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Israel
15.07.2017

Die Attentäter verschanzten sich an einem heiligen Ort

Nach den Schießereien zwischen der Polizei und palästinensischen Angreifern wurde der Tempelberg großräumig abgeriegelt.

Ein blutiger Anschlag auf zwei Polizisten erschüttert das Land. Beginnt nun eine neue Spirale der Gewalt?

Haìl Satawi und Kamil Shnaan hatten keine Chance. Die beiden Polizisten standen am Löwentor, einem der acht Eingänge zur Altstadt von Jerusalem, als drei Palästinenser das Feuer auf sie eröffneten – der vorläufige Höhepunkt einer Gewaltwelle, die das Land seit mehr als zwei Jahren erschüttert. Mit den beiden Beamten starben auch die Attentäter, die wenig später von der Polizei auf dem nahe gelegenen Tempelberg erschossen wurden. Der oberste muslimische Geistliche der Stadt, Großmufti Muhammad Ahmad Hussein, wurde vorübergehend festgenommen, als er gegen die Abriegelung der Altstadt und die Absage der Freitagsgebete in der Al-Aksa-Moschee und auf dem Tempelberg protestierte. Wie die Zeitung Haaretz berichtet, soll er seine Glaubensbrüder aufgerufen haben, die israelischen Sperren zu durchbrechen.

Nach dem ersten schweren Angriff mit Schusswaffen in Jerusalems Altstadt seit mehreren Jahren beschäftigt die Sicherheitsbehörden nun vor allem eine Frage: Wie kamen die Attentäter mit zwei Gewehren und einer Pistole an einen der am besten bewachten Orte des Landes, den täglich auch Tausende von Touristen passieren. „Das ist ein kritischer Punkt“, sagt Arye Sharuz Shalicar, der lange Jahre Sprecher der israelischen Armee war und heute für Geheimdienstminister Israel Katz arbeitet. Schließlich werde die Altstadt („ein explosiver Hotspot“) nicht nur von der Polizei gesichert, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung, sondern auch von privaten Sicherheitsfirmen, von verdeckten Ermittlern und Mitarbeitern der Nachrichtendienste.

Dass der Anschlag der Beginn einer neuen Gewaltspirale ist, glaubt Shalicar nicht: „Weder hat Israel ein Interesse an einer Zuspitzung des Konfliktes noch die Palästinenser. Sie wissen, dass Terror sie in ihrer Sache nicht weiterbringt, sondern sie nur noch weiter zurückwirft.“

Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Wafa verurteilte Palästinenserpräsident Mahmud Abbas den Angriff in einem Telefonat mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu: „Er bekräftigte seine Ablehnung jeglicher Gewalttaten, besonders in heiligen Stätten.“ Die islamistische Hamas dagegen, die den Gaza-Streifen unter Kontrolle hat, feierte das Attentat als „heroischen Akt“. Seit Beginn der Gewaltwelle sind bei ähnlichen Attacken mehr als 40 Israelis, sieben Ausländer und fast 300 Attentäter ums Leben gekommen. Die meisten Angreifer stammten dabei aus dem von den Palästinensern regierten Westjordanland, diesmal handelt es sich bei den Attentätern allerdings um israelische Araber.

Obwohl Netanjahu mehrfach betont hat, seine Regierung wolle nichts am Status des Tempelberges ändern, der Juden, Christen und Muslimen gleichermaßen heilig ist, fürchten muslimische Extremisten um ihre Privilegien. Bisher ist es nur Muslimen erlaubt, dort zu beten, nicht aber Juden. Umso trauriger sei es, sagt Experte Shalicar, dass Muslime jetzt „aus dem sicheren Hintergrund eines heiligen Ortes“ heraus ihren Angriff gestartet hätten.

Eines der Opfer, der 30-jährige Haìl Satawi, ist erst vor drei Wochen Vater eines Jungen geworden. Sein Kollege Kamil Shnaan ist der Sohn eines langjährigen Knesset-Abgeordneten. Beide waren keine Juden, sondern Drusen – eine dem Islam verwandte Religion. (mit dpa)

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