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Schlimmer konnte es bei der US-Wahl gar nicht kommen

Kommentar Von Gregor Peter Schmitz
04.11.2020

Vieles wurde befürchtet vor dieser US-Präsidentschaftswahl. Das Ergebnis erschüttert dennoch: Tiefer könnte die neue Spaltung nicht sein, in Amerika und der Welt.

Es gibt Menschen, die halten jeden einzelnen Tag der zurückliegenden vier Jahre mit US-Präsident Donald Trump für einen Albtraum, aus dem man einfach nicht aufwacht. Und es gibt (noch mehr) Menschen, die das Corona-Jahr 2020 für einen Albtraum halten, in dem das Erwachen ebenfalls nicht kommt.

Allen, die so fühlen, hat der 3. November 2020 eins bewiesen: Der Albtraum endet nicht, er wird sogar noch schlimmer - und ein Aufwachen ist nicht in Sicht.

Die US-Wahl 2020 bekommt den schlimmstmöglichen Ausgang

Denn das rasiermesserscharfe Wahlergebnis aus den USA und die damit verbundene Unsicherheit ist der schlimmste aller vorstellbaren Ausgänge – zumindest für all jene, die sich wieder etwas mehr Demokratie-Liebe in Amerika gewünscht hätten. Gewiss, der Demokrat Joe Biden könnte diese Wahl noch gewinnen, sogar ohne Anrufung der Gerichte. Dafür muss, natürlich, jede Stimme in jedem Bundesstaat ausgezählt werden. Doch Biden ist in jedem Fall nicht gelungen, was Trump-Gegner, manche davon sogar in dessen eigener Partei, erhofft hatten: eine moralisch fundierte Zurückweisung des „Trumpismus“.

Damit dürfte sich das amerikanische Gemetzel der vergangenen Jahre noch verschärfen. Bei den Demokraten wird von der (starken) Parteilinken jetzt ziemlich schnell die Frage laut werden, ob es eine gute Idee war, einen alten Mann der Mitte aufzustellen.

Umgekehrt ist nun auf republikanischer Seite besiegelt, dass Trump keine historische Episode bleibt. Im Gegenteil: Selbst wenn er noch verlieren sollte, wird Trumpismus auf absehbare Zeit der entscheidende Einfluss in der Partei sein, vielleicht kann daraus gar eine Familiendynastie entstehen.

Donald Trump würde eine Niederlage bei der US-Wahl wohl nicht akzeptieren

Könnte der Oberste Gerichtshof nicht einfach entscheiden, wenn es wie jetzt knapp ist, mag man einwenden? Genau das wäre das nächste Problem. Im Jahr 2000 griffen Amerikas oberste Richter im Kampf zwischen George W. Bush und Al Gore ein, sie stoppten damals die Nachzählung im umkämpften Florida. Das war eine Einmischung, die bis heute die Legitimität des Gerichtshofes belastet.

Aber verglichen mit der heutigen Situation ging es damals zu wie in der Waldorfschule. Vor zwanzig Jahren war der Oberste Gerichtshof noch nicht so parteiisch gespalten wie heute, da Donald Trump mit gleich drei Richterernennungen diesen weit nach rechts gerückt hat. Und: Damals akzeptierte Gore seine juristische Niederlage, weil er das Land nicht weiter spalten wollte. Trump hingegen hat schon erklärt, genau das auf keinen Fall zu tun. Er hat sich lieber vorsorglich zum Sieger erklärt.

Demostranten ziehen am Tag der US-Präsidentschaftswahl mit Transparenten mit der Aufschrift "Changes" und Black Lives Matter Fahnen durch die Stadt.
19 Bilder
Eine historische Wahlnacht: Impressionen aus den USA
Foto: Ted S. Warren/AP, dpa

Donald Trump wollte nie Präsident aller Amerikaner sein

Es herrscht nun Sprachlosigkeit, buchstäblich. Die Demokraten konnten ganz offenbar nicht mit jenen kommunizieren, die auch ganz ohne die Person Trump wütend gewesen wären - die Verlierer der Globalisierung, jene weißen Abgehängten, denen eine „Identitätspolitik“ oder eine geschlechtergerechte Sprache herzlich egal ist, ihr Arbeitsplatz aber nicht.

Und Trump will mit einem Teil des Landes (oder weiten Teilen der Welt) ja gar nicht reden, er wollte niemals der Präsident aller Amerikaner sein - sondern lieber alle, die ihn unterstützen, noch ein bisschen wütender machen.

Und wir, im Rest der Welt? Wir stehen sprachlos vor diesen (Un)-Vereinigten Staaten von Amerika, die auf geraume Zeit hin um sich selbst kreisen und als Führungsmacht weiter ausfallen werden. Wir ahnen zudem: ein wenig mehr „wie Trump sein“ wird sich weltweit (noch stärker) ins politische Handeln schleichen, denn Wahl-Erfolg gilt Politikern nun einmal als bester Ratgeber. Auch wenn der auf dem Wecken der schlechtesten Instinkte beruht.

