Newsticker
Wolodymyr Selenskyj fordert eine Einstufung Russlands als Terrorstaat.
  1. Startseite
  2. Politik
  3. Kabul: Bundesregierung hat in Afghanistan versagt

Das Versagen der Bundesregierung in Kabul ist ein Desaster

Kommentar Von Bernhard Junginger
17.08.2021

Der blitzartige Siegeszug der Taliban mag verblüffen - doch auf das Chaos in Afghanistan hätte die Bundesregierung besser vorbereitet sein müssen.

In der Geschichte des jämmerlich gescheiterten westlichen Afghanistan-Einsatzes ist das Schlusskapitel ein besonders schändliches. Die schrecklichen Bilder vom militärischen Teil des Flughafens in Kabul zeigen blankes Chaos, eine hastige überstürzte Flucht. Es sind Aufnahmen, die an die dramatische Flucht der Amerikaner aus Saigon im Jahr 1975, nach dem verlorenen Vietnam-Krieg, erinnern. Dass die unglaubliche Kraftanstrengung der westlichen Welt zur Befriedung eines von jahrzehntelangen Kämpfen zerrütteten Landes, zur Schaffung ziviler Strukturen und zur Ausbildung der örtlichen Streitkräfte gescheitert ist, ist schlimm genug. Doch wie konnte die Entschlossenheit der Taliban bloß derart unter- und die Verteidigungsbereitschaft der afghanischen Armee so überschätzt werden?

Machtübernahme durch die Taliban: Die Bundesregierung agiert zu langsam

Dass die Rückeroberung des Landes durch die radikal-islamistischen Krieger absehbar war, ist kein Geheimnis. Offenbar rechneten aber selbst die pessimistischsten Experten damit, dass bis zu einem Fall Kabuls zumindest noch einige Monate Zeit bleiben würde. Die zahlenmäßig überlegene und mit westlichen Milliarden aufgerüstete afghanische Armee überließ das Land dann offenbar weitgehend kampflos den Islamisten. Eiferern, die ein Kalifat errichten wollen, Frauen unter Ganzkörperschleier zwingen und Mädchen den Schulbesuch verbieten.

Selbst wenn die Geschwindigkeit des Siegeszugs der Taliban verblüfft – die Bundesregierung hätte auf das Szenario insgesamt besser vorbereitet sein müssen. So wurden die Luftwaffen-Flieger erst viel zu spät losgeschickt, um deutsche Staatsangehörige und ihre einheimischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter herauszuholen. Statt sich schnell auf einen Aktionsplan zu einigen, stritt die Bundesregierung lieber darüber, wer überhaupt gerettet werden soll - durchaus mit Blick auf den Wahlkampf. Nun zeigen sich die Verantwortlichen tief betroffen. Doch selbst wenn wirklich niemand damit rechnen konnte, wie schnell es am Ende gehen würde – dass das leidgeprüfte Land am Hindukusch nach dem westlichen Rückzug ins Chaos stürzt, ist wahrlich keine Überraschung.

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Lesen Sie dazu auch
Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

16.08.2021

Nichts neues, die Bundesregierung hat sogar im eigenen Land versagt.

Permalink
16.08.2021

Es sind doch nicht die Deutschen an dem Unglück der ganzen Welt schuld.

Permalink
16.08.2021

>> Der blitzartige Siegeszug der Taliban mag verblüffen - doch auf das Chaos in Afghanistan hätte die Bundesregierung besser vorbereitet sein müssen. <<

Ich will dass die deutsche Regierung mit meinem Steuergeld für die Aufgaben in Deutschland vorbereitet ist.

Permalink