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Porträt

14.04.2018

John Cryan: Sanierer und einstiger Hoffnungsträger

John Cryan im Mai 2016 auf der Hauptversammlung der Bank in der Festhalle in Frankfurt am Main.
Bild: Arne Dedert (dpa)

Als Sanierer trat John Cryan bei der Deutschen Bank an. Doch die schmerzhaften Jahresverluste in Serie konnte der Brite nicht stoppen. Nun musste er gehen.

Noch Ende März zeigte sich John Cryan kämpferisch. In einer Botschaft an die Mitarbeiter betonte der Vorstandschef der Deutschen Bank, an der Spitze des Geldhauses zu bleiben. Doch nach knapp drei Jahren und drei Verlustjahren in Folge kam das Ende.

Mitte 2015 hatte Cryan das Ruder in den Frankfurter Zwillingstürmen übernommen. Seine Aufgabe: Das von teuren Rechtsstreitigkeiten schwer in Mitleidenschaft genommene Institut wieder auf Kurs zu bringen.

Der heute 57-Jährige, der als messerscharfer Analytiker mit bester Detailkenntnis gilt, räumte auf. Der unprätentiös auftretende Finanzprofi beendete teurere juristische Altfälle, stärkte das Institut mit einer milliardenschweren Kapitalerhöhung, integrierte die Postbank in den Konzern und brachte die Fondstochter DWS an die Börse.

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Mit Kritik hielt der Brite nicht hinter dem Berg: Die IT der Deutschen Bank sei "lausig", viele Banker überbezahlt. "Mr. Grumpy" ("Herr Griesgram") - den Spitznamen sollen ihm britische Investmentbanker verpasst haben - verstörte mit schonungslosen Analysen Mitarbeiter und Investoren.

Gegen die schleichende Erosion der Erträge fand der Manager, der im Gegensatz zu seinem Vorgänge Anshu Jain gut Deutsch spricht, allerdings kein Mittel. Kritiker warfen ihm nach drei Jahresverlusten in Folge mangelnde Visionen vor. Cryan räumte selbst ein, dass die Zahlen der Bank noch nicht da seien, "wo wir alle sie uns wünschen".

Aufsichtsratschef Paul Achleitner hatte Cryan 2013 ins Kontrollgremium der Deutschen Bank geholt. Mit den Problemen des Dax-Konzerns war der Manager daher bestens vertraut, als die Bank Anfang Juni 2015 in höchster Not den Machtwechsel beschloss und den Briten ab Juli zum Nachfolger von Co-Chef Jain machte.

Seinen Ruf als Sanierer hatte er sich in der Schweiz erworben: Cryan wirkte als Finanzchef der UBS (2008-2011) maßgeblich am radikalen Umbau des Schweizer Finanzriesen mit, räumte unter anderem Giftpapiere aus der Bilanz und verhalf der UBS zu neuem Vertrauen an den Finanzmärkten.

Am 16. Dezember 1960 im nordostenglischen Heilbad Harrogate geboren, studierte Cryan an der Universität Cambridge (1979-1982) und begann 1982 seine berufliche Karriere bei den Wirtschaftsprüfern von Arthur Andersen in London. Der Opernliebhaber ist mit einer Amerikanerin verheiratet. (dpa)

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