Newsticker
RKI registriert 64.510 Corona-Neuinfektionen – Inzidenz bei 442,7
  1. Startseite
  2. Politik
  3. Koalitionsverhandlungen: So hat der "Maulwurf" Armin Laschet und Jamaika sabotiert

Koalitionsverhandlungen
06.10.2021

So hat der "Maulwurf" Armin Laschet und Jamaika sabotiert

Die Sondierungen zwischen Grünen und Union sind vorerst beendet. Die Grünen wollen lieber über eine Ampel mit der SPD verhandeln.
Foto: Michael Kappeler, dpa

FDP und Grüne wittern eine undichte Stelle bei der Union. Wollte sich nur jemand wichtig machen? Wahrscheinlicher ist, dass hinter der Plauderei eine klare Strategie steckte.

Der Maulwurf ist auch nicht zu beneiden. Mal wieder ist er zum Synonym für Geheimnisverrat und politische Wichtigtuerei geworden. Und schuld daran ist die Union, in deren Reihen es offensichtlich Leute gibt, die es mit der Verschwiegenheit in den Sondierungsgesprächen nicht ganz so genau nehmen. Das Ergebnis dieser Durchstechereien: Grüne und FDP haben eine Gemeinsamkeit mehr entdeckt, beide sind gleichermaßen genervt davon, dass nun öffentlich diskutiert wird, was doch eigentlich nicht-öffentlich besprochen wurde.

Sollte das Ziel des Maulwurfs gewesen sein, damit ein Jamaika-Bündnis zu sabotieren, hat es vorerst geklappt. Grüne und Liberale haben am Mittwochvormittag bereits bekannt gegeben, erstmal über eine Ampel-Koalition mit der SPD verhandeln zu wollen. CDU und CSU sondieren jetzt also höchstens noch, wo die undichte Stelle ist.

Aus digitalen Sitzungen kann man leicht mal eine Nachricht rausschicken

Wenn Politikerinnen oder Politiker sensible Informationen an die Medien ausplaudern, gibt es zuallererst ein recht banales Motiv und das ist persönlicher Geltungsdrang. Wer etwas weiß, was andere nicht wissen, ist wichtig. Oder fühlt sich zumindest so. Die Pandemie mit ihren digitalen Sitzungen hat es grundsätzlich noch einfacher gemacht, quasi live Informationen nach außen zu tragen. Merkt ja keiner, wer unter dem Tisch schnell eine Nachricht ins Smartphone tippt.

Im Fall der Jamaika-Sondierungen dürfte es aber nicht nur um Wichtigtuerei gegangen sein. Es ist kein Geheimnis, dass es in allen drei Parteien Leute gibt, die ein Bündnis - aus unterschiedlichen Gründen - sehr skeptisch sehen. Wer Interna an Journalisten durchsteckt, weiß natürlich, dass damit die Vertrauensbasis in den Gesprächen bröselt. Und genau das könnte ein Motiv gewesen sein. Für Grüne und FDP liefert es eine Argumentationshilfe, warum man lieber erstmal mit der SPD reden will. Für diejenigen in der Union, die den glücklosen Kanzlerkandidaten Armin Laschet loswerden wollen, wäre das Aus für Jamaika der Startschuss für den geforderten personellen Neuanfang.

Will der Maulwurf verhindern, dass Armin Laschet doch noch Kanzler wird?

Auf den ersten Blick mag es unlogisch erscheinen, dass es ausgerechnet Leute in CDU und CSU sein sollen, die verhindern wollen, dass Laschet (oder ein anderer Unionspolitiker) doch noch Kanzler wird. Doch auch hier gibt es wieder zwei Motive: Entweder der Maulwurf will selbst noch etwas werden. Oder er hält es für den falschen Weg, auf Biegen und Brechen regieren zu wollen, obwohl man die Wahl so desaströs verloren hat.

Lesen Sie dazu auch

Für Grüne und FDP ist klar, dass es jemand aus der Union sein muss, der da plaudert. Am Montag twitterte Johannes Vogel von der FDP: "Es gab vergangenes Wochenende drei Sondierungsgespräche, an denen ich für die FDP auch teilgenommen habe. Aus zweien liest und hört man nix. Aus einem werden angebliche Gesprächsinhalte an die Medien durchgestochen. Das fällt auf, liebe Union - und es nervt!" Am Dienstagabend legte Michael Kellner von den Grünen quasi wortgleich nach. War es das Ziel des Maulwurfs, potenzielle Gesprächspartner zur Weißglut zu bringen? Dann hat er es erreicht.

Zur Wahrheit gehört natürlich auch, dass es Liberalen und Grünen ganz recht sein kann, einen Grund mehr zu haben, um mit der SPD über eine Ampel zu verhandeln - was zumindest für die FDP ja nicht gerade ein Wunschbündnis wäre. Dennoch ist es wahrscheinlicher, dass die undichte Stelle bei der Union liegt. Denn zu Jamaika-Abneigung, Geltungsdrang und persönlichen Karriereoptionen kommt noch ein weiterer Faktor hinzu: fehlende Disziplin.

In CDU und CSU fehlt es nach dem Wahldebakel an Disziplin

SPD, Grüne und FDP sind die Wahlsieger, es gibt also keinen Grund, Unruhe im eigenen Laden zu stiften. Da fällt es leichter, geschlossen aufzutreten. In CDU und CSU hingegen geht es drunter und drüber. Hinter den Kulissen tobt längst die Schlacht um die Deutungshoheit über das Wahldesaster und die Fragen, wer schuld daran ist, welche Konsequenzen zu ziehen sind und wer den Karren aus dem Dreck ziehen könnte. Mögliche Laschet-Nachfolger bringen sich in Position, es geht um gekränkte Eitelkeiten, vielleicht auch um Rachegelüste.

