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Islamismus
11.04.2017

Terrorforscher rechnet mit neuen Attentaten

Im Irak und in Syrien gehen die Kämpfe unvermindert weiter. Auch Deutsche kämpfen dort.
Foto: Felipe Dana, dpa

Das Bundeskriminalamt hat Syrien-Heimkehrer im Fokus. Vor allem zwei Typen von sogenannten „Gefährdern“ machen den deutschen Sicherheitsbehörden Sorgen.

Nach den Attentaten der vergangenen Woche rechnen Terrorexperten mit weiteren Anschlägen in Europa. „Ich glaube, dass der Islamische Staat mehr und mehr versuchen wird, die Anhänger im Westen zu aktivieren“, warnt der Terrorforscher Peter Neumann. Das bedeute aber nicht, dass man sich verrückt machen sollte, sagte der Leiter des Zentrums zur Erforschung von Radikalisierung in London. Aber die Menschen in Europa müssten eine realistische Einschätzung der Terrorgefahr haben.

Terrorforscher Peter Neumann.
Foto: Michael Reynolds, dpa

Hauptsächlich zwei Typen von sogenannten „Gefährdern“ machen den deutschen Sicherheitsbehörden Sorgen. Junge Muslime oder Konvertiten, die sich oft binnen weniger Monate radikalisieren und ähnlich wie im Fall des Stockholm-Attentäters im Sinne des Islamischen Staats Anschläge begehen. Eine weitere Risikogruppe ist die steigende Zahl von Syrien-Rückkehrern: Junge Muslime und Konvertiten aus Deutschland, die sich als „Dschihadisten“ dem Kampf des IS und anderer Milizen angeschlossen haben und nun wieder zurückkehren.

Ein Drittel der ausgereisten Islamisten ist zurückgekehrt

„Rückkehrer aus Dschihad-Gebieten sind ideologisch indoktriniert und häufig militärisch im Umgang mit Waffen und Sprengstoffen geschult“, sagte eine Sprecherin des Bundeskriminalamts unserer Redaktion. „Hieraus können sich Einzelpersonen oder autonom agierende Gruppen herausbilden, die gewalttätige beziehungsweise terroristische Aktionen in Deutschland oder auch in anderen Ländern planen.“ Insgesamt zählte das BKA mehr als 920 Islamisten, die aus Deutschland in Richtung Syrien und Irak gereist sind. Ein Drittel davon sei wieder zurückgekehrt. Knapp 150 der Islamisten seien im Krieg nach Erkenntnissen der Behörden umgekommen.

Der IS bekannte sich auch zu den Bombenanschlägen auf zwei koptische Kirchen mit mehr als 40 Toten in Ägypten. Unklar ist noch, wie sich die Anschläge auf die gerade wieder etwas erholte Tourismusindustrie des Landes auswirken: „Ägypten ist als Reiseland wieder deutlich nachgefragter. Von den Besucherhöchstständen vor dem Arabischen Frühling ist das Land allerdings noch entfernt“, sagte Verbandssprecher Torsten Schäfer.

Auswärtiges Amt rät zur Vorsicht

Zu einer Stornierungswelle haben die Anschläge vom Wochenende und ein ähnliches Attentat im Dezember jedenfalls noch nicht geführt: „Es gibt nur wenige Nachfragen von Gästen, die entweder vor Ort sind oder dorthin reisen wollen“, sagt Schäfer. Anzeichen für eine akute Gefahr in den Urlaubsregionen gebe es nicht, die Anschlagsorte liegen weit entfernt von den Touristenzentren.

Schäfer: „Das ist, als würde man in Sylt Urlaub machen und in München passiert etwas.“ Während im Jahr 2016 nicht einmal 700.000 deutsche Urlauber nach Ägypten reisten, sollen es auf Basis der aktuellen Buchungszahlen in diesem Jahr weit über eine Million Touristen aus der Bundesrepublik werden. Das Auswärtige Amt riet allen deutschen Urlaubern zur Vorsicht: „Es besteht landesweit ein erhöhtes Risiko terroristischer Anschläge und die Gefahr von Entführungen. Diese können sich auch gegen ausländische Ziele und Staatsbürger richten.“

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