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Die Diskussion ist geschlossen.

05.11.2020

In Arizona versammeln sich bewaffnete Trump-Anhänger vor Wahlbehörde ....
https://www.tagesschau.de/newsticker/uswahl2020-liveblog-103.html
... die Proud Boys stehen ja bereit.

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05.11.2020

So langsam sollten wir begreifen, dass die Unterschiede zwischen Trumpismus und Islamismus sehr marginal sind.

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05.11.2020

Dann erklären Sie uns doch allen das mal.

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05.11.2020

Die Zielsetzungen sind da ähnlich (Beispiele):

Errichtung eines im Grunde klerikalen Gottes-Staates
Unterdrückung von Frauen, Homosexuellen, "Ungläubigen"
Diskreditierung der Wissenschaften
Bekenntnis zum Kreationismus
Menschenfeindliche Politik und Doppelmoral sind ihnen egal (siehe Trumps Äußerungen über Frauen usw.)
Tragen von Schusswaffen gehört zum Alltag

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05.11.2020

Trump macht im Endeffekt nichts anderes wie ein Hassprediger.
Gewaltakte wie das Rammen vom Begleitfahrzeug des Bidenbusses lobt er. Nennt die Täter Patrioten. Wer kann Patriot eines DEMOKRATISCHEN Landes sein, der Wahlkampf so versteht?
Er bereitet seine Leute vor, für eine edle Sache zu kämpfen. Der Gegner ist nicht einfach ein Feind, sondern der Satan schlechthin. Eine heilige Aufgabe zu erfüllen. Er nutz und bestärkt QAnon statt es zu kritisieren. Wo seine Gegner als pädophil, sadistitisch, Hochverräter und Satansanbeter bezeichnet werden.
Er warnt seit Wochen vor Betrug bei der Wahl und ruft seine Anhänger zum Widerstand auf, wenn ihm das Ergebnis nicht passen sollte. Er legitimiert quasi mögliche Gewalt als Notwehr, als Bürgerpflicht. Gleichzeitig werden mutmaßlichen Demokratenwähler immer mehr Hindernisse zur Stimmabgabe in den Weg gelegt.

Ein paar Auszüge von Trumps Sprachgebrauch:

- Es sind sehr, sehr schreckliche Menschen. (noch sehr harmlos)
- Menschlicher Abschaum (u.a. republikanische Pareifreunde die ihm widersprechen)
- Den das Ableben eines republikanischen Senatoren mit anderer Meinung "glücklich macht"
- sie "stehlen" uns die Wahl - keinerlei Beweise vorliegt oder sonst wie konkret wird
- er vergleicht Einwohner sozialschwacher Viertel mit Ratten

Es ist zu befürchten, dass bei einer Wahlniederlage von Trump, besonders wenn es so knapp wird wie es sich abzeichnet, es zu Gewaltakten von seinen Anhänger kommen wird. Und er weiter wie bisher anheizen wird, statt zu beschwichtigen.

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05.11.2020

>> Die Zielsetzungen sind da ähnlich (Beispiele):

Unterdrückung von ... Homosexuellen ... <<

Trump wusste schon warum er Richard Genrell zum US Botschafter in Deutschland macht, wo man als Homosexueller ohne größere Aufregung seitens der Regierung von IS Terroristen getötet werden kann.

https://www.deutschlandfunk.de/messerangriff-in-dresden-verschweigen-behoerden-homophobie.1939.de.html?drn:news_id=1190108

>> Das Verhalten der Behörden wird besonders von queeren Verbänden kritisiert. „Ich bin mehr als irritiert, dass die Behörden ein wichtiges Tatmotiv verschweigen“, sagte etwa der Vorstand der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, Jörg Litwinschuh-Barthel, dem Berliner „Tagesspiegel“. <<

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05.11.2020

Donnerstag

Guten Morgen - heute ist wieder Murmeltier-Tag ;-)

Die Wahl ist nach dem Aufstehen noch immer offen und die Corona Zahlen sind wieder gestiegen.

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05.11.2020

Kennen Sie den Unterschied zwischen Lukaschenko und Trump?

Falls nicht:
Lukaschenko manipuliert die Wahl bereits vor der Abstimmung,
Trump versucht es danach . . .

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04.11.2020

Eleganter und (un)glaubwürdiger Versuch die Kurve zu kratzen vom "Fest der Demokratie" zum "amerikanischen Gemetzel" und dem angeblich "sprachlosen Rest der Welt"
Ja, schwere Stunden für manchen Meinungsmacher.

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04.11.2020

Vielleicht sollte man einfach die Wähler auswechseln. Sicherlich wird man vereinzelt einige finden, die nach deutschem gusto wählen.

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04.11.2020

So schnell ändern sich die Zeiten, Herr Chefredakteur: Vor kurzem noch die "die großartigste Demokratie der Welt" - und nun eine miserabel feudalistisch von einem zwielichtigen Familienclan regierte Plutokratie.
(edit/mod/NUB 7.3/ bitte bleiben Sie sachlich)

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