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Klimaschutz-Debatte: Das Klima muss entgiftet werden

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Kommentar Von Christian Imminger
08.08.2019

Statt (technologie-)offen über den Schutz des Planeten zu diskutieren, herrscht allzu oft Ideologie – und blockiert echte Lösungen. Dabei wird die Zeit knapp.

Es sind nicht nur CO2, Methan, Lachgas und wie die Klimagase alle heißen, die die Atmosphäre vergiften. Es sind hier auf Erden, in der Politik und der gesellschaftlichen Auseinandersetzung, vor allem Ideologien und Stimmungen. Und dabei verlaufen die Konfliktlinien längst nicht mehr nur geordnet zwischen den üblichen Polen, also zwischen Klimaleugnern und der Mehrheit. Vielmehr geht es darum, was man überhaupt noch machen kann gegen diese selbst verschuldete Bedrohung, die heute mit dem neuesten Bericht des Weltklimarats wieder um einiges konkreter werden wird.

Weniger konkret beziehungsweise konsistent sind hingegen die bisherigen Lösungen, und dass Politik und Wirtschaft nun – von der gegenwärtigen Stimmung aufgeschreckt und den freitäglich demonstrierenden Schülern vor sich hergetrieben – plötzlich in Aktionismus verfallen, macht die Sache nicht einfacher. Es vergeht ja kein Tag in diesem Sommer, an dem nicht irgendein Vorschlag präsentiert würde, von Inlandsflugverboten über ein paar Euro billigere Bahntickets und Bäume pflanzen bis hin zu höheren Einzelsteuern auf SUV und nun das Schnitzel – es geht ja schließlich um das Klima. Und die Wahlen.

Klimaschädliches Verhalten ist zu billig

Dabei ist es keine Frage: klimaschädliches Verhalten ist immer noch zu billig. Und noch billiger auch die Haltung, alles den Markt regeln zu lassen. Der kann das nämlich nur sehr eingeschränkt alleine schon aufgrund der Tatsache, dass künftige Generationen, die die Konsequenzen unseres heutigen Handelns zu tragen haben, noch gar keine Marktteilnehmer sind, Preise also nicht real abgebildet werden. Deswegen ist eine Ausweitung des Emissionshandels richtig. Und deswegen gehen Fridays for Future zu Recht auf die Straße, auch wenn sie mit manchen Forderungen sowie der in jeder Talkshow vorgetragenen Behauptung, bislang sei ja noch rein gar nichts geschehen, danebenliegen. Geschehen ist nämlich durchaus viel.

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Es war nur eben oft wenn schon nicht das Falsche, so zumindest Stückwerk, wie man am Beispiel der Energiewende und der auch jetzt wieder einsetzenden Diskussion über Windkraft sehen kann. Denn mögen regenerative Energien auch zur Stromversorgung beitragen, so sind Solarpaneele und Windkrafträder auf einer symbolischen Ebene gleichzeitig immer auch so etwas wie das Sichtbarmachen des guten Willens. Man kann sich jedenfalls die Frage stellen, ob ein hoch entwickeltes Land, das aus Atom- und Kohlestrom aussteigt, alleine mit Sonne, Wasser, Wind und der Vergasung von Mais über die Runden kommt (zumal ja auch noch ein paar E-Mobile, noch so ein Trend, auf den zum Beispiel VW mit allem Risiko setzt, versorgt werden wollen). Oder ob das sinnvoll ist.

Beim Klimaschutz herrscht Misstrauen gegenüber großen Lösungen

Man kann hier durchaus eine Ideologie der Kleinräumigkeit, Dezentralisierung sowie das wohlige Bauchgefühl der Regionalisierung am Werk sehen, die überdies mit dazu beigetragen haben mögen, dass vielversprechende Projekte wie etwa das von deutschen Konzernen entwickelte Desertec (also die Produktion von Wüstenstrom beziehungsweise Wasserstoff) schon vor Jahren zum Erliegen kamen. Gerade wenn es um Umwelt- und Klimaschutz geht, herrscht offenbar ein Misstrauen gegenüber großtechnologischen Lösungen. Dabei werden wir sie brauchen, da alleine Verzicht und Energiesparen (wie jetzt schon zu sehen) nicht reichen werden. Gebraucht wird aber vor allem eine offene Diskussion über eine Gesamtstrategie, die nichts von vorneherein ausschließt, kurz: einen Mix aus großen und kleinen Lösungen, aus kühnen Visionen und kühlem Pragmatismus. Und zwar schnell.

Lesen Sie dazu auch: Unsere Debattenkultur ist überdreht

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