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Irlands Premierminister
17.10.2019

Leo Varadkar ist die Schlüsselfigur im Brexit-Poker

Irlands Premier Leo Varadkar wird zur entscheidenden Figur im Poker um den Brexit. Im Bild spricht er mit Journalisten nach einem Treffen mit Englands Premier Boris Johnson.
Foto: Peter Byrne, dpa (Archiv)

Lange Zeit galt er in seinem Heimatland als politischer Langweiler. Tatsächlich aber geht in den Brexit-Verhandlungen nichts mehr ohne den irischen Premier.

Als Leo Varadkar zum ersten Mal in der Downing Street Nummer zehn zu Besuch war, konnte er seinen Enthusiasmus kaum verbergen. Zu sehr erinnerte ihn das Gebäude an die berühmte Szene aus der Weihnachtskomödie „Tatsächlich Liebe“, in der Hugh Grant die Treppe heruntertanzt.

Nun also wurde Varadkar selbst und ganz offiziell in der Machtzentrale des Königreichs empfangen. Das war im Juni 2017. Kurz zuvor war der Chef der konservativen Fine-Gael-Partei vom Parlament zum bisher jüngsten Premierminister Irlands gewählt worden. Und natürlich führte der erste Trip zum Nachbarn ins Königreich, dem engsten Partner der Republik. Während Varadkar bei der Pressekonferenz wie ein Fan von seiner Begeisterung erzählte, stand die damalige Premierministerin Theresa May lächelnd neben ihm. Sie selbst hat der Brexit ihr Amt gekostet, der mittlerweile 40 Jahre alte Varadkar dagegen hat sich zur Schlüsselfigur in den Verhandlungen entwickelt. Nachdem die Gespräche zwischen der EU und Großbritannien schon so gut wie gescheitert waren, nährte ein Treffen zwischen Varadkar und seinem britischen Counterpart Boris Johnson in der vergangenen Woche noch einmal Optimismus. Sollte es eine einvernehmliche Lösung geben, führt diese über Varadkar, denn es ist die Republik Irland, die bei einem ungeordneten Brexit ohne Abkommen mehr zu verlieren hat als jeder andere Staat in der EU. Die Nachbarländer sind wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich eng verflochten. Entsprechend groß ist der Druck auf Varadkar.

Leo Varadkar ist der erste offen schwule Premier im erzkatholischen Irland

Die Popularitätswerte des Sohns eines indischen Vaters und einer irischen Mutter, der in einem Vorort von Dublin aufgewachsen ist, steigen seit Monaten. Das liegt vor allem am Brexit-Drama beim Nachbarn. Varadkar nämlich wird selbst von Landsleuten, die seinen Mitte-Rechts-Kurs, eine Mischung aus sozialem Fortschritt und unternehmerfreundlichen Neoliberalismus, unterstützen, als langweilig und unentschlossen bezeichnet. Die Politik seiner Vorgänger etwa, mit Steuerabsprachen große Konzerne anzulocken, verfolgt er ebenfalls. Gleichzeitig aber gilt er auch als Gesicht eines neuen, modernen Irlands. Varadkar ist der erste offen schwule Premier in einem ehemals erzkatholischen Land, in dem Homosexualität noch 1993 unter Strafe stand.

Im Jahr 2015 stellte Irland nach einem Referendum die gleichgeschlechtliche Ehe jener zwischen Mann und Frau gleich. Der damalige Gesundheitsminister Varadkar nannte das Ergebnis eine „soziale Revolution“. Zwar mischte er sich kaum in die Kampagne vor dem Referendum ein, doch sein Coming-Out wenige Monate vor der Abstimmung hatte für viele Vorbildcharakter. Varadkar, der vor seinem Wechsel in die Politik als Arzt in einem Krankenhaus gearbeitet hat, hält sein Privatleben aber sonst unter Verschluss, gilt vielmehr als „Streber“, der eher über Inhalten brütet als im Pub bei einem Pint Guinness zu sitzen.

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