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Die Angst vor einem schwierigen Corona-Herbst ist leider berechtigt

Kommentar Von Margit Hufnagel
09.09.2021

Man müsse mit dem Coronavirus leben, heißt es. Doch das darf nicht bedeuten, die steigenden Infektionszahlen einfach hinzunehmen.

Die Mahnungen werden wieder eindringlicher, die Stimmen lauter – und die Vorahnung, dass sich das Leben auch nach fast zwei Jahren Dauerkrise eben so schnell nicht normalisieren wird, die wird plastischer. Nicht nur in Deutschland, sondern in vielen Ländern der Welt steigen die Corona-Zahlen spürbar an. Zwar schließt die Politik neue Lockdowns aus, sie schafft den Inzidenzwert als Richtschnur ab. Doch wirklich beantworten, welche Strategie sie stattdessen befolgt, kann sie auch nicht.

In der Hoffnung, dass die Impfkampagne schon an Tempo aufnehmen wird, hat man sich auf das Prinzip Daumendrücken verlassen. Ein Fehler. Denn auch wenn die Intensivstationen bislang vergleichsweise gut durch die vierte Welle kommen, ist nicht gesagt, dass das auch so bleibt. Schon jetzt gibt es Anzeichen für eine Wende. Unsere Nachbarn Österreich und Schweiz, beide eher im „Team Freiheit“ denn im „Team Vorsicht“ zu Hause, zählen bereits wieder mehr Patienten in ihren Spitälern und erhöhen daher den Druck auf Ungeimpfte deutlich. Die aggressive Delta-Variante hat dafür gesorgt, dass sich die sicher geglaubten Erfolge binnen kurzer Zeit in Luft aufgelöst haben.

Wer zu spät auf die Corona-Zahlen reagiert, bekommt ein Problem

Dass die Bundesregierung und die Bundesländer im Wahlkampfstress das Thema nicht mehr ganz oben auf ihrer Prioritätenliste haben, lässt leider nichts Gutes erahnen – denn wenn wir eines gelernt haben seit Ausbruch dieser Pandemie, dann das: Erst zu reagieren, wenn sich die Krise schon zugespitzt hat, war selten eine gute Idee.

Doch noch nicht einmal die Luftfilter in den Schulen sind großflächig eingebaut. Ob die Zahlen in den Impfstatistiken stimmen, wird immer wieder angezweifelt. Die Gesundheitsämter können schon jetzt nicht mehr alle Kontakte von Infizierten nachverfolgen.

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Natürlich sehnt sich niemand nach einem neuen Lockdown. Aber mit einem Plan aber wäre schon einiges gewonnen. Eine Krankenhausampel etwa, die zwar plakativ von Grün auf Gelb und auf Rot springen kann, ist wirkungslos, wenn nicht klar ist, was die Folgen der Warnsignale sind. Genauso paradox ist es, wenn die Freien Wähler über einen Freiheitstag nach britischem Vorbild philosophieren. Stattdessen sollte zumindest der Versuch unternommen werden, das Ruder herumzureißen.

Einfach ist das nicht: Wie will man Menschen dazu bewegen, sich impfen zu lassen, wenn sie das bis jetzt nicht getan haben? Wie kann der Druck überhaupt noch merklich erhöht werden, wenn eine Impfpflicht ausgeschlossen wird? Zumindest in den sensiblen Berufen kann und darf es nicht sein, dass Beschäftigte ein Risiko für andere darstellen. Lehrerinnen, Erzieher, Pflegepersonal: Die Debatte, ob nicht hier eine Pflicht doch Sinn machen würde, wurde nie wirklich geführt. Bloß niemanden verschrecken – dieses Vorgehen könnte sich rächen, wenn im Herbst und Winter die Aktivitäten wieder nach drinnen verlegt werden.

Dann wird sich auch zeigen, wie praxistauglich der Satz ist: „Wir müssen mit dem Virus leben lernen.“ Für alle Geimpften und Genesenen mag das zutreffen. Wer aber Risikopatient ist oder kleine Kinder hat, der wird sich fragen, ob die Gefahr von Langzeitfolgen wirklich so einfach ignoriert werden kann.

Jeder Einzelne macht in der Corona-Pandemie den Unterschied

Die Verantwortung für unsere Gesellschaft liegt aber nicht nur in den Händen der Politik, sondern bei uns allen. Neue, wieder strenge Maßnahmen lassen sich vor allem dann verhindern, wenn die Mehrheit das Impfangebot annehmen würde. Wer also sehnsüchtig nach Dänemark und auf die weitreichenden Lockerungen schaut, der sollte auch einen Blick in die dortige Impfstatistik werfen.

