macht auf dem Kontinent auszubauen, und ist dabei sehr erfolgreich. An der Entwicklung der Länder ist dem Regime dabei nicht gelegen. Korruptionsbekämpfung und Menschenrechte spielen keine Rolle. Auch das könnte sich zum Bumerang für Europa entwickeln: Die Flüchtlingskrise der vergangenen Jahre hat eindrucksvoll bewiesen, wie Afrikas Probleme schnell zu unseren werden können.

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06.03.2021

Sehr geehrter Herr Harald V.

Wie Sie in meinen paar Zeilen ein „Naserümpfen“ entdecken, entzieht sich meinem Wissen. Dort stehen nichts als nüchterne Fakten. Und die sich in Endlosschleife wiederholende Forderungen deutscher Linken.
Vielleicht hilft Ihnen mal die Lektüre des Friedensnobelpreisträgers Albert Schweizer.
Am Ende kommt von Ihnen natürlich die Plattitüde von der „kolonialen Schuld“. Das negiert nicht nur, dass die letzten Kolonien vor ca. 60 Jahren unabhängig wurden. Eine Zeitspanne in der Weltreiche wie die Sowjetunion erstarkten und wieder verglühten, oder Staaten wie China von bettelarm zum Imperium erwuchsen. Es ist auch selbstentlarvend. Sie halten also selbst die afrikanische Gesellschaft für nicht befähigt, sich aus dem kolonialen Erbe zu erheben.
Und nebenbei wird auch weggewischt, dass die Kolonien durch Einfluss der Kolonialmächte einen gewaltigen Entwicklungsschub erlebten, ohne den der Kontinent heute uneinholbar in der Steinzeit stecken würde.
Und noch ein paar Fundamentaldaten. Die „Kolonialmacht“ Deutschland hat mehr Finanzvolumen in seine Kolonien gesteckt, als von dort zurück geflossen ist.
Und aktuell
„ Obwohl der afrikanische Kontinent aufgrund seines Bevölkerungswachstums zunehmend als Konsumgütermarkt mit guten Wachstumschancen gewürdigt wird, spielen für den deutschen Außenhandel die Warenverkehre mit Afrika mit Anteilen zwischen 2% und 3% weiterhin eine nachgeordnete Rolle“ Das ist nicht von mir sondern aus einer Analyse des statistischen Bundesamtes. Der überwiegende Teil davon betrifft Rohstoffe aus Nigeria oder Angola. Mit wem man aber keinen Handel treibt, den kann ich auch nicht „ausbeuten“. Nicht gestern und nicht heute.

Noch ein paar aktuelle Meldungen. Das vergleichsweise „reiche“ Südafrika muss, nachdem zunehmend weiße Farmer nicht nur von ihren Grund und Boden enteignet werden, erstmals in seiner Geschichte Nahrungsmittel importieren.
Das Land mit den blutigsten Verbrechen der jüngsten Vergangenheit (was auch gar nix mit Kolonien zu tun hatte), Ruanda, ist heute, nachdem es seine Gesellschaft streng nach europäischen Muster gestaltet hat, eines der wenigen aufstrebenden Länder des Kontinents und dabei beredtes Beispiele dafür, dass sich Gesellschaften nur selber und von innen helfen können. Die Billionen Dollar „Entwickelungshilfe“ die dagegen von Außen in den letzten Jahren in den Kontinent gesteckt wurden, sind einfach verdampft.

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06.03.2021

Wie kommen Sie zu Ihrer Aussage, wonach Südafrika wegen der Enteignung der weißen Siedler nun "erstmals in seiner Geschichte Nahrungsmittel importieren" muss? Südafrika importierte in den letzten Jahren so viele Lebensmittel wie schon in den 80er Jahren des vorherigen Jahrhunderts, wie Sie folgender Statistik entnehmen können:
https://knoema.de/atlas/S%c3%bcdafrika/topics/Au%c3%9fenhandel/Import/Lebensmittelimporte

Dass die Bedingungen für die Landwirtschaft in Afrika immer schlechter werden, liegt vor allem am schnell fortschreitenden Klimawandel, für den die Afrikaner mit ihrer Lebensweise am allerwenigsten etwas können. Übrigens ganz im Gegensatz zu uns.

