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Corona-Bekämpfung

12.02.2021

Internationaler Vergleich zeigt: Deutschland ist im Kampf gegen Corona nur Mittelmaß

Der Nächste, bitte! Kein Land impft seine Bürger schneller als Israel – so wie hier in Tel Aviv.
Bild: Ilia Yefimovich, dpa

Andere Länder testen mehr, sie impfen zügiger und fassen auch wirtschaftlich schneller wieder Tritt. Was Statistiken über den Kampf gegen Corona verraten.

„Ich glaube, dass im Großen und Ganzen nichts schiefgelaufen ist.“ Als Angela Merkel vor wenigen Tagen in einem ihrer seltenen Interviews die Corona-Politik von Bund und Ländern verteidigte, staunten auch viele ihrer Parteifreunde über diesen Satz. So gut, wie es in diesem Moment scheinen sollte, ist das Krisenmanagement von Bund und Ländern im internationalen Vergleich nämlich nicht. Bei einer ganzen Reihe von Studien und Datenreihen liegt Deutschland, wenn überhaupt, nur im Mittelfeld.

Impfungen: In der Bundesrepublik haben bis Ende dieser Woche drei Prozent der Menschen eine erste Impfung gegen Corona erhalten, lediglich 1,4 Prozent wurden bereits zweimal geimpft. Damit hinkt Deutschland im internationalen Vergleich weit hinterher. In Israel zum Beispiel sind knapp 43 Prozent der Bevölkerung schon mindestens einmal geimpft, auf den Seychellen 39 Prozent und in Großbritannien fast 20 Prozent. Besonders schnell impfen auch die Vereinigten Arabischen Emirate, die USA, Bahrain und Serbien. Auch etliche Mitgliedsländer der EU, die im Verhältnis zu ihrer Einwohnerzahl genauso viele Impfdosen bekommen haben wie die Bundesrepublik, haben mehr Menschen geimpft – etwa Dänemark, Malta, Rumänien, Litauen, Irland, Spanien oder Polen.

Tests: Auch hier ist der Rückstand auf andere Länder groß. Umgerechnet auf eine Million Einwohner hat Dänemark seit Ausbruch der Pandemie gut 2,5 Millionen Tests durchgeführt. Luxemburg und die Arabischen Emirate kommen auf ähnliche Werte. In Großbritannien sind es knapp 1,2 Millionen Tests, in den USA mehr als 990.000. Deutschland kommt mit seinen rund 497.000 Tests je Einwohnermillion nicht annähernd auf diese Werte und damit auch nicht unter die 30 Nationen, die am häufigsten testen.

Todesfälle: Verglichen mit Ländern wie Belgien, Großbritannien, Slowenien oder Tschechien, wo umgerechnet auf eine Million Einwohner zwischen 1600 und 1900 Menschen an oder mit Corona gestorben sind, steht Deutschland mit 768 Toten pro Einwohnermillion noch relativ gut da. Interessant ist hier allerdings der Vergleich mit Südafrika, das ein deutlich schlechteres Gesundheitssystem hat und trotz der neuen, nach Einschätzung zahlreicher Virologen auch deutlich gefährlicheren „Südafrika-Mutation“ nur unwesentlich mehr Corona-Tote zu beklagen hat – nämlich etwa 799 pro Einwohnermillion.

Lockdown: In einem aufwenigen Verfahren hat die Universität Oxford einen Lockdown-Index ermittelt, der die Schärfe einzelner Maßnahmen von Schulschließungen über Kontaktsperren bis zum Schließen von Geschäften in Zahlen zu fassen versucht. Hier ist Deutschland soeben in die Top Ten der strengsten Länder der Welt aufgerückt. Es führen die Niederlande vor Kuba, Eritrea und Honduras. Die wenigsten Einschränkungen gibt es im Moment in Taiwan, Nicaragua, Macau und Neuseeland.

Wirtschaft: Die einzige große Volkswirtschaft, die auch im Pandemiejahr 2020 gewachsen ist, war die chinesische – nach eigenen Angaben um 2,3 Prozent. Für das laufende Jahr liegen die Konjunkturprognosen für China zwischen sieben und acht Prozent. Der deutschen Wirtschaft sagen die meisten Ökonomen nach dem Einbruch um fünf Prozent im vergangenen Jahr zwar für das laufende Jahr eine Erholung voraus. Die dürfte angesichts des nun noch einmal verlängerten Lockdowns aber weniger stark ausfallen als erhofft. Die Bundesregierung hat ihre Wachstumsprognose bereits deutlich heruntergeschraubt – von 4,4 auf drei Prozent. Zum Vergleich: Für die USA liegen die Vorhersagen von Banken und Konjunkturforschern bei vier bis fünf Prozent, für Großbritannien teilweise sogar noch deutlich darüber. In der ersten Februarwoche lag die deutsche Wirtschaftsleistung nach Berechnungen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung noch um acht Prozent unter dem Vergleichswert des Vorjahres.

Krisenmanagement: Infektionszahlen, Todesfälle, Testquoten: Das australische Lowy Institute, eine 2003 gegründete Denkfabrik, hat mehrere solcher Parameter zu einem Gesamtbild verdichtet und daraus eine Art Index für das beste Krisenmanagement in der Corona-Krise ermittelt. Unter den knapp 100 überprüften Staaten liegt Deutschland nur im Mittelfeld, nämlich auf Platz 55 – hinter Kroatien und vor El Salvador. Am besten schnitten Neuseeland, Vietnam, Taiwan und Thailand ab, am schlechtesten der Iran, Kolumbien, Mexiko und Brasilien.

Quellen: Statistisches Bundesamt, Johns-Hopkins-Universität, WHO, Robert-Koch-Institut, Our World in Data

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