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Lateinamerika

15.11.2019

Kann Jeanine Añes Bolivien nach Präsident Morales einen?

Nach dem Rücktritt von Boliviens Staatschef Evo Morales hat sich die Senatorin Jeanine Añez zur Interimspräsidentin erklärt.
Bild: Natacha Pisarenko, dpa

Jeanine Añez hat sich quasi selbst zur neuen bolivianischen Präsidentin ernannt. Nach Morales kommt ihr nun die Aufgabe zu, das gespaltene Land zu beruhigen.

Am Sonntag hatte Jeanine Añez noch den eher protokollarischen Posten der Vizepräsidentin des bolivianischen Senats inne. Am Montag flog die 52-Jährige mit einem Armeehubschrauber ins umkämpfte La Paz und bat mit tränenerstickter Stimme Gott um Hilfe bei der Befriedung des Andenlandes. Am Dienstag schließlich erklärte sich die Oppositionspolitikerin vor halb leeren Sitzreihen des Parlaments zur Nachfolgerin des zurückgetretenen Präsidenten Evo Morales und wurde umgehend vom Verfassungsgericht als solche anerkannt.

Añez gilt als scharfe Kritikerin von Morales

Añez ist Anwältin und stammt aus Trinidad, der Hauptstadt der Amazonasprovinz Beni, zusammen mit Santa Cruz eine Hochburg des Widerstands gegen Morales’ Sozialismus. Die ehemalige Fernsehmoderatorin wurde 2006 von der Opposition aufgestellt, um die Frauenquote zu erfüllen. Als Hinterbänklerin der Verfassungsgebenden Versammlung war sie an der Ausarbeitung der Verfassung von 2008 beteiligt.

2010 zog sie in den Senat ein. In dieser Legislaturperiode kritisierte die Angehörige der Oppositionsallianz Demokratische Einheit immer wieder scharf den autoritären Regierungsstil von Morales, der ins Exil nach Mexiko geflohen ist und von dort aus stichelt, so lange das Parlament seinen Rücktritt nicht annehme, sei er noch im Amt.

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Morales verhöhnt Añez als "rechte Putschistin"

Die blonde, stark geschminkte zweifache Mutter Añez entstammt der lokalen Elite, ist verheiratet mit einem kolumbianischen Politiker und bildet schon optisch einen krassen Gegensatz zu ihrem indigenen Vorgänger Morales. Dieser verhöhnt sie als „rechte Putschistin“, die sich selbst zur Präsidentin erkläre, „ohne Quorum, umringt von Komplizen und gestützt von den Streitkräften und der Polizei, die den Protest des Volkes unterdrücken“.

Auf ihren Schultern ruht nun die titanische Aufgabe, das zutiefst gespaltene Andenland zu beruhigen und eine geordnete, demokratische Transition in die Wege zu leiten. In ihrer ersten Geste winkte sie auf dem Balkon des Präsidentenpalastes der Presse und den wenigen Anhängern zu, die sich trotz einer Blockade von Morales‘ Anhängern auf die Plaza Murillo in La Paz gewagt hatten. „Ja wir schafften es“, skandierten die Versammelten.

Die Symbolik sollte ihren Willen zur Versöhnung demonstrieren: Jeanine Añez mit der Bibel in der Hand – eine Referenz an die ultrakonservative Opposition des Tieflands – und flankiert von der bunt karierten Whipala, der indigenen Flagge, die seit 2008 Staatssymbol ist und die Integration der Indigenen in die Gesellschaft symbolisiert.

Ihr einziges Ziel, beteuert die neue Frau an der Spitze des Staates, sei die Befriedung des Landes und die Einberufung von Neuwahlen, damit die Bolivianer die Gewissheit hätten, dass ihre Stimme auch zähle. Sie hat versprochen, innerhalb von 90 Tagen Wahlen anzusetzen, damit Bolivien wieder einen gewählten Präsidenten hat. Oder eine Präsidentin.

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