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06.03.2021

Afrika Einwohner

1950: 240 Mio

2020: 1.300 Mio

https://www.bib.bund.de/DE/Fakten/Fakt/W24-Bevoelkerungszahl-Wachstum-Afrika-ab-1950.html

Natürlich sind Hellhäutige und der Klimawandel schuld...

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06.03.2021

Afrika kann seine Infrastruktur nicht entwickeln.
Europa muss helfen.
Afrika kann seine Menschen nicht mit Nahrung versorgen.
Europa muss helfen.
Afrika exportiert vollkommen ungenügend Waren.
Europa muss helfen.
Afrika kann nicht genügend Wohnungen für seine Menschen bauen.
Europa muss helfen.
Afrika schafft nicht genügend Bildung für seine Jugend.
Europa muss helfen.
Afrika produziert keine Medikamente
Europa muss helfen.
Nirgendwo sonst explodiert die Zahl der Menschen so wie in Afrika
Europa muss helfen.

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06.03.2021

Die Bevölkerungsexplosion ist das größte Problem in Afrika. Wenn die Bevölkerung schneller wächst wie die Wirtschaft... dient das nicht zur Steigerung von Lebensstandard und Bildung.

Einige Ihrer Aussagen sind aber vollkommen falsch.

Wer exportiert Waren (besonders Rohstoffe) aus Afrika?
Wer benötigt hierfür die entsprechende Infrastruktur?
Wohl eher Europa, China und die USA.

Wer hat das Chaos in Afrika verursacht?
Die Kolonialmächte. Statt auch nach Beendigung der Kolonalialzeit die Grenzen neu zu ziehen wurden diese belassen, um Einflusszonen nicht zu verlieren. Dass man dort gegen ihren Willen verschieden Völker bzw. Teile dieser in einem Staat gezwungen hat, wurde ignoriert. Entsprechende Konflikte waren unausweichlich. Kriege führen zu Zerstörungen und behindern auch einen Aufbau von zivilen Strukturen, die der Bevölkerung helfen könnten. Wichtig ist den ehemaligen Kolonialmächte und der neuen Kolonislmacht China zuverlässige Rohstofflieferungen ....
Afrika ist heute noch nichts weiter wie ein Spielball der Grossen.

Wir sollten froh sein dass wir nicht in deren Lage sind, als über diese die Nase zu rumpfen.


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06.03.2021

Es geht nicht um koloniale schuld oder wieviel jemand wo reingesteckt hat und rausgeholt hat.
Durch die kolonisierung wurden eben gesellschaftliche Strukturen zerstört und nach der Unabhängigkeit haben die ehemaligen kolonialmächte Regierungen nach Gutdünken unterstützt oder gestürzt.
Ruanda ist ein gutes Beispiel. Wieso gab es dort den Völkermord? Weil ein Volk ein anderes unterdrückt hat. Wenn die Völker ihre eigenen Staaten hätten, würde es eben viele Konflikte und Kriege eben nicht geben. So reiben sich viele Staaten in Völker und stammeskonflikte auf. Wenn kein Frieden vorhanden ist, kann auch keine Entwicklung statt finden. Da helfen auch Milliarden an Entwicklungshilfe nichts.
Auch sollte Entwicklungshilfe die dortigen esellschaftlichen Strukturen berücksichtigen und entsprechend ansetzen. Auch wenn das manchen Linken nicht gefällt.

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06.03.2021

Wollen sie damit sagen dass sie keine Ahnung haben? Auf der Volkshochschule könnte man abhelfen.

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05.03.2021

Toller Vorschlag: Europa kann sich nicht selbst helfen und soll Afrika helfen.
Es ist anzunehmen, dass dankend Afrika ablehnt.
Besser wäre es, wenn England, Israel oder Österreich Afrika hilft und Europa bezahlt.

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