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

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Die Diskussion ist geschlossen.

10.09.2021

Gegen Impfverweigerer hilft nur das Mittel der Ausgrenzung. Für Impfverweigerer hilft auch das Aussetzung der Lohnfortzahlung bei Corona Erkrankung und Anordnung der Quarantäne. Mir fehlt auch jegliches Mitleid für Impfgegner die wegen Corona auf der Intensivstation landen und künstlich beatmet werden müssen.

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10.09.2021

Ich sehe schon, in einer Hygienediktatur würden Sie sich sehr wohl fühlen...

Haben Sie wenigstens Mitleid für diejenigen, die trotz vollständigem Impschutz derzeit intensivpflichtig sind? In KW 32-35 sind das immerhin knapp 11 % der Patienten über alle Altersgruppen (bei den über 60-jährigen sind es fast 20 %; Quelle aktueller RKI-Wochenbericht).

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10.09.2021

Nicht nur in einer Hygienediktatur - auch einer ohne Hygiene. Ich gibt Situation oder Fälle, da zeigt sich das wahre Gesicht und nicht die manchmal aufgesetzte Gutmenschen-Maske.

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09.09.2021

Die Sache ist doch ganz einfach.

Jeder Rückkehrer, der nicht die aktuellen Verordnungen befolgt zahlt mindestens 20000,00E € Strafe und den eventuellen Krankenaufenthalt als Privatpatient "first class" mit mindestens 500,00 € pro Tag.

Vorteil:
- Krankenhäuser könnten wieder reell wirtschaften und das Minus sinkt
- die Spender dieser Summen würden etwas sparsamer vorgehen

Nachteil:
Unsere Beamten müssten ausnahmsweise mal was arbeiten und diese Kreaturen benennen und entsprechend bestrafen.

Ergo:
Zu viel verlangt - vergessen wir es

Hallo: WACHT MAL AUF UND EUREN JOB

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09.09.2021

Ja, jeder Einzelne trägt Verantwortung, allerdings wurde diese unterminiert durch ein bereits davor vorhandenes Mißtrauen in Politikerentscheidungen wie z.B. in der Flüchtlingskrise, fehlende Digitalisierung in vielen öffentlichen Bereichen, überforderte Schulen in den letzten 1,5 Jahren. Und, was meines Erachtens unterschätzt wird: Diese aktuell verfügbaren Impfstoffe sind komplett neu und noch nie in dieser Form verwendet worden. Es gibt einfach Menschen, die nicht grundsätzlich gegen Impfen sind, aber mißtrauisch bei einer neuen Impftechnologie! Auf die wurde keine Rücksicht genommen. Es gibt durchaus neue Impfstoffe, die wieder vom Markt verschwanden. Daher finde ich es auch geradezu katastrophal, dass nicht bis zur Zulassung eines herkömmlichen Impfstoffes (Bester Kandidat: Novavax) gewartet wurde, um die Ungeimpften noch weiter unter Druck zu setzen. Das führt nur zu einer Spaltung in der Gesellschaft, weil sich alle Ungeimpften noch weiter in die Ecke der Verweigerer geschoben fühlen. Folgen sind: Trotz, und ggf. sogar Radikalisierung. Was soll das? Das ist aus meiner Sicht keine sinnvolle Strategie. Die echten Impfverweigerer aus der Verschwörerecke lassen sich davon ohnehin nicht beeindrucken. Ich verliere aber die Bürger, die „nur“ Zweifel am neuartigen Impfstoff haben. Weiterhin 3G, kostenlose Tests und das erst beenden, wenn traditionelle Impfstoffe mit voraussichtlich weniger Nebenwirkungen auf dem Markt sind. Danach kann ich die kompletten Impfverweigerer in die entsprechende Ecke stellen, denn die sind unbelehrbar. Aber das Schulmeistertum in D läßt sich einfach nicht totkriegen, auch nicht in der Politik. Autorität sieht anders aus.
PS: Ich bin geimpft und die Nebenwirkungen waren kein Spaß.

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09.09.2021

Sie haben das alles ausführlich beschrieben, aber hier geht es um Corona und nicht um die Bundestagswahl!