Sollten FDP und Grüne sich mit der SPD in den kommenden Wochen einig werden, wird man keine Maulwürfe mehr brauchen, dann bricht der Streit um die Zukunft der Union auf offener Bühne aus.

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

25.10.2021

Toller Artikel! Frei nach dem Motto: "kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt, wie es ist". Jeder von den beteiligten Parteien hätte einen Grund, ein Ampel- oder Jamaika- Koalition zu sabotieren. Natürlich ist das Verhältnis Laschet - Söder angespannt., ein gefundenes Fressen für die jeweiligen Saboteure. Es gibt auch noch ein anders Sprichwort: "Wer mit dem Finger auf einen zeigt, sollte Bedenken, dass die andern drei Finger auf ihn selbst zeigen". Soviel zu den "klaren Statements" der Grünen und FDP, die Schuldigen bei der CDU/CSU zu suchen.

Permalink
20.10.2021

Maulwürfe heißen Pauli, Oskar, Willi, Kunibert, Adalbert und manchmal auch Margus, aber die kommen aber aus Franken.

Permalink
07.10.2021

@ATHANASSIOS L. 06.10.2021: „Die Art und Weise, wie er (Armin Laschet) vor allem von Markus Söder und der CSU demontiert wird, ist nur noch widerwärtig.“

CSU und „widerwärtig“ im Bundestagswahlkampf kann stehen bleiben; allerdings denke ich dabei nicht an Armin Laschet, sondern an das Bild mit den 3 Kothäufchen und Annalena Baerbock in der Mitte.
Die Bundestagswahl hat Armin Laschet schon selbst an die Wand gefahren. Und die CDU hat hoffentlich einen Lernerfolg: Man kann vielleicht eine unbeliebte Verteidigungsministerin zur EU „wegbefördern“, einen unbeliebten MP ins Kanzleramt zu hieven ist aber ungleich schwieriger.
Und wie passt Laschets Spruch im Kandidatenwettstreit in Richtung Söder, „mit Dir, dem Bayern, werden wir die Wahl verlieren“, zu seinem christlichen Menschenbild und seinem Anspruch „Zusammenhalt stiften“?

Permalink
07.10.2021

Lieber her laschet nur so am Rande Schwarz Gelb Blau würde auch reichen, sie brauchen die Grünen nicht

Permalink
07.10.2021

Also mir tut der Laschet nicht leid. Wer verloren hat und es immer noch nicht begriffen hat, kann einem nicht leid tun. Das ist einfach nur noch Dummheit!

Permalink
06.10.2021

Was für ein Hammer, so viel zu Vertraulichen Gespräche. Ich finde das ganze eine miese Nummer. Ihr in der Union, habt doch Herrn Laschet als CDU Vorsitzenden gewählt. Ich selbst war über diese Endscheidung nicht glücklich, aber Mehrheit ist nun mal Mehrheit. Diese Art finde ich einen Vertrauensverachteten Stiel. Für mich ist klar, dass Vertrauen in meinen Augen gegenüber Union ist Zerstört. Lieber eine Ampelkoalition, als eine Union die auf eine böse Art und weise Herrn Laschet auf so eine hässliche Art Stürzt. Das Stillschweigen, wäre besser gewesen, denn da hätte man der Sache etwas Vertrauen geschenkt. Ich finde Grüne und die FDP zeigten mir, wen man in Zukunft Vertrauen kann. Nichts von den früheren Schwierigkeiten der SPD gelernt, denn die Fehler der Union sind noch schwerwiegender!!! Nur noch ein Armseliges Gewürge!!

Permalink
06.10.2021

Es wird ja nicht so schwer sein über den wenigen Unionisten, die bei den vertraulichen Gesprächen dabei waren, den Verantwortlichen *in herauszufinden. Der Herr Laschet wird es wohl nicht gewesen sein. Möglicherweise war es jemand, der dem Herrn Laschet nur schaden will.

Permalink
06.10.2021

Ich bin kein Freund der CDU/CSU.

Am Anfang spürte ich Schadenfreude, dass Armin Laschet die Wahl verloren hat.

Aber mittlerweile tut mir der Kerl langsam leid und das sage sogar ich als Sozialdemokrat.

Die Art und Weise, wie er vor allem von Markus Söder und der CSU demontiert wird, ist nur noch widerwärtig. Klar, Markus Söder denkt bereits an die Bayern-Wahl 2023 und möchte sich von Armin Laschet distanzieren, aber das ist einfach nur noch schlechter Stil. Man gewinnt und man verliert gemeinsam.

Wenn er so weitermacht, könnten ihm viele das übel nehmen und ihm bald die Quittung überreichen.

Zwischen dem 14.10. und dem 27.10. findet ein Volksbegehren zur Abwahl des Bayerischen Landtags statt und dafür müssen 1 Millionen Unterschriften gesammelt werden, damit es zum Volksentscheid kommt.

Ich glaube, nur zum Spaß werde ich dann auch unterschreiben. Dann fehlen nur noch 999999 Stimmen. Ich möchte den Volksentscheid haben. :-)

In diesem Sinne

Permalink