Newsticker
Russland setzt bei Angriffen in der Ukraine wohl zunehmend auf ungenaue Raketen
  1. Startseite
  2. Politik
  3. Interview: „Ein großes Zeichen für die Ökumene“

Interview
21.09.2011

„Ein großes Zeichen für die Ökumene“

Schwabens evangelischer Regionalbischof Michael Grabow über Papst Benedikts Besuch in Deutschland.
Foto: Fred Schöllhorn

Schwabens evangelischer Regionalbischof Michael Grabow über Papst Benedikts Besuch in Deutschland.

Michael Grabow (57) ist seit 2008 evangelisch-lutherischer Regionalbischof im Kirchenkreis Augsburg.

Was bedeutet es für die Ökumene in Deutschland, wenn Papst Benedikt XVI. in die Lutherstätte Augustinerkloster zu Erfurt kommt?

Grabow: Für die Evangelische Kirche in Deutschland ist es ein großes Zeichen, das hoffen lässt. Das Augustinerkloster, in das Luther 1505 als Mönch eingetreten ist und wo er seine erste Messe las, verbindet uns. Papst Benedikt trifft dort die Spitze unserer Kirche, und gemeinsam feiern sie einen ökumenischen Gottesdienst. Das ist ein Signal, wie ernst es dem Papst mit der Ökumene ist.

Martin Luther hat über den Papst nicht sehr freundlich gesprochen und ihn sogar als Antichrist geschmäht. Welchen Papst meinte er damit?

Grabow: In seiner Zeit stand Luther mit seiner Kritik nicht allein. Er meinte die Renaissancepäpste, die wie große Fürsten gelebt haben. Mit dem heutigen Papst würde Luther sicher anders sprechen. Die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre hatte 1999 festgestellt, dass die gegenseitigen Verurteilungen aus der Reformationszeit die heutigen Kirchen nicht mehr treffen.

Lesen Sie dazu auch

Sollte der Papst den Bann über Martin Luther zurücknehmen?

Grabow: Es wäre sicher ein symbolischer Akt von Gewicht. Eine Aufhebung des Kirchenbanns über Martin Luther würde manche Verkrampftheiten beseitigen, die immer noch den ökumenischen Dialog belasten.

Welche Verkrampfungen meinen Sie?

Grabow: Es hat wehgetan, dass Papst Benedikt als Präfekt der Vatikanischen Glaubenskongregation in seiner Erklärung „Dominus Jesus“ uns 2000 das Recht, Kirche zu sein, abgesprochen hatte. Eine so grundlegende Frage braucht eine Klärung.

Katholiken betonen gerne, dass Luther in Erfurt „noch“ katholisch war...

Grabow: Wir haben eine gemeinsame Geschichte von 1500 Jahren. Martin Luther wollte keine neue Kirche gründen. Er wollte sie auch nicht spalten. Er wollte sie reformieren. Am gemeinsamen grünen Stamm ist ein neuer Zweig entstanden. Dass mit dem Protestantismus auch neue Akzente ins Christentum gekommen sind, nämlich die unbedingte Betonung des biblischen Wortes, finde ich eine Bereicherung.

Was ist Ihr dringendster ökumenischer Wunsch an den katholischen Partner?

Grabow: Ich wünsche mir, dass es möglichst bald zum Normalfall wird, dass konfessionsverbindende Familien gemeinsam zur Kommunion gehen können. Als Pfarrer habe ich immer wieder ihre Trennung beim Abendmahl als große Not erlebt. In unserer evangelischen Kirche können auch Christen anderer Konfessionen beim Abendmahl teilnehmen. Interview: Alois Knoller

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.