Unsere Bundesregierung, die EU in Brüssel und die Medien haben sehr wohl dazu beigetragen, dass die "neue Impftechnologie" nicht besonders gut wegkommt:

Beispiel:
Seehofer einmal geimpft, trotzdem an Corona erkrankt (aus AA - zumindest so ähnlich)
Jeder vernünftige Mensch schließt daraus: Impfung hilft nicht, warum soll ich mich impfen lassen

nicht genügend AstraZeneca Impfdosen vorhanden:
hüllen wir den Mantel des Schweigens darüber

Wenn ich heute all diese schwachsinnigen "Head Lines" lese frage ich mich wirklich: "warum hast du Depp dich wirklich impfen lassen?" (den Rest lese ich ja nicht mehr)

Vielleicht sollte die AA mal eine Serie starten:
Ich habe mich impfen lassen weil: ich lebe trotzdem noch, oder genau deswegen lebe ich noch!

PS:
meine Nebenwirkungen waren Frühjahrsmüdigkeit im Juni (war schon immer etwas später dran).
Habe mich aber von einem Spezialisten impfen lassen: meiner Hausärztin, die wusste alle meine Leiden (die nicht mal ich kannte) -> habt Vertrauen zu eurem Hausarzt (falls ihr denn einen habt)
und
"NO PROBLEMA" - TRY IT"
(my perfect greek is very limitted")

PPS:
gewalttätige Impfverweigerer sollten ihren "Judenstern" behalten, die damaligen jüdischen DEUTSCHE mussten deswegen sterben, die jetzigen Träger sind Idioten und wollen sterben. Es gibt ein Land in der Europa (nicht EU), die die Triage für Impfverweigerer einführen will - und ich hoffe, dass sie das tatsächlich tun

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10.09.2021

@Lothar M.

Erstmal Hut ab, dass Sie sich haben impfen lassen. Ich bin stolz auf Sie und das meine ich ernst.

Welche Nebenwirkungen hatten Sie, wenn ich fragen darf?

Die üblichen Verdächtigen wie Schmerzen an der. Einstichstelle oder grippeähnliche Symptome?

Da Sie in der Vergangenheitsform sprechen, wie lange hatten Sie mit den Nebenwirkungen zu kämpfen?

1 Tag?
2 Tage?
3 Tage?
1 Woche?

Sind für Sie die Nebenwirkungen von bewährten Präparaten weniger schlimm, obwohl diese unter Umständen um einiges heftiger ausfallen können?

Ich persönlich mache da keinen Unterschied. Nebenwirkungen können bei jedem Medikament auftreten. Die Beipackzettel haben durchaus ihre Daseinsberechtigung.

Das Beispiel schlechthin ist in meinen Augen die Anti-Baby-Pille. Die Nebenwirkungen können mitunter sehr katastrophal sein, aber Frauen werfen sie ein wie bunte Smarties. Aber ich verstehe es ja. Wenn es um Sex ohne Reue geht, spielen die Nebenwirkungen keine Rolle mehr. Aber bei der Corona-Impfung macht frau sich plötzlich Gedanken um eine eventuelle Unfruchtbarkeit. Da werden die Prioritäten richtig gesetzt. :-)

Und jetzt kommt die wichtigste Frage überhaupt:

Wenn Sie den neuen Impfstoffen skeptisch gegenüber stehen, würde mich sehr stark interessieren, was Sie letztendlich doch dazu bewogen hat, sich impfen zu lassen und nicht auf die Zulassung von Novavax zu warten.

Herr M., Sie sind das Paradebeispiel, warum es richtig ist, den Druck auf Ungeimpfte merklich zu erhöhen, weil dadurch Menschen wie Sie noch erreicht werden können. Beratungsresistente Impfverweigerer, Leerdenker oder Aluhut-Träger interessieren mich schon lange nicht mehr.

Damit Sie auch verstehen, warum der ganze Aufwand betrieben wird, bitte ich Sie, 11 Minuten und 25 Sekunden Ihrer kostbaren Zeit zu opfern und sich folgendes Video anzusehen:

https://m.youtube.com/watch?v=bBvCD5ubKlM

Wenn Sie sehen, welche Auswirkungen Corona haben kann, setzen Sie meinetwegen die Nebenwirkungen dagegen, die Sie durch die Impfung hatten. Was wiegt schwerer?

Weil wegen Corona das öffentliche Leben mehrmals heruntergefahren wurde und die Kollateralschäden sehr hoch sind, ist die Frage der Impfung eben keine private Entscheidung mehr.

Einen weiteren Lockdown darf und wird es nicht mehr geben.

In diesem Sinne

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