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Jens Spahns Villa wird zum Politikum

Jens Spahns Villa wird zum Politikum
Kommentar Von Bernhard Junginger
17.08.2020

Wie teuer darf ein Minister wohnen? Diskussionen wie diese um die Villa von Jens Spahn fürchten Politiker wie der Teufel das Weihwasser.

Ja darf der das, wie kann der bloß? Der Boulevard und die nicht ganz so sozialen Medien haben ein neues Lieblingsthema: Jens Spahn und seine künftige Bleibe. Einen Millionenbetrag soll die Villa angeblich kosten, in die der CDU-Politiker Berichten zufolge bald zusammen mit seinem Ehemann Daniel Funke einzieht. Vorher muss das offenbar im Berliner Nobelviertel Dahlem gelegene Objekt aus den 1920er Jahren demnach aber noch renoviert werden.

Der Bundesgesundheitsminister als Schlüsselfigur in der Corona-Krise, so der Tenor vieler Reaktionen im Internet, verliere die Bodenhaftung, während gerade Millionen von Bürgern um ihre Existenz bangen müssten. Schon rechnen selbsternannte Experten öffentlich durch, ob sich das prominente Paar seinen Wohntraum überhaupt leisten kann. Ergebnis: Ja, eigentlich schon, auch auf Kredit. Spahn, gelernter Bankkaufmann, bezieht als Minister und Abgeordneter ein Einkommen von deutlich mehr als 20.000 Euro. Zudem hat Ehemann Daniel Funke einen mutmaßlich gut dotierten Posten beim Burda-Verlag, nicht ausgeschlossen, dass er sogar den Löwenanteil des Hauskaufs schultert. Vielleicht, spekuliert unterdessen die Klatschpresse, braucht das homosexuelle Vorzeigepaar ja dringend mehr Platz, weil es die Adoption eines Kindes plant.

Die Leistung zählt, nicht die Wohnsituation

Bei Politikern zählt die Leistung und nicht die Wohnsituation. Ob ein Mandatsträger in einem WG-Zimmer oder einem Schloss lebt, hat rein gar nichts damit zu tun, wie gut er seine Aufgabe erledigt. Spahn wird sich aber durchaus bewusst gewesen sein, dass der geplante Umzug auch starke Emotionen auslösen kann. Er ist ein absoluter Profi im Umgang mit der Öffentlichkeit und weiß in der Regel genau, was er tut. In der Corona-Krise steht der 40-Jährige im Fokus der Öffentlichkeit wie kaum ein anderes Mitglied der Bundesregierung. Ihm werden zudem Restchancen auf CDU-Vorsitz und Kanzlerkandidatur eingeräumt – obwohl er erklärt hat, seine Ambitionen zugunsten von Armin Laschet zurückzustellen.

Jens Spahns Villa wird zum Politikum

Neiddebatten und Diskussionen über ihre persönlichen Vermögensverhältnisse fürchten deutsche Politiker in der Regel wie der Teufel das Weihwasser. Kaum ein Amtsträger, der nicht für sich in Anspruch nähme, so zu wohnen, essen und urlauben, wie der Durchschnittsbürger. Wer aus der Reihe tanzt, muss mit heftigen Reaktionen rechnen. Was ist nicht schon alles geschrieben worden über den Porsche von FDP-Chef Christian Lindner, wie leidenschaftlich wurde diskutiert, ob sich die Berliner SPD-Staatssekretärin Sawsan Chebli eine Rolex ums Handgelenk schnallen darf. Fotos von Gerhard Schröder im Maßanzug als "Brioni-Kanzler" sorgten wochenlang für Aufregung. Friedrich Merz, Bewerber um den CDU-Vorsitz, ließ aufhorchen, als er sich in der Mitte der Gesellschaft einsortierte, obwohl er einen Zweitwohnsitz am Starnberger See und ein Privatflugzeug besitzt. Spahn selbst erntete einen Sturm der Entrüstung, als er sagte, Hartz IV reiche zum Leben.

Wer sich über Spahn ärgert, muss ihn selbstverständlich nicht wählen

Showstars, Fußballprofis oder Wirtschaftslenkern gönnen die Deutschen Wohlstand deutlich mehr als ihren Regierenden. Es ist aber auch vollkommen richtig, dass Wähler sich dafür interessieren, wie ein Kandidat mit Geld umgeht, fragen, woher etwaiger Reichtum stammt. Das ist das Wunderbare an der Demokratie: Wer sich ärgert, dass ein Hauskauf angesichts explodierter Immobilienpreise für ihn nicht mehr in Frage kommt oder Villenbesitzer ganz generell unsympathisch findet, muss selbstverständlich keinen wählen. Genauso selbstverständlich darf Spahn eine Villa kaufen, wenn er sich das leisten kann. Damit sollten es die Empörten bewenden und den Minister in Ruhe in sein neues Domizil ziehen lassen.

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31.08.2020

Ich mag diese Schelte auch nicht, aber hinsichtlich Spahns Aussage zu HartzIV, davon könne man leben, kann man schon genauer hinschauen. So jemand hat nicht das Recht, so einen vollkommenen Unsinn zu sagen.

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21.08.2020

Ja die armen unterbezahlten Politiker und Lobbyisten-Vertreter, wo haben die denn das viele Geld her? Hoffentlich wird das Geld auch versteuer?

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17.08.2020

Was soll die Diskussion. Hier um Augsburg bekommt man für 400.000 nicht mal mehr ein EFH. Ausser es ist Schrott. Und hier leistet sich ein Bundesminister mit seinem besserverdienenden Ehegatten eine Villa. Fragt jemand bei Lewandowski was für eine Villa er hat? Der verdient am Tag mehr als das Spahn im Monat verdient. Wir reden von einer Villa in Berlin. Nicht von einer Yacht, Sportwagen, Urlaubsreisen, Privatflugzeug oder anderen Luxusschnickschnack. Hat schon mal jemand die Preise für grosse Wohnungen Augsburg in guter Lage angeschaut?Da ist 1 Mio. oft nichts.
Da geht es einigen in erster Linie darum sich beim vermeintlich "Corona-Verantwortlichen" zu rächen.

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17.08.2020

Da die Augsburger Allgemeine, respektive Herr Junginger schreibt:
„Der Boulevard und die nicht ganz so sozialen Medien haben ein neues Lieblingsthema: Jens Spahn und seine künftige Bleibe.“
Drängt sich die Frage auf; Zu welchem Medien gehört die Augsburger Allgemeine?
"Wer sich über Spahn ärgert, muss ihn selbstverständlich nicht wählen"
ist schon sehr überheblich.
Schließlich kann ich ihn nicht „kündigen“ wenn ich mit seiner Leistung vorher zufrieden bin,
und nach der Wahl etwas anderes, dem Wahlprogramm vollkommen entgegen stehendes, präsentiert wird.

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17.08.2020

Fragt man bei Schauspielern / Fussballern / Sängern nach Verdienst und Luxus ?

Manche Leute sind schon seltsam.

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