1. Startseite
  2. Politik
  3. Jugendlicher tötet in Kabul sechs Menschen

Selbstmordanschlag

09.09.2012

Jugendlicher tötet in Kabul sechs Menschen

Bei einem Selbstmordanschlag der Taliban im Kabuler Diplomatenviertel sind mehrere Menschen getötet worden. Foto: S. Sabawoon dpa

Bei einem Anschlag in der afghanischen Hauptstadt Kabul hat ein minderjähriger Selbstmordattentäter am Samstag mindestens sechs Menschen mit in den Tod gerissen.

Laut einem Polizist handelte es sich bei den meisten Opfern um Kinder, die als Straßenhändler arbeiteten. Die Taliban, die sich zu dem Anschlag bekannten, erklärten, er sei die Rache für die Platzierung des Haqqani-Netzwerks auf der US-Terrorliste.

Kabul: Anschlag nahe italienischer Botschaft

Der Anschlag ereignete sich in unmittelbarer Nähe der italienischen Botschaft im Diplomatenviertel von Kabul. Ein Sprecher des Innenministeriums sagte, fünf Menschen seien verletzt worden. Nach Angaben der Polizei war der Attentäter etwa 16 Jahre alt. Laut der internationalen Afghanistantruppe ISAF wurde das Hauptquartier bei der Explosion nicht beschädigt. Das Diplomatenviertel wurde wenige Minuten nach dem Anschlag abgeriegelt.

Selbstmordanschlag an Feiertag

Wegen eines Feiertags zum Gedenken an den vor elf Jahren getöteten Kriegsherrn und Taliban-Gegner Ahmad Shah Massud waren die Sicherheitsvorkehrungen am Samstag in Kabul eigentlich besonders hoch. Massud war von zwei Selbstmordattentätern des Terrornetzwerks Al-Kaida getötet worden - zwei Tage vor den Terroranschlägen in den USA am 11. September 2001, die zu dem internationalen Militäreinsatz in Afghanistan führten.

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

Taliban bekennen sich zu Anschlag

Bereits kurz nach der Detonation bekannten sich die Taliban zu dem Anschlag. Ziel sei der US-Auslandsgeheimdienst CIA gewesen, teilte ein Sprecher mit. Der Anschlag sei die Rache für die Entscheidung der USA am Freitag gewesen, das mit den Taliban verbündete Haqqani-Netzwerk auf die Schwarze Liste der Terrorgruppen zu setzen. Der Schritt ermöglicht es den USA, Unterstützer der Gruppe zu bestrafen und ihr Vermögen in den USA einzufrieren.

In einer getrennten Erklärung bezeichneten die Taliban am Samstag die Platzierung der Gruppe auf der Liste als wirkungslos. Weder unterhielten sie Kontakt zu US-Bürgern, noch hätten sie Vermögen in den USA. Zudem bestritten die Taliban, dass es überhaupt "eine getrennte Organisation in Afghanistan namens Haqqani" gebe. Der Gründer der Gruppe, Dschalaluddin Haqqani, und seine Kämpfer seien dem Talibanführer Mullah Omar treu ergeben.

Haqqani-Netzwerk, eine der schlagkräftigsten Taliban-Gruppen

Das Haqqani-Netzwerk gilt als einer der schlagkräftigsten Taliban-Gruppen. Sein Gründer hatte in den 80er Jahren in Afghanistan auf Seiten der Mudschahedin gegen die sowjetischen Besatzungstruppen gekämpft und sich später den Taliban angeschlossen. Die USA verdächtigen Pakistan, über den Geheimdienst ISI die Gruppe weiter zu unterstützen. AFP/AZ

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren