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Kampfjet abgeschossen
25.11.2015

Russland: Türkei soll Abschuss des Kampfflugzeugs teuer bezahlen

Von türkischen F-16-Jagdflugzeugen getroffener russischer Kampfjet: Selbst in der regierungsnahen Presse der Türkei wird Kritik an der Aktion gegen die Russen laut.
Foto: Haberturk Tv Channel, dpa

Als Vergeltung für den Absturz des russischen Kampfjets will Russland die Regierung der Türkei an einer empfindlichen Stelle treffen. Es ist die Rede von einem geplanten Hinterhalt.

Russlands geballte Wut nach dem Abschuss des Kampfjets durch die Türkei lässt nicht lange auf sich warten. Mit Steinen attackieren aufgebrachte Demonstranten die türkische Botschaft in Moskau und werfen Fensterscheiben ein. Reiseveranstalter stornieren nur Stunden nach dem Zwischenfall im syrischen Grenzgebiet vorerst alle Touren in das beliebte Urlaubsland Türkei. Russische Fußballklubs annullieren ihre vielen beliebten Wintertrainingslager in dem warmen Land.

Russische Touristen stellen mittlerweile die größte Gruppe nach den Deutschen. Allein 2014 besuchten mindestens 3,3 Millionen Russen die Türkei – das Land ist im Riesenreich unter anderem beliebt, weil man kein Visum braucht. Zuletzt war die Zahl trotz Rubelkrise sogar gestiegen, weil Russland alle Flüge nach Ägypten eingestellt hat.

Nach Abschuss des Kampfjets herrscht zwischen Türkei und Russland Eiszeit

Von Vergeltung will Außenminister Sergej Lawrow aber nichts wissen. „Das ist keine Rache – bloß Vorsicht“, sagt er. Allerdings nennt der Russe den Abschuss eine geplante Provokation. „Wir haben ernsthafte Zweifel daran, dass dies unbeabsichtigt war“, sagt Lawrow. „Dies war ganz offensichtlich ein Hinterhalt: Sie warteten, beobachteten und haben einen Vorwand gesucht.“ Er spielt damit auf die umstrittenen Angriffe der Russen auf die syrischen Turkmenen an. Viele aus der Volksgruppe, die einen türkischen Dialekt spricht, kämpfen als Rebellen gegen das Regime von Baschar al-Assad. Sie gelten dabei als Verbündete der türkischen Regierung. Russland versucht dagegen Assads Regime zu unterstützen.

Mit dem Abschuss des Bombers am Dienstag stürzt das bereits belastete türkisch-russische Verhältnis in eine Eiszeit. Nein, es gebe vorerst keine militärische Zusammenarbeit mit der Türkei mehr, betont Verteidigungsminister Sergej Schoigu.

Die Attacke ist auch ein schwerer Schlag im Ringen um eine internationale Koalition gegen die Terrormiliz Islamischer Staat – kurz vor dem mit Spannung erwarteten heutigen Besuch des französischen Präsidenten François Hollande bei Kreml-Chef Wladimir Putin. „Die Türkei hätte ein Herzstück dieser Koalition sein können. Aber das ist schon Geschichte“, schreibt die russische Zeitung Kommersant.

Die türkische Regierung selbst bemüht sich nun um Schadensbegrenzung. Präsident Recep Tayyip erklärte, sein Land habe kein Interesse an einer weiteren Eskalation, sondern stehe „auf der Seite von Frieden, Dialog und Diplomatie“. Selbst in der türkischen Öffentlichkeit wird der Abschuss als überzogen kritisiert.

Neu bekannt gewordene Details stellen zudem die türkische Darstellung in Frage, der Abschuss sei unvermeidlich gewesen. Demnach flogen zwei russische Jets nur etwa 17 Sekunden lang durch türkisches Hoheitsgebiet.

Türkische Medien kritisieren Abschuss des russischen Kampfjets

So wachsen Zweifel daran, dass der Raketenbeschuss durch die türkischen F-16-Jagdflugzeuge angemessen war. Nach US-Angaben wurde das russische Flugzeug zudem erst nach Durchquerung des türkischen Luftraums über Syrien abgeschossen. Ein Pilot konnte gerettet werden, der andere starb.

Selbst in regierungsnahen Medien in der Türkei wird Unbehagen laut. Ali Bayramoglu, ein prominenter Kolumnist der Erdogan-treuen Zeitung Yeni Safak, argumentiert, die Piloten hätten auch versuchen sollen, den russischen Jet abzudrängen. „Das Flugzeug stattdessen abzuschießen, weil fünfminütige Warnungen ignoriert wurden, ist zweifellos übertrieben und eine wenig kluge Machtdemonstration.“

Bayramoglu fügte hinzu, er hoffe, dass sich die Krise möglichst ohne größere Schäden beilegen lasse. Auch Mehmet Barlas, ein bekennender Erdogan-Fan unter den türkischen Journalisten, schrieb in der Zeitung Sabah, Ankara und Moskau sollten ihre Beziehungen nicht unklugen Entscheidungen von Luftwaffenpiloten opfern. mit dpa, afp

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26.11.2015

Nach Kampfjet-Abschuss kündigt Russland Sanktionen gegen Türkei an26.11.2015 - 16:09 | Quelle: dpa-AFXMOSKAU (dpa-AFX) -

Nach dem Abschuss eines russischen Militärflugzeugs durch die Türkei hat die Regierung in Moskau wirtschaftliche Strafmaßnahmen gegen Ankara angekündigt. Ministerpräsident Dmitri Medwedew nannte am Donnerstag unter anderem das Einfrieren gemeinsamer Investitionsprojekte sowie mögliche Einfuhrzölle. Er ordnete an, dass das Kabinett innerhalb von zwei Tagen eine Liste "breit angelegter Maßnahmen" unter anderem im Tourismus, Handel und Flugverkehr erarbeiten soll. Der "aggressive Akt" der Türkei bleibe nicht ohne Antwort, sagte Medwedew russischen Agenturen zufolge. Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew zufolge könnten die Sanktionen unter anderem den Bau des ersten türkischen Atomkraftwerks treffen. Das etwa 22 Milliarden Dollar schwere Projekt ist derzeit der größte Auftrag der russischen Atomholding Rosatom. Auch die geplante Gaspipeline Turkish Stream könnte betroffen sein.Für das bei Russen beliebte Urlaubsland Türkei gab das Außenministerium in Moskau eine Reisewarnung heraus. Bereits zuvor hatten russische Reisebüros alle Türkei-Fahrten vorerst bis Jahresende annulliert. Der Türkei entstehe dadurch ein Schaden von zehn Milliarden US-Dollar, meinte ein Behördensprecher in Moskau. Der prominente russische Kulturpolitiker Michail Schwydkoi sagte, ein geplantes russisch-türkisches Jahr der Kultur werde gestrichen./wo/DP/stw

Quelle

http://www.finanztreff.de/news/nach-kampfjet-abschuss-kuendigt-russland-sanktionen-gegen-tuerkei-an/10925155

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