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Mit den Pool-Tests wurde zu lange getrödelt

Kommentar Von Lea Thies
18.08.2021

Es ist absolut unverständlich, warum das Gesundheitsministerium mit dem neuen Test-Konzept für die Schulen so lange gewartet hat.

In rund drei Wochen beginnt das neue Schuljahr und noch immer ist das neue Pool-Test-Konzept für die Grund- und Förderschulen nicht ausgearbeitet und wird wohl hoffentlich auf den letzten Drücker fertig. Immerhin scheint das Ministerium jetzt Gas zu geben: Vor zwei Wochen war noch Ende September als Pool-Test-Start anvisiert worden, das soll nun wohl zwei Wochen früher passieren. Die Kommunen müssen nun schnell die Fahrten von den Schulen zu den Laboren organisieren.

PCR-Pool-Tests: Nordrhein-Westfalen macht vor, wie's geht

Das Schnell-Schnell wäre aber nicht nötig, hätte das Gesundheitsministerium einfach seine Hausaufgaben früher gemacht. Es ist absolut unverständlich, warum die Umsetzung der Pool-Tests so lange gedauert hat. Die Uniklinik Köln hat mit seiner Lolli-Studie längst bewiesen, dass Pooling sicherer als Schnelltesten ist.

Das Flächenland Nordrhein-Westfalen hat schon am 10. Mai Pool-Tests bei Grund- und Förderschulkindern eingeführt. Da wartete das Flächenland Bayern noch auf die Ergebnisse eigener Studien, die, Überraschung (!), zum selben Ergebnis kamen. Jetzt aber drängt die Zeit. Der Freistaat sollte jetzt auch schnell die Quarantäneregeln für Schulkinder nachbessern.

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Die Diskussion ist geschlossen.

21.08.2021

Hat denn nieman aus der Vergangenheit gelernt? Ich erinnere an die die Pooltests zum Nachweis einer HIV-Kontamination bei Blutkonserven. Durch die Verdünnung der kontaminierten Probe durch saubere erreicht man schnell die Nachweisgrenze und man bekommt fälschlicherweise ein negatives Ergebnis. Was hat man dann gewonnen?

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20.08.2021

Was ist besser? Ich sitze mit Hygienemaßnahmen in einer schnellgetesteten Klasse, wo ein positiver Fall zeitnah nach dem morgendlichen Test "abgesondert" wurde. Oder ich sitze den ganzen Vormittag in einer lolligetesteten Klasse mit einem positiven Fall, wo ich am Folgetag erst weiß, dass in der Klasse irgendein positiver Fall war (und vermutlich erst nach einem weiteren Tag, nach dem PCR-Einzeltest kenne ich die tatsächlich infizierte Person)? Wie wird da die Quarantäne geregelt?

Was auch wieder keiner erwähnt (auch wenn es im Epidemiologischen Bulletin Nr. 32 des RKI explizit steht): Der Test schlägt am besten an, wenn das Lutschen direkt nach dem Aufstehen (vor dem Frühstück und dem Zähneputzen) erfolgt. Ein Lollitest im Tagesverlauf reduziert die Sensitivität je nach Virenlast teilweise um die Hälfte. Der Unterschied zur Schnelltest-Sensitivität geht gegen Null bei höherem Aufwand (logistisch und finanziell) für die Lollitests...

Übrigens waren in dieser im Epid. Bulletin aufgezeigten Studie, die von KW11 bis KW18 durchgeführt wurde, 0,06 % der Kinder positiv, d.h. 6 von 10.000 Kinder (etwa auf diesen Wert kommen auch die Studien, die die Schnelltests an österreichischen Schulen wissenschaftlich begleiten). D.h. wir finden trotz intensiven Testens, zum Glück, nur wenige wirklich infizierte Kinder. Ist der Aufwand dafür gerechtfertigt? Vor Corona war es ausreichend, kranke Kinder zu Hause zu lassen. Jetzt müssen viele, viele gesunde Kinder nachweisen, dass sie nicht krank sind - welche Perversion...

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