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Interview
04.08.2017

"Meinen Sie, Sie können noch fliegen?": Früherer "Landshut"-Pilot im Interview

Der einstige Lufthansa-Pilot Jürgen Vietor musste die "Landshut" bei der Entführung 1977 zeitweise alleine steuern. Diana Müll (l.) hat das Drama als Passagierin mit durchlitten.
Foto: Patrick Seeger, dpa

Lufthansa-Pilot Jürgen Vietor flog die entführte „Landshut“. Ein Gespräch über die Rückkehr des Flugzeugs nach Deutschland und die entscheidende Frage nach der Entführung.

Herr Vietor, freuen Sie sich, dass die „Landshut“ den Weg nach Deutschland und dann nach Friedrichshafen findet?

Jürgen Vietor: Das fand ich von Anfang an gut. Ich hätte mir allerdings auch vorstellen können, dass die „Landshut“ ins Haus der Geschichte nach Bonn kommt. Denn die Entscheidung, die Geiseln zu befreien, fiel 500 Meter entfernt im damaligen Bundeskanzleramt. Aber in Bonn war man nur an einer Tür des Flugzeugs interessiert. Auch der Helmut-Schmidt-Flughafen in Hamburg war als künftiger Standort im Gespräch sowie das Auto- und Technik-Museum in Speyer und Sinsheim. Aber da wäre die „Landshut“ nur eine unter vielen Maschinen gewesen. Das ist im Dornier-Museum in Friedrichshafen anders, denn hier stehen nur Maschinen aus der 100-jährigen Dornier-Geschichte. Das Konzept hier ist gut.

Hier stehen noch zwei andere Flugzeugtypen, die Sie früher geflogen haben.

Vietor: Ja. Das ist die Do-27, in der ein kurzer Passagierflug mich damals motiviert hat, die Pilotenlaufbahn einzuschlagen, und der Fernaufklärer Breguet Atlantic, den ich dann bei den Marinefliegern der Bundeswehr geflogen bin. Und jetzt kommt die „Landshut“ dazu. Das heißt: es sind alle drei Maschinen vereint. Das ist für mich etwas ganz Besonderes!

Das am 13. Oktober 1977 entführte Flugzeug „Landshut“ nach der Landung in Mogadischu.
Foto: UPI, dpa (Archivbild)

Wie, meinen Sie, könnten Sie das künftige Projekt begleiten?

Vietor: Das kann nicht in einer führenden Position sein. Wenn mal eine Veranstaltung stattfindet, kann ich nach Friedrichshafen kommen und bin als Zeitzeuge und Gesprächspartner gerne dabei.

"Ich habe einfach so getan, als hätte es die Entführung nicht gegeben"

Sie sind nach der Befreiung am 18. Oktober 1977 bereits am 29. Dezember wieder auf der „Landshut“ geflogen. Wie haben Sie das psychisch verkraftet in Anbetracht der Erinnerungen und des Tods von Kapitän Jürgen Schumann?

Vietor: Drei Tage nach meiner Rückkehr von Mogadischu fragte mich mein Lufthansa-Flottenchef: Herr Vietor, meinen Sie, Sie können noch fliegen? Ich sagte: Das weiß ich doch nicht. Er: Also fliegen! Ich bin dann im November fünf Tage mit einem Ausbildungs-Kapitän geflogen und es war alles in Ordnung. Dann haben wir noch Sonderurlaub bekommen – und am 29. Dezember bin ich wieder geflogen. Dass es die „Landshut“ war, hat sich zufällig so ergeben. Ich habe einfach so getan, als hätte es die Entführung nicht gegeben.

Jürgen Vietor im Oktober 1977 bei der Rückkehr aus Mogadischu, wohin die „Landshut“ entführt worden war: Er stützt die am Fuß verletzte Stewardess Gabi Dillmann.
Foto: Heinz Wieseler, dpa (Archivbild)

Einfach weiter seine Pflicht zu tun, war wohl die Art und Weise, durch die Sie mit Ihren Erlebnissen bei der Geiselnahme zurechtgekommen sind.

Vietor: Ja, genau, das war wohl so! Wäre die Maschine nicht entführt worden, hätte ich zum Beispiel montags einen Termin in St. Georgen im Schwarzwald gehabt, um mit meiner Frau für unser Ferien-Fertighaus Fliesen auszuwählen. Daraus wurde dann ja nichts. Aber ich habe den Termin dann einfach zwei Wochen später gemacht.

Zur Person: Jürgen Vietor, 75 Jahre alt, war von 1974 bis 1999 Pilot bei der Lufthansa. Bei der Entführung der Boeing 737 „Landshut“ im Oktober 1977 saß er als Co-Pilot im Cockpit. Nach der Ermordung von Kapitän Jürgen Schumann musste er alleine die Maschine steuern. Heute lebt er in Quickborn bei Hamburg.

Lesen Sie außerdem mehr darüber, wie das entführte Flugzeug "Landshut" nach Deutschland zurückkommt und wie zwei Geiseln von damals die Maschine in Brasilien besucht haben.

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